@Bastianoso

Amiga-Emulator für Mac OS X

Ein Emulator ahmt andere Betriebssysteme nach, um dafür geschriebene Software zu starten. So kann man unter Mac OS X zum Beispiel verschiedene Windows-Versionen (XP, Vista, 7, 8) als virtuelle Maschine laufen lassen. Und eben auch das Kickstart vom AmigaOS — um dann Spiele laden zu können.

Wenn man vom Atari 2600 (damals noch als Telespielgerät beworben) absieht, war der Amiga 500 mein erster ernstzunehmender Computer.

Farbmonitor mit Mono-Sound, drei Diskettenlaufwerke (DF:0, DF:1 und DF:2), 512kb oder 1MB RAM (zuschaltbar), TV-Tuner und sogar ein Drucker, hingen an dem Heimcomputer von Commodore. Wir hatten ihn seinerzeit gebraucht gekauft; zusammen mit einer Unmenge an Disketten mit verschiedener Software und Spielen.

commodore-amiga-workbench-1.3Die Workbench als grafische Benutzeroberfläche (GUI) vom Amiga war zu der Zeit eines der modernsten Betriebssysteme: mehrere Fenster, Multitasking, Maussteuerung, Ordnerstruktur — und sogar eine verständliche(!) Sprachausgabe.

Nun konnte man mit dem Amiga zwar auch arbeiten — besonders Musiker schätzten das sehr gute Midi-Interface — dennoch standen Spiele ganz klar im Vordergrund. Ich verbrachte Stunden vor der Flimmerkiste und spielte Klassiker wie „Faery Tale Adventure“, „DynaBlaster“, „Indiana Jones“, „Lemminge“, „Monkey Island“, „Paradroid 90“, „Street Fighter“, „Times of Lore“ oder „Ugh!“.

paradroid-90
Screenshot des Spiels „Paradroid 90“

Irgendwann löste der PC den Amiga ab und die Spieleentwicklung nahm rasant fahrt auf. Bald war 3D-Grafik der Standard und die alten Pixelspiele wollte niemand mehr sehen. Doch völlig egal, wie pixelig die Grafik beim Amiga war: das fantastische Gameplay und die herausragenden Spiele-Soundtracks bleiben einfach unvergessen!

Das sehe scheinbar nicht nur ich so, sondern zig andere Menschen, die viel Zeit und Mühe investiert haben, um Emulatoren zu schreiben, die die alten Spiele auf modernen Systemen wieder spielbar machen. Niemand muss sich also aus Elektroschrott einen funktionstüchtigen Amiga zusammenlöten und versuchen noch an 3,5-Zoll-Disketten zu kommen, sondern kann auf seiner Alltagsmaschine einen Emulator starten und findet im Internet fast alle Spiele kostenlos (und legal!) zum Download.

Amiga-Spiele unter Mac OS X spielen: so geht’s!

Was braucht man nun also, um in Erinnerungen zu schwelgen und die alten Speile-Schätze spielen zu können? Das Setup auf einem aktuellen Mac mit OS X 10.10 ist locker in unter einer Stunde erledigt und der Spielspaß kann losgehen. Folgendes muss man dazu tun:

  1. Amiga-Emulator herunterladen
  2. Image eines Kickstart-ROMs kaufen (oder selbst herstellen)
  3. Emulator installieren und Kickstart-ROM einbinden
  4. Spiele-ROMs herunterladen
  5. Spielen!

Wie immer gibt es zig verschiedene Wege, um zum Ziel zu kommen. Ich habe mich für den schnellsten und unkompliziertesten Weg entschieden:

Der Amiga-Emulator: FS-UAE

Einer der besten Amiga-Emulatoren für Macintosh Betriebssysteme ist der FS-UAE, der „Frode Solheim – Unified Amiga Emulator“. Er steht unter Gpl-Lizenzierung und ist damit kostenlos erhältlich.

Ich empfehle den Download der kompletten FS-UAE-Emulator-Suite, bestehend aus der FS-UAE Launcher.app  und der FS-UAE Arcade.app. Einfach herunterladen, entpacken und die beiden Programme in den Programme-Ordner verschieben. Starten brauchen wir sie noch nicht, da wir noch ein wenig was vorbereiten müssen (Stichwort: Kickstart).

Kickstart-ROM: 1.3 oder 3.1?

