Modelleisenbahn

Das reale Leben in Miniatur nachgebaut.
Also auch eine Art Cyber Life, nur eben nicht digital sondern analog.
Und nicht dynamisch, sonder statisch.
Trotzdem teilweise „animiert“ und auf jeden Fall bewegt.

So präsentiert sich das Miniatur Wunderland im Hamburger Freihafen.

Jaja, einige LeserInnen werden jetzt höhnend rufen: „Sich eine Modellwelt anzuschauen zählt aber nicht als Real Life!“.
Dem entgegne ich nur: „Doch, es zählt!“
Denn dazu gehört ja auch eine Bus- und Bahnfahrt, ein Gang zu Fuß durch die HafenCity und ganz viele Menschen, die um einen herum wuseln!

Ich kann also jedem Freak, Geek und Nerd nur wärmstens empfehlen diese Dauerausstellung in Hamburg zu besuchen.
Denn zum Einen ist es natürlich nicht nur etwas für Freunde der Modelleisenbahn, sondern auch für computeraffine Lebewesen; denn all die technischen Wunderwerke werden von über 30 Computern gesteuert.
Der Serverschrank ist gar durch eine Glasscheibe einsehbar (Also sehr Freak-, Geek- und Nerd-konform).

Um noch mehr Vorurteile gegenüber Modelleisenbahnaustellungen auszuräumen kann ich reinsten Gewissens sagen, dass die Ausstellung nicht lediglich eine Modelleisenbahn zeigt.
Es ist eine ganze nachgebildete Welt!
Gezeigt werden derzeit z.B.:

  • Hamburg,
  • Skandinavien:
    • Dänemark,
    • Schweden,
    • Finnland,
    • Norwegen
  • teile Amerikas,
  • die Alpen (Knuffingen) und
  • der Harz.

Im Bau befindet sich außerdem ein Flughafen, auf dem später Flugzeuge voll automatisch starten, fliegen und landen sollen, sowie die Schweiz.
In den Bergen fahren ja bereits Schiffe, legen an und legen wieder ab.
Allerdings noch nicht vollautomatisch.
Vollautomatisch hieße ja, das die Schiffe nicht von einem Menschen sondern von einem Computer gesteuert werden.
Die Schiffe sind auch nicht auf einer Schnur aufgezogen, sondern werden tatsächlich ferngesteuert!

Die bisher umgesetzten Abschnitte sind riesengroß und mit sehr viel Detailreichtum versehen.
Das Wort Detailreichtum darf hierbei wahrlich wörtlich genommen werden:
Beispielsweise ist der Rasen selbstverständlich handgestreut, es gibt eingetretene Pfade und gepflanzte Modell-Blumen.
Die Menschen sind nicht wahllos auf der Landschaft untergebracht sondern formen durch ihre Konstellationen kleine Geschichten (fliegende Händler, Drogendealer, Aktmaler).
Die teilweise fahrenden Modellautos halten an roten Ampeln und haben Unfälle nach denen dann auch die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn angefahren kommt.

Außerdem gibt es an vielen Stellen Knöpfe, die durch den Besucher betätigt, Ereignisse in Gang setzen.
So bläst zum Beispiel der Turmbläser auf dem Michel die Trompete, das Riesenrad dreht sich, im Wilden Westen findet eine Schießerei statt und im Cape Canaveral kann man das Space Shuttle starten lassen.

Durch all diese Details geraten die Züge leider ein Wenig ins Hintertreffen, wobei es doch eine ganz erstaunliche Vielfalt an Lokomotiven gibt.
Es gibt Dampfloks, alte Schienenbusse die gemach verkehren und flotte ICEs die an den Besuchern vorbeidüsen.
Kleine Schmalspurbahnen und ellenlange Güterzüge, die so lang sind, dass sich fast selbst in den Schwanz beißen.

In mir ist jedenfalls wieder die Lust darauf erwacht, eine Modelleisenbahn aufzubauen 😀

Ganz besonders gut gefallen hat mir die Umsetzung der Hamburger Landungsbrücken, die ja schräg gegenüber des Miniaturwunderlands in natura zu bewundern sind.

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Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.
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