@Bastianoso

Wer geht schon noch in den Zirkus?

Zirkuslampen
Photo by William Fitzgibbon on Unsplash

Der Zirkus ist in der Stadt! Auf der großen Wiese in der City-Nord, direkt am Jahnring in Hamburg, gastiert gerade, wie in jedem Jahr, der Circus Roncalli.

Ich war das letzte Mal als ganz kleines Kind im Zirkus. Das ist schon so lange her, dass die Erinnerung daran schon recht verblasst ist … ich erinnere mich noch, wie die Aufregung in mir ganz langsam stieg, als wir uns dem Zirkusgelände näherten und wie der Geruch nach Popcorn immer intensiver wurde. An die Menschenmassen, die sich zunächst vor dem pompösen Eingang aufstauten und dann auf dem riesengroßen Gelände alle durcheinander liefen.

Die Erinnerungen

Ich erinnere mich auch an die vielen bunten Lampen und die Tiere, die man sich vor der Show in ihren winzigen Gehegen anschauen konnte. Dort gab es Pferde, Ponys, Zebras und sogar Löwen, Tiger und Elefanten. Die Elefanten fand ich damals am beeindruckendsten, vor allem, weil sie aus der Nähe betrachtet noch viel größer waren, als im Zoo, wo man so weit weg stand.

Aber ich erinnere mich auch, dass ich ein wenig ängstlich war: so viele fremde Menschen um mich herum und ständig wollte jemand etwas von mir. Es gab Kinderschminken, man schenkte mir ganz viele Bonbons — ständig der Suchende blick nach meinen Eltern. Schließlich wollte ich keinesfalls verloren gehen!
Und natürlich die Ungewissheit; was passiert wohl in der Show? Sind die Clowns nett oder machen sie fiese Dinge?

Der Zirkus war als Kind immer etwas ganz Besonderes!

Bisher verspürte ich nie den Drang, mal wieder in den Zirkus zu gehen. Seit Jahren schon ignoriere ich die ganzen Plakate überall in Hamburg und, um ehrlich zu sein, habe ich mich gefragt, wer denn heute noch in den Zirkus geht?!

Klar, für Kinder mag das ja vielleicht toll sein, aber auch Kindern stehen heute so viele Unterhaltungsmöglichkeiten zur Verfügung — Computerspiele oder 3D-Animationsfilme mit atemberaubenden Spezialeffekten bieten heutzutage so viel mehr als noch zu meiner Jugend.
Außerdem interessierte mich, ob der Zirkus noch genau so ist, wie damals, als ich noch Kind war.
Gibt es immer noch Tiere? Sind die Gehege immer noch so klein? Was passiert heutzutage in so einer Show?

Zirkus im Jahre 2015

Also haben wir uns für letzten Samstag Karten für den Zirkus besorgt. Ganz modern auf roncalli.de bestellt und selbst ausgedruckt — etwas lahm.
Modern zwar, aber langweilige S/W-Tickets auf einfachem Druckerpapier sind nicht mit richtigen, bunten Zirkustickets zu vergleichen.

Um 20:00 Uhr sollte es losgehen. Wir sind rechtzeitig vorher dort gewesen und waren schon vor dem Eingang beeindruckt! Der Popcorngeruch ist immer noch da und die Menschenmassen stauen sich immer noch vor den Eingängen.
Vor dem Zirkuszelt spielt eine Liveband Jazz und Blues, es werden Bonbons ausgeteilt und Kinderschminken gibt es auch immer noch.

Zwischen den umherwuselnden Menschen laufen Clowns herum, die, glücklicherweise harmlose, Späße mit den Besuchern machen und in einer Ecke steht ein Jongleur — man fühlt sich schlagartig wie in einer anderen Welt.

Das Publikum

Á pro os Besucher: das Publikum der Abendvorstellung war bunt gemischt:

  • einige Familien mit Kindern
  • junge Pärchen
  • alte Pärchen
  • Freunde, die zusammen etwas unternehmen

Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Erwachsene Menschen ohne Kinder in den Zirkus gehen!

Wir besorgen uns erstmal Popcorn und Cola und genießen die Atmosphäre, bevor es ins Zirkuszelt geht. Dort stehen Platzanweiser in schnieken Zirkusuniformen und im Zelt werden noch Popcorn und Getränke verteilt.

Manege frei!

Wenige Minuten nach 20:00 Uhr geht es los. Der Zirkusdirektor betritt die Manege — alles wird still.
Er begrüßt die Gäste und gibt die heutzutage üblichen Hinweise auf Notausgänge, Fotografieregeln und Handybenutzung und dann geht die Show auch schon los.

