@Bastianoso

Men’s Health UrbanAthlon 2010 in Hamburg

Als engagierter Läufer ist man immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und so liest sich die Beschreibung des von der Men’s Health in Zusammenarbeit mit Radio Hamburg veranstalteten UrbanAthlons durchaus spannend:

Die Hindernisse

  • 891 Treppenstufen
  • 167m Höhenunterschied
  • wechselnder Untergrund:
    • Asphalt
    • Kopfsteinpflaster
    • Schotterpisten
    • Strandsand
    • Wiese
  • Mülltonnen-Slalom (das Labyrinth des Verderbens)
  • Fassadenlauf am Docklands-Gebäude (die Stufen der Schmerzen)
  • Rohrschikane
  • Baugerüst-Geflecht
  • Sandsackwall
  • Maximalpuls-Strecke
  • Kriechpassage
  • Bretterblockade
  • Autoreifen-Manöver (der Berg des Schreckens)
  • Linienbus-Parkour
  • Doppel-Halfpipe
  • Fahrzeug-Hopping (der Fuhrpark des Grauens)
  • Container-Klettern (die Treppe der tausend Tränen)

Und all diese Hindernisse auf einer Gesamtstrecke von 10km verteilt. Zeitmessung per Chip.

Also genau das, worauf der gelangweilte Langstreckenläufer gewartet hat. Schnelle Sprints mit harten Parkour-Stopps und anspruchsvollen Hindernissen. Insgsamt haben sich knapp 2.000 LäuferInnen zu dem Unterfangen angemeldet, darunter auch ich, als eher schmächtiger Ausdauersportler, für den 50 Liegestütze durchaus schon eine Aufgabe sind.

Das Festival

Vom Hamburg Marathon und anderen Marathonveranstaltungen kennt man das: die Marathonmesse. Auch beim UrbanAthlon waren diverse kleine Buden, in denen man, wie beim Wahrsagen auf dem Hamburger Dom, seinen Körperfettanteil messen lassen konnte oder verbilligt Schuhe, Socken und anderes Laufzubehör bekam, aufgebaut.

Das bunte und abwechslungsreiche Rahmenprogramm vertrieb die Zeit bis zum Start ganz exzellent und war sicherlich ein Eldorado für alle Leser der Zeitschrift Men’s Health.

Beim Abholen der Startunterlagen konnte man sich gegenseitig schon mal beschnuppern und ich war von all den professionellen Traceuren und aufgeblähten Muskelprotzen, die mit stolzer Brust ihr Schaulaufen über’s Gelände absolvierten, doch etwas eingeschüchtert. Nur wenige Schmächtige und ein paar Bauchträger konnte ich erspähen.

Bis zum Start zog ich mich deshalb zurück und genoss die Aussicht auf den Hafen und bereitete mich innerlich auf die 2,60m hohe Mauer vor, die es zu überwinden galt. Die auf zwei Metern Höhe und 15 Metern Länge aufgestapelten Reifen oder den zahlreichen Stufen konnten mich nur wenig beeindrucken, da roch ihr ja förmlich schon den Spaß, den es bereiten müsste sich darin umzutreiben

Der Start

In der Durchführung des Wettkampfs liegen bedauerlicherweise die Schwächen dieser Veranstaltung. So schön und beeindruckend auch das ganze Trara und die Ankündigungen auf der Webseite waren, enttäuschte das Rennen selbst leider sehr. Sehr sehr sehr!

Die Masse der 2.000 LäuferInnen ging nur stockend über die Startlinie und bis zuletzt hatte das Feld kaum Möglichkeiten sich auseinander zu ziehen.

Der Mülltonnen-Slalom war in der ein harmloser Kurs, da man schnurstraks zwischen den Tonnen hindurchlaufen konnte, ohne sie überhaupt als Störung wahrzunehmen. Als positiv fiel auf, dass es hier keine Wartezeit gab.

Die „Stufen der Schmerzen“ entpuppten sich als große Enttäuschung, denn sie ließen sich, nach einer Wartezeit von etwa 10 Minuten, nur im Schneckentempo erklimmen, da man sonst dem Vordermann in die Hacken gerannt wäre.

Die Rohrschikane war mit dem Rad weg, Bier holen.

