@Bastianoso

30. Wilhelmsburger Insellauf

Es wird ernst!
Der Start der Sportaktion in diesem Blog liegt nun fast ein Jahr zurück und ich habe nicht nur durchgehalten, sondern weitergemacht.
Auf dem Listonneur berichtete ich von meinen Winterläufen, bei denen ich durch kniehohen Schnee stapfte und über vereiste Bahnen rutschte.
Ich fand einen Trainer, einen wahren Laufgott, der unsere tapfere Gruppe mit Koordinations- und Kräftigungsübungen, Steigerungsläufen und Intervalltrainings zur Marathonreife brachte.
Und nun wird es tatsächlich ernst.

Wettkampfsituation ausloten

Am kommenden Sonntag bin ich fällig. Ich stelle mich meinem ersten Wettkampf, einem Viertelmarathon (10,55 km) auf Europas größter Binneninsel: dem Wilhelmsburger Insellauf, der dieses Jahr zum 30. mal stattfindet.
Dieses Event soll die Vorschau auf den Halbmarathon werden, den ich mir für den Sommer vorgenommen habe.
Einen Marathon wird es erstmal nicht geben, schließlich laufe ich aus Spaß an der Freude und zur Entspannung — um den Kopf frei zu bekommen.

Nach der letzten Trainingseinheit gestern befinde ich mich mit leichtem Muskelkater noch in der Regenrationsphase und werde heute und morgen Kohlenhydrate tanken. Die Laufklamotten sind frisch gewaschen und in der Gruppe gelte ich als gut vorbereitet.
Wird es reichen?
Schlage ich meine Bestzeit von 00:58h auf 10km, kann sie vielleicht sogar verbessern oder trabe ich mit über einer Stunde lahm ins Ziel?

Die Strecke

wilhelmsburger-insellauf-2010

Der Wettkampftag — ein Laufprotokoll

  • 06:00 Uhr: der Wecker reißt mich aus dem Schlaf, die Vögel zwitschern und die Sonne geht gerade auf. Ich überprüfe das Wetter: 6°C und leichter Nieselregen – Mist!
  • 06:20 Uhr: ich sitze in der Küche und würge mir trockenes Toastbrot mit Honig rein — ganz so wie es empfohlen wurde. Es schmeckt sogar ein wenig.
  • 07:00 Uhr: ich sitze vor dem Fernseher, zappe blöd rum und lande schließlich bei der x-ten Wiederholung von „keine halben Sachen“ (mit Bruce Willis)
  • 07:15 Uhr: sturmbereit verlasse ich das Haus. Ist an alles gedacht? Erwische ich die Bahn? Verfahre ich mich auch ja nicht?
  • 07:33 Uhr: sitze mit den Schnapsleichen des Vortages in der Bahn. Weit und breit keine Läufer in Sicht…die, die noch nicht schlafen, verabreden sich zum nächsten Saufgelage und ich werde nervös.
  • 08:15 Uhr: angekommen. Ausgeschildert ist hier nichts, aber der Strom von willigen LäuferInnen führt mich zielsicher zur „Ausgabe der Startunterlagen“. Ein Umschlag mit Startnummer und Zeitmesschip.
  • 08:30 Uhr: Umziehen. Die Atmosphäre ist angespannt, alle sind nervös, aber natürlich gibt man sich locker. Ich beobachte, wie jemand bei mir abschaut, wie ich meinen Chip befestige und erste Gespräche ergeben sich.
  • 09:00 Uhr: Bekannte Gesichter treffen ein und es entbrennt eine heftige Diskussion über die richtige Ernährung und letzte Übungen vor dem Start.
  • 09:20 Uhr: warmlaufen. Ich trabe locker etwa zehn Minuten herum und begleite die anderen zu ihrem Halbmarathonstart.
  • 09:45 Uhr: Start der Gruppe der Halbmarathoniken, ich mache meine Steigerungsläufe und treffe — nach einem kurzen Abstecher um die nervöse Sextanerblase zu leeren, zeitnah an der Startlinie ein.
  • 09:55 Uhr: Startschuss für den Viertelmarathon — bloß nicht zu schnell loslaufen.
  • KM 1: eine Mutter steht mit ihrem kleinen Sohn am Rand und er feuert uns kräftig an; sowas macht Mut! Aber meine Uhr sagt, ich sei 1,5km in 3:34 min. gelaufen. Das kann nicht sein, was ist da los?!
  • KM 2: 7 Minuten pro Kilometer! Viiiel zu langsam! Ich überhole ein paar Dutzend Läufer…
  • KM 5: 4:30 min. auf den Kilometer — viiiel zu schnell! Ich verlangsame das Tempo und stelle das Überholen ein.
  • KM 6: 5:30 min./km. Scheinbar habe ich meine Zeit gefunden, könnte aber ruhig etwas schneller sein.
  • KM 7: ich kann die Uhr nicht mehr lesen und was wohl schlimmer ist: sie ist mir egal. Der Blick richtet sich stur auf den nächsten Abschnitt, einen Streckenposten, eine Kurve, eine Kuh, egal, Hauptsache kleinschrittig denken! An der Verpflegungsstelle renne ich gleichgültig vorbei, während andere in die Wasserbecher stolpern.
  • KM 8-10: alles egal, durchhalten zählt! Ich hänge mich an den Vordermann in der leuchtend gelben Jacke, versuche dranzubleiben und das Tempo zu halten. Bete, dass er nicht anzieht. Dann: ein Berg (seitlicher Zugang zur Eisenbahnbrücke), ich falle ab…werde überholt. Fluche wild vor mir her. Dann erblicke ich die Mutter, dessen Sohn uns immer noch kräftig anfeuert. Ich fasse neuen Mut, grüße und versuche aufzuschließen.
  • KM 10,55: Einlaufen ins Stadion (jagut, ist ein Sportplatz, aber hey!?), tosender Beifall zweier Zuschauer und mir ist alles egal. Ich hole den ganzen erbärmlichen Rest an Kraft hervor, überhole den Vordermann in einem Abschlusssprint knapp und fliege schreiend über die Ziellinie. Breche auf dem Rasen zusammen und schnappe nach Luft. Geschafft! Welche Zeit habe ich? Hab vergessen meine Uhr zu stoppen und keinen Schimmer wie schnell ich nun eigentlich war. Ich fange den Nachfolgenden Läufer ab und er lief 54:48. Top! Damit bin ich knapp unter 55 Minuten geblieben — was will man mehr?