In Atemberaubender Geschwindigkeit sausen die Artisten an uns vorbei und wir sind völlig überfordert, weil man gar nicht weiß wo man hinschauen soll.
Wenn zwischen den unterschiedlichen Nummern die Manege von einem halben dutzend fleißiger Helfer wieder hergerichtet wird, toben die Clowns quer durch das Publikum und lenken es ab. Alles ist so getaktet, dass man keinen Moment der Langeweile (oder Ruhe) verspürt. Kaum sind die Clowns fertig, lenken sie den Blick wieder auf die Manege und die nächste Nummer geht los.

Dabei ist alles untermalt von der neunköpfigen Liveband, die nicht nur stets die passende Musik spielt, sondern auch pointiert die Soundeffekte für die Artisten liefert.

Meine Befürchtung, der Zirkus könnte langweilig sein, vor allem, weil man heutzutage ja schließlich alles schon mal gesehen hat und es nichts Neues mehr gibt, wurde nicht bestätigt.
Tatsächlich waren die Nummern alle sehr spannend und unterhaltend!
Sei es das Jonglieren mit Fußbällen, die Hula-Hoop-Nummer, die Rollschuhartisten oder die Clowns. Selbst die eher unscheinbare Balancier-Nummer mit 14 immer größer werdenden Stäben war sehr spannend! Alle bieten etwas Neues oder kombinieren verschiedene Elemente miteinander.

Jede Nummer ist in eine eigene, kleine Geschichte eingebettet, die mit verschiedenen Mitteln erzählt wird. Sogar die Pferdedressur erzählt eine schöne Geschichte.

Ich selbst habe es ja nicht so mit Turnen … aber die Artistik-Nummern im Zirkus Roncalli sind erfrischend anders und unterhaltsam. Artistisch gibt es ja viele Möglichkeiten sich auszutoben und „anzugeben“, aber die Artisten von Roncalli halten sich hier sehr angenehm zurück und betten ihre außergewöhnlichen Bewegungen stets gut in eine Geschichte ein. Viel zu oft habe ich mitgefiebert oder war von den Bewegungsabläufen und deren Komposition im Team einfach nur erstaunt!

Außerdem ist die Mischung der verschiedenen Nummern sehr gut gelungen — es gibt eine moderne und wirklich gut gemachte Lasershow-Nummer (hat aber nichts mit Scooter zu tun), aber auch wunderschöne, ganz klassische Schattenspiele.
Zwischendurch immer wieder Artistik-Nummern und natürlich die Clowns, die mehr als Pausenfüller sind, sondern tragender Pfeiler der gesamten Show.

Während der Vorführung geht alles Schlag auf Schlag — kaum ist eine Nummer zu Ende, wird für die nächste Nummer alles vorbereitet und die Clowns überbrücken die Zeit dazwischen. Nach gut einer Stunde Nummer-an-Nummer gab es eine 15-minütige Pause. Der zweite Teil der Vorstellung ging nochmal gut eine Stunde, sodass die Vorstellung gegen 23:00 Uhr endete.

Fazit

Von meiner kindlichen Erinnerung an Zirkusvorstellungen ausgehend und mit der Erwartungshaltung, dass alles bestimmt ganz peinlich und langweilig werden wird, bin ich wirklich positiv überrascht.
Wir haben einen zauberhaften Abend in einer anderen Welt verbracht. Uns wurden Geschichten erzählt, wir haben gelacht und waren zu Tränen gerührt. Auf dem Heimweg plapperten wir die ganze Zeit begeistert durcheinander und erzählten uns gegenseitig von dem, was uns am besten gefallen hat.

Der Zirkus hat es wieder einmal geschafft, mich zu erstaunen!

Immer noch ist der Zirkus, ganz wie früher, eine eigene Welt.
Und diese Welt, auch wenn sie uns fernab jeglicher Realität erscheint, ist doch ein Abbild unserer Zeit. Aktuelle Technologien werden wie selbstverständlich zur Gestaltung der Show eingesetzt und in den Kontext der „guten alten Zeit“ gesetzt.

Fakt ist: ich werde nächstes Jahr wieder in den Zirkus gehen!

Eine Anmerkung: Tierschutz im Zirkus

Die Pferde sind bei Roncalli übigens die einzigen Tiere. Tiger, Nilpferde oder Elefanten bekommt man hier nicht zu sehen, was ich persönlich sehr gut finde. Denn es ist ja nicht bloß die Dressur, die für die Tiere potentiell eine Qual sein kann, sondern auch die Art der Unterbringung und der Transport.

Sicherlich hat sich in den vergangen Jahrzehnten in diesem Bereich viel getan und das Bewusstsein in der Öffentlichkeit und nicht zuletzt auch beim Zirkus selbst, hat viel zu Verbesserungen beigetragen. Der Zirkus Krone beispielsweise hat noch wilde Tiere und geht mit dem Thema sehr offen um: Tierschutz beim Zirkus Krone.
Ob man da jetzt von „artgerechter Haltung“ sprechen kann, bezweifle ich zwar, aber zumindest geht es den Tieren besser als vor 20 Jahren.

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