Wenn man den Amiga früher einschaltete, erschien kurz danach die Aufforderung, eine Diskette in DF:0 einzulegen. Das Bild, welches man dort zu sehen bekam, war der Kern des AmigaOS: die Kickstart. Gespeichert als ROM in einem Chip auf dem Mainboard des Amiga, stellt die Kickstart die grundlegende Basis des Betriebssystems zur Verfügung. Es ist (ganz grob) vergleichbar mit dem BIOS von PCs.

Die Kickstart ist, im Gegensatz zu vielen Spielen, leider nicht kostenlos verfügbar, sondern muss lizensiert werden. Man kann entweder seinen alten Amiga aus dem Keller holen und umständlich die Kickstart aus dem ROM-Chip auslesen und in ein Image speichern, oder man geht den bequemen Weg und kauft eine Lizenz für ein Kickstart-ROM.

Diese bekommt man schnell und unkompliziert von Amiga Forever. Ich empfehle, die Plus-Edition zu nehmen, denn diese enthält nicht bloß das 1.3er Kickstart, sondern auch die 3.1er Kickstart — und einige Extras (wie z.B. Spiele) mehr. Und bei einem Preis von um die € 30,- kann man nicht meckern.

Verheiratung von Emulator und Kickstart-ROM

Jetzt wird es etwas fummelig: der Emulator braucht das Kickstart-ROM, sonst kann er keine Spiele laden.

Der FS-UAE-Emulator hat die Möglichkeit, die CD von Amiga Forever direkt einzulesen und sich die Kickstart zu extrahieren — sehr bequem, nur mit einem Problem: wir haben ja keine CD gekauft!

Wir können uns entweder eine CD selber erstellen, oder wir erstellen ein CD-Image, welches wir dann einfach unter OS X mounten können. Die Amiga Forever-Software muss dazu einmal auf einem beliebigen Windows-System installiert und gestartet werden (ein virtualisiertes Windows XP reicht völlig aus). Über das Menü Tools kann nun ein CD-Image erstellt werden:

amiga-forever-image-cd-erstellen
Über die Amiga Forever Tools lässt sich ein CD-Image erstellen

Die generierte *.iso-Datei kann man unter Mac OS X bequem als Laufwerk mounten und braucht es noch nichtmal auf CD zu brennen.

Nun können wir das erste Mal den FS-UAE-Launcher.app starten und mit einem Klick auf die Toolbar die Kickstarts aus dem gemounteten Image einlesen. Fertig!

Quellen für Amiga Spiele-ROMs

FS-UAE hat das Spiele-Portal Open Amiga Game Database direkt in die Launcher.app integriert. Einfach in der Toolbar oben rechts auf Login klicken, flugs einen Account anlegen und schon lassen sich bereits viele Spiele in Windeseile herunterladen und in den Emulator einbinden. Der Ablauf sollte selbsterklärend sein.

Als weitere, gut sortierte und vertrauenswürdige, Quellen von Spielen, gelten diese Seiten:

Wer Google bemüht, findet problemlos auch weitere Quellen.
Und wer noch tiefer gräbt, findet auch spezielle Diskettenlaufwerke, die das Dateisystem der Amiga-Disketten auslesen und in ein Image packen können. So kann man auch seine alten Disketten im Emulator laufen lassen — das ist jedoch mit einigem Zeitaufwand verbunden.

Amiga-Emulations-Extras

Wer nun das ganze Setup aus Emulator, Kickstart- und Spiele-ROMs hinter sich gebracht hat, hat die Möglichkeit mit den Bordmitteln des Macs, sprich Tastatur und Maus, die Spiele zu spielen.

Viel mehr Spaß machen die Spiele natürlich mit dem guten alten Competition Pro Joystick.

suzo-competition-pro-joystick
Der gute alte Competition Pro Joystick von Suzo

Wer etwas Zeit und ein paar Euros investieren möchte, findet bei Sinchai.de einen Adapter, um die alten Amiga-Joysticks OS-X-kompatibel an einen USB-Anschluss anzuschließen. Damit erspart man sich den Kauf der teuren USB-Competitiom-Pro-Joysticks, die zudem gerade vergriffen sind, und kann die alten Kellerfunde weiterverwenden.

Und wenn Du noch weiter in die Materie der Amiga-Emulation einsteigen möchtest, empfehle ich Dir den Blogartikel „Retro Computing – Spaß mit Klassikern für den Amiga“ von Helge Städtler. Er hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und aktualisiert den Artikel in unregelmäßigen Abständen.

Update vom 23.07.2015: Heute vor 30 Jahren stellte Commodore den ersten Amiga auf einer Party in New York vor! Quelle: heise.

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