Die Corona-Impfstoffe und ihre Unterschiede

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um eine, zwar sorgsam zusammengestellte, dennoch laienhafte Übersicht von Informationen zu Corona-Impfungen. Diese sind nicht als medizinische Beratung zu verstehen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Ich bin für Hinweise zur Genauigkeit dankbar und freue mich über Kommentare.

Es ist ein kleines Wunder der Wissenschaft, dass wir bereits knapp ein Jahr nach Bekanntwerden des Virus bereits mehrere zugelassene Corona-Impfstoffe gegen COVID-19 zur Verfügung haben.

Üblicherweise dauert die Entwicklung eines neuen Impfstoffes mehrere Jahre, gerne auch mal zehn Jahre. Durch große finanzielle Mittel und Umpriorisierungen in der Entwicklung haben wir nun das Glück, bereits ein Jahr später einen Impfstoff in Händen halten zu können. Und da mehrere Labore zeitgleich an verschiedenen Impfstoffen gearbeitet haben, werden es auch immer mehr.

In diesem Artikel möchte ich zum Einen die zugelassenen Corona-Impfstoffe kurz beschreiben, auf ihre Unterscheide eingehen und zum Anderen auch ein paar allgemeine Informationen zu Impfstoffen versammeln.

Kümmern wir uns daher zunächst einmal um die Grundlagen:

Was passiert überhaupt bei einer Virus-Infektion?

Bei einer Virusinfektion ist, sehr vereinfacht beschrieben, das Virus in unsere Körperzellen eingedrungen und vermehrt sich dort.
Damit die Bindung an unsere Zellen funktioniert, verfügen Viren über sogenannte Spike-Proteine.
Anhand derer ist es unserem Immunsystem auch möglich, Viren zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, respektive die Virenzellen zu attackieren.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Impfstoffen?

Nach und nach erscheinen immer mehr Corona-Impfstoffe auf dem Markt und teilweise unterschieden sich diese im Herstellungsprozess oder ihrer Wirkweise. Daher möchte ich erst einmal auf die unterschiedlichen Technologien in der Impfstoffentwicklung eingehen.

Die RNA-Impfstoffe

Wenngleich RNA nicht so bekannt ist, wie die DNA, spielt RNA doch in der Impfstoffentwicklung bereits seit mehreren Jahren eine große Rolle, wenngleich bisher noch ohne Zulassung (bis heute!).

Was ist der Unterschied zwischen RNA und DNA?

In der RNA (Ribonukleinsäure) sind die Erbinformationen des Virus gespeichert, ähnlich der DNA (Desoxyribonukleinsäure) beim Menschen. Im Gegensatz zur doppelsträngigen DNA ist die RNA meist nur einzelsträngig und damit nicht so stabil, wie die DNA. Sie gehört nativ zum Virus und Corona-Impfungen auf Basis von Viren-RND enthalten einen eindeutigen Identifiziere der Virus-RNA als Bestandteil.

Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind mRNA-Imfpstoffe.
Sie nutzen mit der mRNA die Botenstoff-Moleküle der RNA, auch Boten-RNA oder messenger-RNA (daher mRNA) genannt.

Kann ein RNA-Impfstoff meine DNA verändern?

Auf den ersten Blick enthalten sowohl RNA als auch DNA Erbinformationen und da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass ein RNA-Impfstoff auch DNA modifizieren kann.
Aus zwei Gründen funktioniert das aber nicht:

  1. die abweichende biochemische Zusammensetzung ermöglicht es nicht, dass RNA in DNA integriert werden kann
  2. die menschliche DNA liegt geschützt im Zellkern vor, zu dem RNA nicht durchdringen kann, weil sie bereits im endoplasmatischen Retikulum (im Cytoplasma) verarbeitet, bzw. zersetzt wird

Damit RNA in DNA umgewandelt werden kann, müsste das Virus über sogenannte „Primer“ verfügen, dass ist beim Corona-Virus im Gegensatz zum HI-Virus jedoch nicht der Fall.
Und selbst wenn, dann könnte das Virus nur seine eigenen Informationen in DNA umwandeln, aber der Mensch würde dadurch nicht zu einem Virus mutieren.

