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Bürgerbeteiligung zur U5 in Barmbek-Nord

Im Auftrag des Hamburger Senats beschäftigt sich die Hochbahn mit der Planung und Umsetzung der neuen U-Bahn-Linie U5, die unter anderem auch in Barmbek-Nord eine Haltestelle bekommen soll. Über Bürgerbeteiligungen sollen die Menschen im Stadtteil eingebunden werden. Doch funktioniert das?

Bürgerbeteiligung

Für die geplante Haltestelle der neuen U-Bahn-Linie Nr. 5 in Barmbek-Nord gibt es derzeit verschiedene Varianten, die alle Vor- und Nachteile haben. Um auch die Anwohner mit in den Entscheidungsprozess einzubinden veranstaltet die Hochbahn regelmäßig Infoveranstaltungen und Diskussionspodien, auf denen sich die Bürger aktiv mit einbringen können.
„Bürgerbeteiligung“ lautet das Zauberwort.

Am 14. Dezember fand eine dieser Veranstaltungen statt und ich wollte mir mal anschauen, wie der aktuelle Stand der Planung ist und wo die neue Haltestelle denn nun hinkommt.

Die Veranstaltung fand abends in der Mensa einer Stadtteilschule in Barmbek statt und es waren um die 150 Gäste (grobe Schätzung meinerseits) anwesend. Als Moderator führte Daniel Luchterhand durch den Abend — ein Stadtplaner, der sich intensiv mit dem Thema der Stadtteilenwicklung beschäftigt.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung, als das Protokoll der letzten Bürgerbeteiligungsrunde vom 19. September vorgestellt wurde, heizte sich die Stimmung im Saal auf. Zwischenrufe unterbrachen die Vortragenden immer wieder und der Moderator musste zu dieser frühen Stunde oft eingreifen und die Menschen beruhigen.
Da bei der letzten Veranstaltung die verschiedenen Haltestellenvarianten vorgestellt wurden, sind viele Gäste heute nur gekommen, um zu erfahren, wo die Haltestelle denn nun sein wird.
Hochbahn und Moderation mussten mehrmals darauf hinweisen, dass es heute noch keine Entscheidung bezüglich der Haltestellenlage geben wird, da noch zu viele Punkte ungeklärt sind und das laut Projektplan auch noch gar nicht vorgesehen ist.

Ich bin mir unsicher, ob die Wahl einer Schule als Veranstaltungsort unglücklich ist, oder sie bewusst ironisch ausgewählt wurde. Denn auch unter Erwachsenen gibt es, wie früher in der Schule, scheinbar noch Menschen, die einfach nicht zuhören können oder ständig dazwischenrufen. Die Gesprächs- und Diskussionskultur an diesem Abend war unter aller sau. Die Gastgeber durften kaum ausreden und ständig störten Zwischenrufe und Pöbeleien (teils sogar persönliche Beleidigungen) den Ablauf.

Aber wie dem auch sei, widmen wir uns wieder ein paar Fakten:

Haltestellenvarianten

Das sind die Zwölf Haltestellenvarianten der U5 für Barmbek-Nord, die im Rahmen mit dem Senat, der Hochbahn und den Anwohnern ermittelt wurden:

u5-barmbek-nord-haltestellenvarianten-720x512 Bürgerbeteiligung zur U5 in Barmbek-Nord

  1. Eiligersweg
  2. Sportplatz
  3. Fuhlsbüttler Straße
  4. Rungestraße
  5. Rümkerstraße
  6. Hartzloh-West
  7. Hartloh-Mitte
  8. Hartzloh-Ost
  9. Hartzlohplatz
  10. Langenfort-Ost
  11. Langenfort-West
  12. Neue Wöhr

Um eine fundierte Entscheidung herbeizuführen, welche dieser Varianten die am besten geeignetste ist, hat die Hochbahn verschiedene Bewertungspunkte zugrunde gelegt. Ein Teil dieser Machbarkeitsstudie wurde an diesem Abend vorgestellt und erst nach der Ermittlung der besten Variante folgt die Vertiefung dieser Lösung. Und auch bei der Vertiefung ist es noch möglich, dass sich die Lösung als ungeeignet herausstellt.

Um den Ablauf für die Bürger transparenter darzustellen, hat die Hochbahn einen stark vereinfachten Projektplan vorgestellt:

u5-barmbek-nord-projektplan-720x540 Bürgerbeteiligung zur U5 in Barmbek-Nord

Am 14. Dezember befinden wir uns also zwischen dem ersten und zweiten Schritt. Die Festlegung der besten Lösung soll erst im Q1/2017 erfolgen.

