Images von Amiga-Disketten erstellen

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Im Rahmen meiner mittlerweile zahlreichen Projekte mit dem Raspberry Pi steht auch immer noch die Erstellung einer kompletten Retro-Spiele-Emulatorwelt auf dem Plan. Einen Amiga-Emulator für macOS habe ich schon konfiguriert, doch würde ich natürlich auch gerne all die alten Spiele spielen, die bei mir noch im Keller verstaubt lagern — doch wie lese ich die alten Amiga-Disketten am PC ein?

Wie komme ich bloß an die Daten?

Das Format ist ein gänzlich anderes, außerdem hat mein Rechner gar keinen Floppy-Anschluss mehr.
Zwar steht im Keller auch noch ein kompletter Commodore Amiga 500, sogar mit mehreren Diskettenlaufwerken, aber die passen nicht an den Rechner und wenn ich sie am Amiga spiele, dann muss ich das ganze Geraffel ja irgendwo aufbauen — und die Daten bekomme ich vom Amiga leider auch nicht so einfach auf den Computer übertragen.

Eine Möglichkeit wäre, sich irgendwie eines der letzten Amiga-Modelle zu besorgen, die man auch mit ein paar technischen Kniffen ins heimische Netzwerk bringen könnte und so die Daten übertragen könnte — aber das ist nicht nur recht teuer (und zeitaufwändig um die Teile überhaupt zu bekommen), sondern vor allem auch platztechnisch schwierig — mein Schreibtisch ist nach zwei Jahren Pandemie-HomeOffice inzwischen doch recht voll geworden.

Die andere Möglichkeit, ein externes Amiga-Diskettenlaufwerk über ein paar Adapter an den Computer via USB anzuschließen, scheiterte an den Interpretationsmöglichkeiten der zu lesenden Daten — der Rechner kann mit den Formaten einfach nichts anfangen. Also muss irgendeine andere Lösung her.

Nach einiger Recherche bin ich auf Christian Bartsch aufmerksam geworden: Christian hat seinerzeit zusammen mit Richard Aplin am bekannten Kopierprogramm „X-Copy“ mitgewirkt und stellte sich Mitte 2000 die selbe Frage, wie ich mir heute. Kurzum taten die Beiden sich zusammen und holten sich mit István Fábián, einem Entwickler von Sony, einen fähigen Programmierer mit an Bord. István gründete 2001 die „Software Preservation Society„, deren Ziel es ist, alte, digitale Kunstwerke für die Zukunft zu sichern.

Ein eigener Floppy-Controller ist die Lösung!

Die Drei haben auf Basis ihres Wissens rund um X-Copy, den Kenntnissen der verschiedenen Formate und mit ihrer Erfahrung einen eigenen Floppy-Controller entwickelt. Eine Kombination von Software und Hardware, wobei die Hardware grundsätzlich „nur“ dazu da ist, die Verbindung vom Floppydrive zum Computer herzustellen und Daten auszulesen. Hauptbestandteil des Produkts ist die Software, welche die Daten forensisch ausliest und in nahezu beliebige Formate zur Weiterverwendung überführen kann.

Üblicherweise würde ein Floppycontroller versuchen, die Daten bestmöglich zu lesen — etwaig auftretende Lesefehler also direkt beim Auslesen zu verbessern und nur „heile“ Daten zu übertragen. Wie gut die Daten dabei repariert werden, liegt jedoch beim Controller.
Christian, Richard und István verfolgen dabei jedoch den Ansatz, die Daten genau so, wie sie auf der Diskette gespeichert sind, zu übernehmen — etwaige Weiterbearbeitungen/Fehlerkorrekturen können dann „in Ruhe“ auf dem Zielsystem vorgenommen werden und bei Bedarf können die gemachten Anpassungen feinjustiert oder angepasst werden, ohne, dass man die Diskette durch erneute Lesearbeit unnötig belastet.

Herausgekommen ist dabei am Ende das Produkt „KryoFlux“ — ein forensisch arbeitender Disketten-Controller, der die Signale des angeschlossenen Diskettenlaufwerks unverändert an dem Computer weiterleitet und die dort von der Software entgegengenommen und entsprechend der Benutzereinstellungen weiterverarbeitet werden können.

Nachdem KryoFlux zunächst nur in kleinen Stückzahlen hergestellt wurde, hat sich die Lösung inzwischen weit verbreitet und ist quasi der Universalstandard geworden, um allerlei alte Disketten einzulesen. Egal ob 3,5″ oder 5¼“ — viele Formate sind über die GUI der Forensik-Software direkt auswählbar.
Was nicht schon da ist, kann über die Parameter konfiguriert werden.

Vor allem Bibliotheken, Universitäten und Forschungseinrichtungen nutzen das Produkt, um auf alte Daten zugreifen zu können und sie in neue Formate überführen zu können, aber auch für den einfachen Heimanwender wie mich, ist die Lösung sehr praktisch!

Amiga-Disketten im normalen PC-Laufwerk einlesen mit KryoFlux

Nachdem ich mich ein wenig über die Lösung eingelesen hatte und wie man mit KryoFlux Images von Amiga-Disketten erstellen kann, habe ich mir das Board einmal bestellt und ausprobiert.
Folgend nun eine kurze Anleitung, wobei die mitgelieferte Anleitung eigentlich alles sehr gut erklärt und es auch ein Support-Forum gibt.