Die RNA-Impfstoffentwicklung wurde übrigens nicht erst 2020 begonnen, sondern läuft schon seit mehr als 25 Jahren! Die Corona-Impfungen sind lediglich die ersten, die zugelassen wurden, was vor allem in der höheren Komplexität von Forschung und Entwicklung im Gegensatz zu Lebend-/Totimpfungen begründet ist.

DNA-Impfstoffe

Im Gegensatz zu RNA-Impfstoffen sind DNA-Impfstoffe etwas schwieriger in der Herstellung, sind in der Wirkweise jedoch vergleichbar mit dem RNA-Impfstoff, da auch sie die Erbgutinformationen des Virus, dieses Mal jedoch in DNA-Form, in sich tragen und an das Immunsystem des Geimpften weitergeben.

Für die großvolumige Herstellung von DNA-Impfstoffen sind sich schnell teilende Bakterien notwendig, die in einer Plasmalösung die DNA vermehren.

Können DNA-Impfstoffe meine DNA verändern?

RNA und DNA sind nicht direkt kompatibel, doch DNA und DNA sind es. Zumindest in der Theorie.
In der Praxis wird auch hier die im Impfstoff enthaltene Information außerhalb des Zellkerns vom Immunsystem verarbeitet, jedoch ist, so wie ich es verstanden habe, ein Zellmutation nicht ausgeschlossen, konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden — und ich persönlich bezweifle, dass wir dadurch dann supercoole Mutanten mit Laseraugen werden.

Vektorimpfstoffe

Bei Vektorvirusimpfstoffen wird ein anderes Virus als Transportmittel/Trägervirus für die DNA- oder RNA-Erbinformationen des eigentlich beabsichtigten Virus verwendet. Die Herstellung ist mehrstufig und komplex, da zunächst die Vektorviren in Massen gezüchtet werden müssen, bevor man sie mit den DNA- oder RNA-Informationen des eigentlichen Virus anreichert.

Zudem könnte das Immunsystem auch fälschlicherweise die Informationen des Trägervirus verarbeiten, deshalb ist eine Zweitimpfung meist sinnlos (da der Körper die Informationen bereits kennt).

Beim von AstraZeneca entwickelten Impfstoff wird beispielsweise das Adenovirus als Trägervirus eingesetzt, wobei es sich um ein Erkältungsvirus bei Affen handelt.

Subunit-Impfstoffe

Protein-Untereinheiten-Impfstoffe verwenden Proteinfragmente des Virus, um eine Immunantwort auszulösen. Dabei werden Teile des genetischen Codes für das Antigen in Hefezellen eingefügt und diese gezielt vermehrt. Die Impfung gegen Hepatitis-B ist ein prominentes Beispiel einer Subunit-Impfung.

Lebendimpfstoffe

Lebendimpfungen bestehen aus aktiven Viren, die noch in der Lage sind, sich zu replizieren, jedoch keine Krankheiten mehr auslösen. Die Immunantwort kann teilweise heftig ausfallen, da der Körper ja auch mit sich reproduzierenden Viren in Kontakt kommt und ganz normal alles mobilisiert, um dagegen anzukämpfen.

Er schickt also alle seine Killer-T-Zellen und Helfer-T-Zellen in den Kampf und der Körper macht den normalen Ablauf der Erkrankung durch, ohne jedoch die Krankheit selbst zu bekommen (weil die Viren so modifiziert wurden, dass sie keine Krankheit mehr auslösen).

Totimpfstoffe

Totimpfungen sind sehr ähnlich zu den Lebendimpfungen, jedoch ist das genetische Material der Viren hier so zerstört, dass diese sich nicht mehr reproduzieren, jedoch trotzdem eine Immunreaktion auslösen.

Beispielsweise handelt es sich bei der Grippeimpfung um eine Totimpfung, die in bebrüteten Hühnereiern hergestellt wird.

Erwünschte Nebenwirkungen

Im gleich folgenden Abschnitt der Langzeitfolgen beschreibe ich seltene Nebenwirkungen von Impfungen, doch gibt es bei Impfungen auch immer übliche Nebenwirkungen.
Hier muss man jedoch unterscheiden, ob es sich tatsächlich um Nebenwirkungen handelt, oder um eine Impfreaktion/Immunantwort.

