@Bastianoso

Heldenlauf ohne Ambitionen

So eine Läufergemeinschaft ist schon ein schönes Ding; man läuft nie allein, erhält regelmäßig Feedback über den eigenen Laufstil und den neuesten Klatsch & Tratsch und auch die angesagtesten Laufevents verpasst man nicht.
So kam es, dass ich vom 8. Heldenlauf in Blankenese erfuhr (6km, 11km und Halbmarathon) und mich dann noch kurzfristig nachmelden ließ um diese neue Herausforderung mit einer Läuferin aus der Gruppe zusammen zu bestehen.

Am 29. August 2010 fiel um 10:15 Uhr der Startschuss zum achten Halbmarathon dieser ganz besonderen Art, denn die Strecke führt an der Elbe entlang, mitten durch Blankenese und wurde mir vom Trainer mit seinen zahlreichen Steigungen, Treppen und „Bergen“ als eine knallharte Aufgabe prophezeit.

Unser Ziel: in 2:30h entspannt und frisch ins Ziel zu traben.

Der Start

Die Startlinie lag direkt an der Elbe, gegenüber des Airbus-Werks (siehe Karte). Auf dem Weg dorthin war es windig, kalt und Regen schien jeden Moment herunterzukommen. Ich fühlte mich mit einer langen Tight und drei Laufshirts gut für das Wetter gerüstet und nach einer kurzen Aufwärmphase und zweimaligem Anstehen in der Toilettenschlange (Aufregung, Aufregung, Aufregung!) standen wir im Startblock und – schwitzten! Auf einmal kam die Sonne raus, der Wind ließ nach und ich sehnte mich danach zwei der drei Shirts ablegen zu können.
Doch nun war es zu spät.
In zwei Minuten würde der Startschuss fallen und wir waren bereits viel zu weit von der Kleiderbeutelabgabe entfernt, als dass man hätte noch einmal zurücklaufen können.

Der Lauf

So fiel der Startschuss und wir liefen los, pendelten uns nach wenigen hundert Metern auf einen sutschen 6er Schnitt ein (Pace: 06:00 Minuten pro Kilometer) und ließen all die ambitionierten Läufer und Enthusiasten an uns vorbeiziehen. Der Weg an der Elbe entlang war durchweg asphaltiert und es lief sich sehr gut. Die Strecke war insgesamt äußerst gut beschildert, Wegtrennungen der 6km-, 11km- und 21km-LäuferInnen wurden gesondert angekündigt und durch wachsame Streckenposten beaufsichtigt, sodass man wirklich nur mutwillig falsch abbiegen konnte.

Was diesen Lauf so besonders macht sind die zahlreichen Wege bergauf und wieder runter. Die ersten zehn Kilometer fing unsere gute Kondition (das harte Training macht sich wohl bezahlt) die Steigungen traumhaft ab, sodass wir konstant unter 06:00 Minuten pro Kilometer unterwegs waren.

In der ersten Hälfte des Laufs waren erstaunlich viele Wasserstellen aufgebaut, bei denen wir uns vorsorglich bedienten, da sie ab Kilometer 10 deutlich seltener anzutreffen waren. Als experimentierfreudiger Sportler hatte ich mir vorgenommen bei diesem Lauf auch mal eins der vielen angebotenen Kohlenhydrate-Gels auszuprobieren, da ich meinen letzten Halbmarathon ohne kaum überstanden hätte und so nahm das Team nach Kilometer 11 geschlossen Gel zu sich.
Die erste Assoziation beim Schlucken des milchig-weißen, cremigen Gels teilten alle Teammitglieder doch wir schluckten tapfer weiter!

Trotz des Gels (ist auch kein Wundermittel) machten uns die Berge zunehmend zu schaffen und auf den Treppen verloren wir etwa eine Minute pro Kilometer, holten diese jedoch auf dem Weg hinunter gut wieder auf. Die letzten Kilometer waren die Längsten –  nie enden wollende Treppen und Steigungen, Kurven, Waldgelände, Kleingartengelände – und kein Ziel in Sicht.

Erst nach Kilometer 21 erblickten wir am Horizont den großen blauen Zieleinlaufbogen, hielten tapfer das Tempo und liefen dann tatsächlich noch lächelnd und mäßig entspannt ins Ziel.

Nach dazu haben wir unsere ursprünglich angepeilte Zeit von 02:30h um satte 18 Minuten geschlagen! Und das ganz ohne uns zu verausgaben 🙂

heldenlauf-2010

Fazit

Rundherum ein schöner, sehr gut organisierter Lauf, der viel Abwechslung bietet. Wir liefen über Asphalt, Schotter, Waldboden, Gras und Treppenstufen und erklommen viele Hügel – noch dazu den sagenumwobenen Waseberg. Für LäuferInnen, die nicht gerade ihre persönliche Bestzeit aufstellen möchten ist der Blankeneser Heldenlauf eine tolle, erfrischende Abwechslung im ambitionierten Halbmarathonumfeld.

Vielen Dank an meine wunderbare Begleitung, die immer für ein ins Hecheln eingeschobenes Gespräch zu haben war 🙂

Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.

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