Fazit

Nachdem ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte und die Leute aufhörten, mich besorgt anzustarren, genehmigte ich mir ein erstes Bier (Erdinger alkoholfrei, selbstredend) und einen schönen warmen Tee. Dann lockeres Austraben auf der Bahn, den Chip wieder abgeben und umziehen. Eigentlich wollte ich direkt dort duschen, aber die Waschräume sind völlig überfüllt und so ziehe ich mich einfach nur kurz in irgendeiner Ecke um, trinke mein Bierchen aus und warte auf die Halbmarathoniken.

Nachdem auch diese ihren Lauf in erstaunlichen Zeiten absolvierten, sammelten wir noch schnell unsere Urkunden ein und begaben uns auf dem Heimweg.
Mein amtliches Endergebnis lautet: 54:44 Minuten für 10,55 Kilometer!
Damit konnte ich meine 10km-Zeit von 58 Minuten auf grandiose 52 Minuten verbessern!
Ich bin mit dem Lauf sehr zufrieden, werde die nächsten Wochen aber noch fleißig trainieren um ein besseres Geschwindigkeitsgefühl und einen gleichmäßigen Laufrhythmus zu bekommen.
Als Real-Life-Erfahrung ist das hier vielleicht schon ein wenig Overkill, aber wer gerne läuft sollte unbedingt mal so einen kleinen Lauf mitmachen!

Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.

2
Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Conrado Betzoese

Ich werde in Gedanken bei Dir sein. Unterschätze die 10,55 nicht. Ein nicht unerheblicher Unterschied auf den letzten Metern!
Und das mit dem Marathon warten wir mal ab. Denn nach dem Halbmarathon bist Du nicht mehr zu bremsen in Deiner Freude!

LG

Lafgöttchen

Der Lorenz

Bastian: reife Leistung. Vor Jahren lief ich die 10 km in 58 Minuten. Heute bin ich weit davon entfernt, dies Strecke komplett zu schaffen. Aber dein Real Life Erlebnis hat mich angespornt es auch wieder zu probieren.

Gruß
Michael

Fotos Ernährung twitter web 2.0 IST-Analyse Windows Deutschland Kino Ausbildung OS X BarCamp Microsoft Alkohol Gesellschaft Weihnachten iOS Musik Sport Bilanz Konzert Weiterleitung Fernsehen Netzwerktechnik E-Mail Terminal Internet Inventur C++ Datenbanken projekt52 Fahrrad IKEA Computer URL Altona Einkaufen Restaurant Sicherheit Buchhaltung Werbung Datenschutz Mac OS X Sibirische Katze Redirect Programmieren Wirtschaft Film Webserver Datenübertragung iPhone Facebook Abschlussprüfung Hamburg Laufen Videos Sommer Tipps & Tricks Apple Projektmanagement Netzwerk Party Kredite Kater Silvester Organisation

Hinweise zum Artikel