@Bastianoso

Kuscheln, Sex & Händchenhalten

Die deutsche A cappella Popgruppe Maybebop trat am 24. April 2014 in der Kulturetage Oldenburg auf. Als passionierter A-cappella-Hasser war ich natürlich dort um danach einen Verriss zu schreiben. Doch es kam anders.

Ich mag kein A cappella. Wirklich nicht. Das Lied “Mein kleiner grüner Kaktus“ von Max Raabe ist mir ein Graus und wenn ich im Fernsehen über eine Sendung zu den Comedian Harmonists stolpere, schalte ich sofort weiter. Diesen spießigen pseudowitzigen Singsang im schnieken Smoking ertrage ich einfach nicht.

Daher habe ich auch eher missmutig den Weg von Hamburg nach Oldenburg angetreten, um Maybebop live zu sehen. Ich rechnete mit einem Abend von bedeutungslosem, verschwurbelt über-romantischem Gesinge, etwa in dieser Art:

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https://www.youtube.com/watch?v=BuqOmtBgEmw

Als wir dort eintrafen begegnete uns ein durchaus gemischtes Publikum. Von achtjährigen Kiddies bis hin zu Rentnern war alles vertreten. Und der Saal war komplett bestuhlt — für mich war damit klar: es wird ein langweiliger Abend. Klar habe ich schon ganz tolle Konzerte im Sitzen verbracht. Zu nennen sei da beispielsweise Mark Knopfler auf seiner Solo-Tournee — aber da mochte ich auch die Musik sehr gerne. Hier bereitete ich mich auf zwei Stunden ruhigen Dahindösens vor.

Als die vier Jungs dann aber die Bühne stürmten, und so muss man es wohl bezeichnen, wurde ich doch tatsächlich neugierig und lauschte gespannt den A-cappella-Phrasen, die da auf mich einprasselten. Maybebop hat wirklich nichts mit den Comedian Harmonists oder Max Raabe zu tun und auch obiges Video des Songs „Im Moment ist alles richtig“ gehört eher zur Ausnahme ihres breit gefächerten Repertoires.

Breites Repertoire

Manchmal singen die Vier ganz seicht und sanft ihre humorvollen Texte, die so voll mit Spitzfindigkeiten sind, dass sogar Heinz Erhardt höchstselbst sich köstlich amüsieren würde und schon im nächsten Song drückt einen der tiefe Bass von Sebastian Schröder wieder fest in den Sitz, während man von Jan Malte Bürger angeschrien wird.

Die Dramaturgie der Show sorgt dafür, dass selbst mir nie langweilig geworden ist und bietet vom gesamten Maybebop-Spektrum etwas an: ruhige, romantische und zugegebenermaßen leicht verschnulzte Songs werden von derart komödiantischen Stücken abgelöst, dass ich das ein oder andere mal vor Lachen fast vom Stuhl gefallen bin.
Dazu streuen die vier Jungs noch Sprechbeiträge und kleine, zum Glück harmlose(!) Spielchen mit dem Publikum ein. Außerdem gibt es wirklich tolle Coverversionen bekannter Songs, zum Beispiel von Passengers „Let Her Go“.

Bohemian Rhapsody von Queen?!

Die Show war schon fast vorbei, die zweite Zugabe neigte sich bereits dem Ende zu, als Maybebop sich zu meinem Erschrecken daran wagte, „Bohemian Rhapsody“ von Queen zu covern. Bitte! Sowas tut man doch nicht!

Queen nutzte für das Stück fünf Tonstudios und über 180 Tonspuren, davon alleine 120 Stimmspuren. Queen hatte für das knapp sechs Minuten lange Stück 84 Stunden Tonmaterial aufgezeichnet und alles ist darin zu hören. Allein das Wort „Galileo“ benötigte drei Wochen, um in Gänze aufgenommen zu werden und es war der teuerste Song seiner Zeit!

Und nun wollen vier Jungs dieses Meisterwerk nachsingen? Noch dazu nur mit ihren Stimmen? Ohne Instrumente, ohne zusätzliche Tonspuren, ohne Chor? Das kann doch nur ganz und gar grauenvoll werden, dachte ich mir. Sehr kritisch lauschte ich den Versuchen von Maybebop, diesen Meilenstein der Musikgeschichte nachzuäffen.
Selbstverständlich kommt die Version von Maybebop nicht an das Original von Queen heran. Die unglaubliche Breite der Inszenierung ist für vier Stimmen de facto unerreichbar, aber man muss Maybebop Lob zu sprechen: einmal für den Mut, sich überhaupt an so ein Stück zu wagen und dafür, dass sie es eben nicht völlig versaut oder gar durch den Kakao gezogen haben. Jan, Lukas, Olli und Sebastian haben „Bohemian Rhapsody“ mit Würde und Achtung gegenüber Queen interpretiert und eine Version geschaffen, die Respekt verdient. Wer sich das Stück anhören möchte, findet das Video auf YouTube.

Abschließende Gedanken

Eingangs erwähnte ich ja bereits, dass ich A cappella nicht mag. Und auch nach diesem Konzert werde ich mich nicht zu Hause hinsetzen und mir die Comedian Harmonists anhören. Aber Maybebop hat es geschafft mich für das Thema zu öffnen und ich habe mich dabei auch noch prächtig amüsiert! Wer es schafft, einen A-cappella-Hasser in den ersten zehn Minuten seiner A-cappella-Show zu überzeugen, der hat Respekt verdient. Und Lob. Und Weiterempfehlungen! Also klickt auf die Homepage von Maybebop, schaut euch Videos an und besucht bei Gelegenheit mal ein Konzert in eurer Nähe. Zielgruppe: 0-99 (wie bei den Puzzlespielen).

Fotocredit: Jasmin Könemann (vielen Dank!)

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Johannes

Tja, wenn man wie du a-capella von Anfang an mit den Comedian Harmonists und Max Raabe verbindet und darauf eingrenzt, dann kann ich schon verstehen, dass man erst mal abgeneigt ist 😉

Nur sind diese zwei „Gruppen“ ja nur ein sehr sehr kleiner Teil der ganzen a-capella „Bewegung“ noch dazu aus einer Zeit (20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts) in der musikalisch einfach alles anders war.

Es gibt heutzutage viele sehr gute a-capella-Gruppen!

Hör doch mal in Pentatonix (englisch), die Wise Guys (deutsch) oder Van Canto (englisch) rein 🙂

Du wirst sehr sehr überrascht sein!

 

Johannes

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