Bewertung der einzelnen Haltestellenlagen

Für die Bewertung der oben genannten Haltestellenvarianten legt die Hochbahn vorerst folgende Kriterien zugrunde:

Da die Bewertungsmatrix zu komplex war, um sie kurzerhand mitzuschreiben, habe ich mir nur das vorläufige Fazit der Hochbahn für die einzelnen Haltestellenvarianten notiert:

  1. Eiligersweg
    durchmischte Bewertung, teils sehr positiv, doch Schulen und Busse nur schwer zu erreichen. Baulich potentiell schwierig
  2. Sportplatz
    sehr gute Bewertung, allerdings weit entfernt von Bussen und Schulen
  3. Fuhlsbüttler Straße
    Kann wegen Sackgassenlage bei der Trassierung (U-Bahn kommt rein, aber nicht wieder raus) nicht in Frage
  4. Rungestraße
    durchmischte Bewertung
  5. Rümkerstraße
    super Bewertung, allerdings sehr weit von der Fühle entfernt (Arbeitsplätze & Geschäfte)
  6. Hartzloh-West
    kommt ggf. in Frage
  7. Hartloh-Mitte
    käme in Frage, Zugang zur Haltestelle aber schlechter, als bei Hartzloh-West
  8. Hartzloh-Ost
    wegen besserer Anwohneranbindung bessere Bewertung als Hartzloh-West und -Mitte
  9. Hartzlohplatz
    sehr gute Bewertung bei der verkehrlichen Lage
  10. Langenfort-Ost
    schlechtere Bewertung, da Mehrfachanbindung und weit entfernt von der Fühle
  11. Langenfort-West
    ähnlich schlechte Bewertung wie Langenfort-Ost
  12. Neue Wöhr
    zu nach an der bestehenden S-Bahn-Station, daher Mehrfachanbindung

Nachvollziehbarerweise stieß die Bewertung der Haltestellenlagen beim Publikum nicht gerade auf Gegenliebe. Viele Kriterien wurden vermisst und auch die Bewertung der Kriterien wurde kontrovers und lautstark diskutiert.
Der Meinung der Hochbahn nach, eignen sich lediglich fünf Haltestellenlagen für eine erweiterte Betrachtung (unter Berücksichtigung weiterer Kriterien):

Daraufhin eskaliert die Stimmung im Publikum ein wenig. Die einen fordern, die Haltestelle doch auf dem Mond zu bauen, andere wollen gar keine Haltestelle in Barmbek-Nord mehr haben und wieder andere fragen nach einer Haltestelle in Steilshoop. Der Moderator hat Mühe, die Menge wieder zu beruhigen und der weitere Verlauf des Abends muss angepasst werden. Statt weiteren Vorstellungen und Ausführungen über die Haltestellenlagen, geht es mit einer Fragerunde weiter.

Fragerunde

Die Fragen, die einigermaßen sachlich waren und nicht nur aus infantilem Gezeter bestanden, habe ich mitgeschrieben:

Frage: Hat die Stadt die Hochbahn ahn beauftrag, eine U-Bahn in Barmbek zu bauen? Warum?

Antwort: Ja, weil die bestehenden Linien ausgelastet sind.

Frage: Kommt die Stadt Hamburg für alle Folgekosten auf, die den Anwohnern durch die Baustellen entstehen?

Antwort: Wir halten uns an die geltenden Gesetze, sonst gibt es selbstverständlich Entschädigungen.

Frage: Warum wird keine Ringlinie rund um Hamburg gebaut, wieso Barmbek?

Antwort: Weil Barmbek-Nord einer der am dichtesten besiedelten Gebiete Hamburgs ist.

Frage: Sind nicht alle Haltestellenlagen falsch? Wichtig ist Steilshoop!

Antwort: Dies ist die Veranstaltung für Barmbek-Nord. Fragen zu den Haltestellenlagen in Steilshoop werden mit den Anwohnern dort besprochen.

Frage: Auf was müssen sich Anwohner einstellen, wenn mehrere Jahre lang gebaut wird? Umsiedlungen? Entschädigungen?

Antwort: Die Planung von Entschädigungen folgt, sobald die Haltestellenlage feststeht (Q1/2017).

Frage: Wie sieht die Baustellenlogistik aus?

Antwort: Die Planung diesbezüglich folgt, sobald die Haltestellenlage feststeht (Q1/2017).

Die Gruppenarbeit

Nach der Fragerunde, die unter Zwischenrufen und Pöbeleien vom Moderator abgebrochen wurde, fand in der Turnhalle der Schule noch eine Gruppenarbeit statt, bei der die Gäste sich intensiv mit den zwölf Haltestellenlagen beschäftigen konnten. Diese habe ich aus zeitlichen Gründen allerdings nicht weiter begleitet.

Mein Eindruck

Ich bin, offen gesagt, schwer enttäuscht von den Anwohnern in Barmbek. Scheinbar haben sie in der Schule nie etwas zu Diskussionskultur gelernt und auch sonst kein Benimm im Umgang mit ihren Mitmenschen. Zwischenrufe kann ich bei besonders emotionalen Momenten ja noch nachvollziehen, aber persönliche Beleidigungen und die Verweigerung, einfach mal zuzuhören, kann ich nicht tolerieren.

Von erwachsenen Menschen, die womöglich sogar einem Beruf nachgehen (ob die im Job auch so sind?) hätte ich ein deutlich zivilisierteres Verhalten erwartet.

Ansonsten war die Veranstaltung wie erwartet: diffuse Streitereien über Haltestellenlagen. Außer: sie ist vor der eigenen Tür geplant. Dann drehen alle Anwohner am Rad.

Zusammenfassend kann man also festhalten, dass eine Haltestelle der U-Bahn-Linie Nr. 5 in Barmbek-Nord durchaus erwünscht ist, aber halt nicht vor der eigenen Tür.

Wie geht es weiter?

Am Samstag, den 18. Februar 2017 findet in der Stadtteilschule Helmuth Hübener von 11:00 bis 15:00 Uhr eine weitere Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung statt. Weitere Informationen und Anmeldung über hochbahn.de.


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