Voraussetzungen zum Einlesen von Amiga-Disketten

  1. ein kompatibles 3,5″ (PC)-Disketten-Laufwerk mit regulärem Floppy-Anschluss
  2. das KryoFlux-Board
  3. Kabel für die Stromversorgung des Diskettenlaufwerks
  4. Datenkabel für das Diskettenlaufwerk
  5. USB-Gerätekabel für den Anschluss am PC
  6. die KryoFlux Host Software
  7. ganz viele alte Amiga-Disketten
  8. ein moderner Computer als Zielsystem:
    1. Windows (ab Version Vista)
    2. Mac OS X (10.7 – 10.10)
    3. MacOS (10.9 – 11), Intel/M1
    4. Linux
    5. AmigaOS 4

Da ich leider kein altes Diskettenlaufwerk mehr im Keller rumfliegen hatte und mich auch schwer damit tat, eine Liste kompatibler Geräte zu finden, musste ich einen Schuss ins Dunkle wagen und mir einfach irgendein gebrauchtes Modell besorgen.
Geworden ist es am Ende ein internes 3,5″-Zoll-Laufwerk von Mitsumi, Modell D359T6, in modischem Beige, da diese Modelle (zusammen mit dem etwas teureren D359T5) häufig leicht umgebaut sowieso als externe Diskettenlaufwerke für den Amiga zum Einsatz kamen.
Laufwerke von TEAC oder Epson sollten jedoch auch funktionieren.

Dankenswerterweise bietet der KryoFlux-Shop von Christian auch gleich ein Board mit allen Kabeln und Netzteil an, damit man sich nicht erst noch alle anderen Teile organisieren muss, sollte man diese nicht noch Zuhause haben.

Alles zusammenstecken, anschließen und einschalten

Hat man alle Teile beisammen, muss man nur noch alles richtig anschließen.
Damit es hier zu keinen Problemen im Ablauf kommt, folgend einmal kurz beschrieben.
Jedoch ist die mitgelieferte Anleitung da sehr detailliert und genau, sodass es hierbei zu keinen Problemen kommen sollte:

  1. Datenkabel ans Board anschließen:
    1. richtige „Polung“ bzgl. dem roten PIN1 beachten
  2. Datenkabel ans Diskettenlaufwerk anschließen
    1. auch hier auf die richtige Polung achten (Markierung am Diskettenlaufwerk)
    2. den richtigen Ausgang für das erste Diskettenlaufwerk nutzen (DF:0)
  3. mitgeliefertes Netzteil oder altes PC-Netzteil nutzen, um die Stromversorgung vom Diskettenlaufwerk herzustellen (aber noch keinen Strom draufgeben!)
  4. Software installieren
  5. KryoFlux-Board via USB an das Zielsystem anschließen
  6. erst jetzt Strom auf das Diskettenlaufwerk geben

Amiga-Disketten mit KryoFlux einlesen

Amiga-Disketten einlesen mit KryoFlux
Screenshot der KryoFlux Host Software unter macOS

Jetzt kann man die KryoFlux Host-Software starten, eine Diskette ins Laufwerk einlegen und sich das richtige Format für den Import aussuchen. Die Software hat die Konfigurationen für die gängigsten Formate bereits in den Einstellungen hinterlegt, die sich bequem über ein Dropdown auswählen lassen.
Vor dem ersten Import muss das Diskettenlaufwerk einmal kalibriert werden, damit die Software weiß, wie viele Sektoren das Laufwerk einlesen kann.

Für Amiga-Disketten nutze ich das Format „AmigaDOS sector image“, welches mir gleich eine fertige .adf-Datei liefert, die ichdirekt im Emulator meiner Wahl laden kann.
Für alte PC-Disketten, die ich am Macintosh einlesen will, nutze ich das Format „MFM sector image“ und erhalte eine praktische .img-Datei, die ich einfach im Dateisystem mounten kann und Zugriff auf die Daten erhalte.

Bitte beachten:
Da es sich um eine Forensik-Software handelt und der Floppy-Controller die Daten lediglich so, wie er sie vorfindet einliest und keine Fehlerkorrektur stattfindet, werden etwaige Lesefehler aufgrund von defekten Sektoren natürlich einfach stumpf mitgelesen und gespeichert.
Wenn man also kaputte Daten einliest, kommen hinten auch kaputte Daten heraus.

Der große Vorteil ist jedoch, dass die Daten, sind sie erstmal eingelesen, von beliebig komplexer Software weiterbearbeitet werden können und man so versuchen kann, einzelne Fehler zu beheben und Daten wiederherstellen kann. Damit habe ich mich jedoch noch nicht beschäftigt, da mein erster Test erfolgreich verlaufen ist und die Daten alle noch in Ordnung waren — und das, obwohl die Amiga-Disketten bereits über zwanzig Jahre alt sind!

Fazit

Mit dem KryoFlux-Board und der Host-Software kann ich nun meine ganze alte Softwaresammlung vom guten alten Kommode Amiga 500 einlesen und meinen Emulatoren laufen lassen. Darunter sind vornehmlich Spiele, aber natürlich funktioniert das auch für Datendisketten und Büroprogramme, von denen ich auch einige habe — oder die sensationelle Workbench von Commodore!

Als nächsten Schritt werde ich einmal tief in Keller hinabsteigen, alle Diskettenboxen rearchivieren und sie mir peu á peu vorknöpfen und schrittweise Images der Amiga-Disketten erstellen.
Ich bin schon sehr gespannt, welche Schätze sich so darunter verbergen. Ganz konkret bin ich auf der Suche nach einem alten Dungeon-Rollenspiel, bei dem mir der Name leider nicht mehr einfällt, ich aber weiß, dass ich das Spiel habe. Ich bin schon sehr gespannt, wann ich diese Perle der Rollenspiele wieder entdecken werde!

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