Der Sandsackwall waren etwa 100 aufeinandergeschmissene Sandsäcke, die einen kleinen Berg von etwa einem Meter Höhe bildeten, den man völlig problemlos als kleinen Hügel ansehen könnte.

Die Maximalpuls-Strecke hat dann endlich mal das gehalten, was sie versprochen hat. Ein ständiges Treppauf Treppab und die Tatsache, dass sich das Feld endlich auseinanderzog, ließen meinen Puls in die Höhe schnellen und die angeregten Gespräche mit den Mitstreitern verstummten. Die Hoffnung auf ein ausgepowertes Finish wuchsen.

Die Kriechpassage derweil, folgte der Rohrschikane auf der Suche nach Bier und ward nicht mehr gesehen.

Das Baugerüst-Geflecht war ganz witzig, stellte aber für niemanden eine Herausforderung dar.

Nach den letzten Treppenstufen zur großen Elbstraße hinunter ging es über die Bretterschikane, eine ca. 1,80m hohe Bretterwand, die ich aufgrund meines Trainings problemlos überqueren konnte. Schließlich hatte ich für 2,60m trainiert. Für die weniger trainierten standen Helfer bereit, die eine Räuberleiter stellten.

Sehr spannend, aber mit einem knappen Meter Höhe und vielleicht zehn Metern Länge auch wieder wesentlich harmloser als angedroht erwies sich der Berg des Schreckens (die Autoreifen) als ein Spaß für Frau und Mann — da kam man sich näher und es ergaben sich die witzigsten Körperkonstellationen!

Der kurz darauf folgende Linienbus-Parkour bestand aus drei hintereinander aufgestellten HVV-Bussen, durch die man durch musste — bis auf den engagierten Busfahrer, der uns anfeuerte, eher langweilig.

Die größte Enttäuschung war die Doppel-Halfpipe (die übrigens nur eine Halfpipe war), vor der sich das Hauptfeld satte 45 Minuten staute! Ziel war es die Halfpipe hochzulaufen und auf der anderen Seite wieder hinabzurutschen. Die ewige Warterei ließ die Muskulatur auskühlen und wir fröstelten ein wenig. Das tat der Stimmung zum Glück keinen Abbruch und die TeilnehmerInnen feuerten sich gegenseitig kräftig an und halfen sich die Rampe hoch. Sogar einige der Finisher kehrten zurück und zogen und zerrten jeden, der versuchte die Halfpipe zu erklimmen, über die Kuppe.

Nachdem auch die Halfpipe hinter uns lag, überstiegen wir noch sechs nebeneinander stehende Autos (der Fuhrpark des Grauens) und kletterten die Treppe der tausend Tränen hinauf, die aus erbärmlichen vier Seecontainern bestand und binnen weniger Sekunden überwunden war.

Zieleinlauf. Aus die Maus.

UrbanAthlon: langweilig

Wenn man sich die Webseite zu Gemüte führt erscheint der UrbanAthlon als durchaus herausfordernd, stellt sich dann leider als sehr langweilig dar. Die Zeitmessung war aufgrund der langen Wartezeiten an den einzelnen Hindernissen für die Katz‘ und übrig bleibt das ganze Drumherum, für das man den Lauf nicht mitmachen braucht.

Während des Rennens beobachtete ich trainierte Traceure, die enttäuscht den Kurs verließen und mein Highlight bestand darin, einer der schnellsten Läufer gewesen zu sein und einen bekannten deutschen Seifenopernschauspieler kotzen gesehen zu haben. Meine Laufleistung wird durch die Warterei vor den Hindernissen aber wieder neutralisiert. Ein ganz großes Dankeschön geht an die vielen und sehr engagierten Streckenposten und Helfer, die dem Lauf viel Spaß und gute Laune gegeben haben.

Da ich mich beim Wettkampf nun nicht so austoben konnte, wie ich es vor hatte, habe ich danach noch eine Runde um den Stadtpark gedreht und mich ausgepowert.

Alles in allem sage ich: danke, aber nicht wieder. Der UrbanAthlon mag etwas für scheintrainierte Men’s Health-LeserInnen sein, die mal das Gefühl haben wollen einen abenteuerlichen Lauf mitzumachen, für ambitionierte LaufsportlerInnen jedoch taugt diese Veranstaltung nicht. Sie kann ohne Verluste aus der jährlichen Laufplanung gestrichen werden.

Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.

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Markus Meier

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