Denn momentan werden vor allem die Impfreaktionen als Nebenwirkung in die Öffentlichkeit getragen. Dabei sind Impfreaktionen prinzipiell ein gutes Zeichen, denn sie zeigen an, dass der Körper auf die Impfung reagiert und die übergebenen Informationen im Rahmen einer Immunantwort verarbeitet.
Dazu gehören unter anderem:

  • leichte Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle
  • leichtes Fieber
  • mattes Krankheitsgefühl

Dies sind alles Anzeichen für eine kleine Entzündung. Also die Reaktion des Immunsystems auf die Vireninformationen. Und das ist auch gut so.

Langzeitfolgen der Corona-Schutzimpfung

Impfungen sind fester Bestandteil der neueren Menschheitsgeschichte. Sie sind lange erforscht und erprobt worden und mögliche Langzeitfolgen sind alleine dadurch schon empirisch belegt/widerlegt, dass wir bereits mehrere Generationen durchgeimpft haben.

Wie können die Langzeitfolgen eines erst frisch entwickelten Impfstoffes solide abgeschätzt werden?

Natürlich haben wir alle noch den Skandal um die Schweinegrippe-Impfungen im Hinterkopf, wenn wir uns über Langzeitfolgen Sorgen machen. Wie kann man jetzt schon abschätzen, dass es bei den Corona-Impfungen zu keinen Langzeitfolgen kommt?

Was sind überhaupt Langzeitfolgen?

Bei den in der Vergangenheit entwickelten Impfungen, allen voran Pandemrix gegen H1N1, gab es, bei entsprechend genetischer Veranlagung, Langzeitfolgen. Diese traten jedoch nicht, wie man vielleicht vermuten würde, erst nach zehn Jahren oder später auf, sondern bereits nach sechs Wochen.

Aus zwei Gründen sind Langzeitfolgen bei den heutigen Corona-Impfstoffen äußerst unwahrscheinlich, denn:

  1. die Impfstoffe wurden bis zur Zulassung mehr als acht Wochen in klinischen Studien am Menschen getestet, weil danach empirisch belegt keine Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Impfung mehr auftreten
  2. die Testgruppen bestanden aus mehreren zehntausend Probanden; etwaige „Langzeitfolgen“ wären hier also mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits aufgetreten

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das Problem an Langzeitfolgen nicht die Impfstoffentwicklung, -forschungen oder -tests sind, sondern dass das Wort „Langzeitfolgen“ nicht Nebenwirkungen beschreibt, die nach langer Zeit auftreten, sondern Nebenwirkungen die extrem selten sind.
Selbst beim Pandemrix-„Skandal“ (mit nur 2.000 Probanden in den klinischen Studien) traten die Nebenwirkungen nur bei unter 0,01% der Geimpften auf.

Wer also „Langzeitfolgen“ vermeiden möchte und ihm die klinischen Studien mit 40.000 Probanden nicht reichen, sollte einfach acht Wochen mit der Impfung warten und sich die Problemfälle genau anschauen.

Petra Falb, Gutachterin in der Zulassung für Impfstoffe beim österreichischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, hat dazu auch einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben.

Und wenn es doch Nebenwirkungen gibt?

Erschwerend kommt hinzu, dass die bei den Impfungen in seltenen Fällen aufgetretenen Nebenwirkungen nicht ausschließlich Nebenwirkungen der Impfungen waren, sondern vielmehr symptomatisch immer auch zum Krankheitsbild der Infektion passten.

Man erhält also als „Nebenwirkung“ der Impfung schlimmstenfalls ein Symptom der Krankheit des Virus.

Einer Pandemie kann man nur schwer entgehen und so ist es unterm wohl besser, man erhält das Problem als seltenen Fall durch die Impfung als Nebenwirkung, als mit höherer Wahrscheinlichkeit und Intensität durch eine Infektion mit der Krankheit selbst.

Impfstoffe sind also so sicher, dass man tausende Menschen untersuchen kann, ohne jemanden zu finden, der die unerwünschten Nebenwirkungen bekommt.

Ach, eine wichtige Sache noch:

Macht die Corona-Impfung unfruchtbar?

Nein.


