Coraline 3D

Der Regisseur Henry Selick, bekannt vom Tim Burton-Klassiker „Nightmare Before Christmas“, hat mit der Buchverfilmung von Neil Gaimans Fantasyroman „Coraline“ (von ihm stammt auch „Der Sternwanderer„) einen wahrlich fulminanten Stopmotion-Animationsfilm in die Kinos gebracht, der auch die abgefahrensten Fantasy-Wünsche in Erfüllung gehen lässt.

Der Spiegel schrieb dazu: „ein erwachsenes Leinwandmärchen von entrückter Schönheit – und wahrhaft großes Kino“ und ich kann dieses Zitat nur bestätigen. Vor allem das Wort „erwachsen“; denn obwohl der Film in Deutschland ab sechs Jahren freigegeben ist (wer hat den so freigegeben, liebes kinderschützendes Deutschland?!), ist er wesentlich gruseliger und grausamer als Harry Potter, der ja erst ab 12 Jahren freigegeben ist.

Der Film entführt einen in die zauberhaft verschnörkelten Bildgewalten von Tim Burton, die wir noch aus „Corpse Bride“ kennen, und trägt dabei wahrlich dick auf. Skuril ist gar kein Ausdruck.
Der Tenor nach dem Kinobesuch:

„Bunter Psycho-Albtraum, absolut abgefahren. Sowas gab’s noch nicht. Auf keinen Fall Kinder mitnehmen.“

Stimmt. Kinder können danach garantiert nicht ruhig schlafen.

Die Story

Die elfjährige Coraline Jones zieht mit ihren Eltern, beide selbstständige Buchautoren, in ein neues Mietshaus ein. Der gesamte Film spielt sich ausschließlich in diesem Haus und ein Stück um das Haus herum ab.
Im Keller des Hauses wohnen zwei schrullige alte Schauspielerschwestern (Miss Spink & Miss Forcible) und im Dachgeschoss haust ein erfolgloser russischer Mäusedompteur (Mr. Bobinsky).

Da ihre Eltern gerade an einem Buch zu einer Gartenausstellung schreiben, haben sie nur wenig Zeit für Coraline und so ist sie gezwungen, sich selbst zu beschäftigen.
Sie erkundet das neue Haus und entdeckt eine kleine verschlossene und zutapezierte Tür, hinter der aber nur eine Ziegelmauer ist. Des Nachts folgt sie ein paar Mäusen, die hinter der Tür verschwinden. Sie öffnet die Tür und plötzlich ist die Ziegelwand verschwunden und der Blick ist frei auf einen langen psychedelisch bunten Tunnel, mit einer weiteren Tür am anderen Ende. Sie krabbelt durch den Tunnel und landet in einer Parallelwelt, die genauso aussieht, wie die Welt, die sie gerade verlassen hat. Nur das hier alles viel heller, bunter und freundlicher ist. Eine Welt, in der ihre „anderen Eltern“ Zeit für sie haben, gut gelaunt sind und mit ihr spielen:

Auf den beiden Bildern sieht man im Vergleich schon sehr gut den wohl auffälligsten Unterschied der beiden Welten: die „anderen Eltern“ haben Knöpfe statt Augen. Und so hat jedes Lebewesen in der Traumwelt Knöpfe anstelle von Augen. Jedem den sie dort begegnet, blickt sie in große, runde Knopfaugen.

Der erfolglose Russe aus dem Dachgeschoss ist plötzlich ein lustiger Zirkusdirektor der mit seinen Mäusen eine tolle Show abliefert und auch die Schauspielerschwestern sind nicht mehr alt und schrullig, sondern junge, schöne Varietéstars.
Doch in der Parallelwelt ist alles viel zu schön, um wahr zu sein und Coraline beginnt Verdacht zu schöpfen.

Dennoch kehrt sie Nacht für Nacht zurück in diese Traumwelt und als sie realisiert, was das Ziel ihrer Verführung ist, ist es bereits zu spät und sie muss sich ihren Weg durch die Zauberwelt bahnen um ihre echten Eltern aus den Klauen der bösen Hexe zu befreien.
Ihre einzige Chance ihr altes Leben wieder zurück zu erlangen ist, die Hexe zu einem Spiel herauszufordern bei dem ihr Einsatz Coralines eigenes Leben ist.

Der Film hat viele Spannungsbögen, die vor allem dadurch so extrem ausfallen, dass sich Szenen liebreizender Harmonie binnen Sekunden in den blanken Horror verwandeln. Aus einem gemütlichen Wohnzimmer mit loderndem Kaminfeuer, warmer Beleuchtung und lustigen, sprechenden Möbeln wird im nächsten Moment ein gaffender, schwarzer Schlund mit einer furchterregenden Spinne in ihrem Netz, die versucht Coraline gefangen zu nehmen.
All diese Szenen machen den Film durchweg spannend. Und das obwohl viele Szenen eigentlich zum Wegschmeissen ulkig sind.

Das ist der Garant dafür, dass man diesen Film auch noch beim zweiten, dritten und vierten Mal unterhaltsam findet und er sicher nicht langweilig wird!

Coraline in der 3D Version

Den Film gibt es in zwei Versionen, eine normale Filmversion und eine 3D-Version bei der man im Kino eine besondere Brille bekommt. Im Screenshot links kann man ein Stück weit erkennen, wie das moderne 3D-Kino funktioniert. Das Bild, welches hervorstechen soll überlagert sich etwas, sodass man es ohne Brille eigentlich doppelt sieht, als würde man schielen oder hätte zuviel Alkohol getrunken.
Durch die Brille jedoch, wird Dieses in einen 3D-Effekt umgewandelt und gerade bei Coraline lohnt es sich wirklich die paar extra Euros für die 3D-Version auszugeben.

Die Szenen, in den Coraline in den Tunnel krabbelt, oder herunterfällt, sind einfach fantastisch in 3D. Der Effekt ist dezent, reicht aber aus, dass man sich in den Kinositz presst oder herumfliegenden Mäusen auszuweichen versucht.

Begeisterung überall

Jeder Kinogänger mit dem ich bisher über den Film sprechen konnte ist durchweg fasziniert und viele wollen ihn sich auch noch ein zweites und drittes Mal ansehen – natürlich in 3D!
Die Begeisterungsstürme toben sich dabei vor allem im Internet auf unzähligen Seiten aus, auf denen Filmfans sich wie Coraline in gelbe Regenkleidung werfen oder ihre Augen durch Knöpfe ersetzen.
Das geht als Fotomontage ganz einfach auf Coraline.com oder man gräbt etwas tiefer in den alten Familienschätzen und zauber große schwarze Knöpfe aus Omas Schublade hervor:

Und wer jetzt noch keine Lust auf den Film hat, der sollte einfach mal auf den offiziellen Filmseiten stöbern und sich verzaubern lassen: Deutsche Coraline-Webseite, englische Coraline-Webseite.
(Unbedingt beide besuchen! Sind unterschiedliche Seiten!)

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Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.

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