Übersicht einiger zugelassener Corona-Impfungen

Kommen wir zum Abschluss des Artikels endlich auf des Pudels Kern zu sprechen: welcher der Corona-Impfstoffe gehört zu welcher Kategorie und wie hoch ist die jeweilige Wirksamkeit?

Im Rahmen meiner Corona-Tagebücher habe ich eine Zeit lang bereits eine Auswahl an Impfstoffkandidaten verfolgt. Auf dieser Seite sammle ich daher ausschließlich die Impfstoffe, die seitens der EU zugelassen wurden oder international bereits im Einsatz sind.
Weitere Informationen zu Impfungen, die sich noch in der Entwicklung/in klinischen Studien/in Zulassung befinden, finden sich auf der gelben Liste oder bei der vfa.

Corona-ImpfstoffHerstellerKategorieDetailsAnzahl ImpfungenWirksamkeitEU-Zulassung
BNT162b2
(Handelsname: COMIRNATY)
BioNTech, Fosun, PfizerRNA-Impfstoff
mRNA + LNP-Trägerstoff295%21.12.2020
mRNA-1273Moderna, NIAIDRNA-ImpfstoffmRNA + LNP-Trägerstoff294,1%06.01.2021
AZD1222AstraZeneca, University of OxfordVektorvirus-ImpfstoffTrägervirus: Adenovirus270%-90%29.01.2021
Gam-COVID-Vac
(Handelsname: Sputnik V)
Gamaleya Research Institute of Epidemiology and MicrobiologyVektorvirus-ImpfstoffTrägervirus: Adenovirus (Ad26/Ad5)2
(AD26-Priming & Ad5-Boost)
91,6%beantragt
CoronaVacSinovac BiotechTotimpfstoff?50%nein

Corona-Impfstoffe: yay or nay?

Beim Erstellen dieses Artikels habe ich viel über die Grundlagen der Impfstoffentwicklung im Allgemeinen gelernt. Wenngleich ich mangels Fachwissen und Zeit, mich dort noch tiefer einzugraben, nicht alle Dinge komplett verstanden habe, so kann ich jetzt zumindest das Risiko einer Corona-Impfung besser abschätzen und habe mit der Übersicht eine schöne, leicht übersimplifizierte, Übersicht der Unterschiede der einzelnen Corona-Impfstoffe.

Lasse ich mich impfen?

Ja, sobald ich an der Reihe bin (gerne auch schon früher), bin ich dabei!
Gemäß meiner persönlichen Risikoabschätzung, nicht nur was die einmalige Infektion mit SARS-CoV-2 oder einer ihrer Mutanten anbelangt, sondern vor allem auch in Hinblick auf die Langzeitfolgen von COVID-19 (vgl. „Long Covid„), freue ich mich darauf, einen der Corona-Impfstoffe verabreicht zu bekommen und endlich wieder sorgenfreier in der Welt umherzuwandern.
Zwar gehe ich der Pandemie seit dem 9. März 2020 ganz gut aus dem Weg, aber nach nunmehr 315 Tagen in freiwilliger Selbstisolation, möchte ich auch gerne mal wieder all die Dinge tun, auf die ich schon so lange verzichte. Und dank der Corona-Impfstoffe kann das für uns alle schon bald wieder möglich sein.

Liebling der Corona-Impfstoffe

Von allen bisher in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe scheint mir tatsächlich der von BioNTech, Fosun und Pfizer der Liebste zu sein. Zum Einen erschließt sich mir das technologische Konzept der mRNA und die geschätzte Wirksamkeit von 95% lässt mich hoffen, ganz ohne Corona-Infektion aus der Pandemie zu kommen. Hoffentlich wird man sich zu gegebenem Zeitpunkt den Impfstoff aussuchen können.
Denn wenngleich Moderna eine ähnlich hohe Wirksamkeit angibt, so liegt die Vektorvirus-Impfung von AstraZeneca doch wesentlich drunter. Und die Wirksamkeit einer regulären Grippeschutzimpfung (Totimpfung) liegt lediglich zwischen 40% und 60%!
95% sind da schon echt gut!

Kommentarbenachrichtigungen
Benachrichtige mich bei
2 Kommentare
älteste
neueste meiste Bewertungen
Inline Feedbacks
View all comments