Von Vögeln und Elefanten

Das waren recht ereignisreiche Tage bei Twitter!
Kaum kam der lang hingezogene Twitter-Deal von Elon Musk zum ersehnten Abschluss, erhielten schon zahlreiche Mitarbeiter:innen aus dem Blauen heraus ihre Kündigungen, gepaart mit zahlreichen Ankündigungen, die mehr oder weniger schlecht von der Community aufgenommen wurden. Ehemals gesperrte Konten sind wieder da, andere Konten sind nun neu gesperrt. Diese Woche dann sollen die ersten Gekündigten wieder zurückgeholt werden und „der blaue Haken“ kann nun einfach gekauft werden. War er früher Sinnbild für eine Kontoverifizierung, die der Community signalisierte, dass es sich hierbei um den echten Account der Person handelt, so ist dies nun alles nur noch Makulatur.

In Hektik, um das Wort Panik zu vermeiden, ziehen nun ganze Heerscharen um.
Von Twitter weg hin zu Mastodon.
In aller Ironie ist Mastodon nun auch noch „eine deutsche Plattform“, wobei das fachlich natürlich überhaupt nicht korrekt ist. Denn während Twitter ein zentral zur Verfügung gestellter Dienst ist, handelt es sich bei Mastodon um einen dezentralen Ansatz. Jede:r kann hier (die nötigen Kenntnisse vorausgesetzt) eine eigene Instanz betreiben und die verschiedenen Instanzen können miteinander mehr oder weniger frei interagieren.

Wie auch immer, hält dieser Umzugs-Trend die ganze Woche über unvermindert an und auch ich sehe mich natürlich mit der Frage konfrontiert, wie lange Twitter noch der richtige Ort für mich ist.

Seit 2007 bin ich dort angemeldet und ich habe schon das Eine oder Andere Auf und Ab miterlebt; nicht nur einmal stand Twitter dabei kurz vor dem Aus.
Dieser Tage ist der Dienst so populär wie noch nie, insbesondere wenn man bedenkt, welche hohe Anzahl an offizieller Kommunikation nicht nur zuerst, sondern oft auch ausschließlich hierüber in die Welt gesetzt wird und sich erst im Nachgang über andere Medien verbreitet.
Doch mit dem Eintritt von Elon Musk als einzigen „Puppetmaster“ schwingt eine gewisse Unberechenbarkeit mit und auch die Gefahr durch vermehrte rechtsextreme Tendenzen soll hier nicht verschwiegen werden.

Soweit ich die wirren Pläne bisher durchschaut habe, scheint der vorläufige Plan zu sein, dass man sich mit $ 8,- pro Monat einen blauen Haken kaufen kann, der dann bloß noch ein blauer Haken ist und nichts mehr mit der Verifizierung zu tun hat. Bisherig verfizierte User:innen müssen dann zahlen, oder verlieren ihren Haken. Zudem sollen die Tweets von Bezahlaccounts durch den Algorithmus präferiert auf der Plattform zirzuliert werden. Ergo verlieren gratis Accounts Reichweite.
Und mehr Werbung soll es geben.
Dazu noch ein ganzer Haufen unausgegorener neuer Community-Richtlinien, wobei seitens Twitter-HQ kaum noch jemand da sein dürfte, der dies verfolgt.

Doch ist Mastodon nun das Allheilmittel?

Natürlich nicht.
Der erste Reflex ausgerechnet dorthin zu wechseln ist verständlich und nachvollziehbar, aber wie zukunftssicher das sein wird, muss sich erst noch zeigen.
Als alter Hase wird man bei der Idee eines dezentralen Micro-Blogging-Services ja fast schon nostalgisch berührt — erinnert es doch arg an die damalige Blogosphäre, aus dessen Zeit auch dieses Blog stammt.

Doch wenn wir diese Idee einmal weiterspinnen, so ist es durchaus vorstellbar, dass eine einzelne Instanz im sogenannten „Fediverse“ die bestimmende Instanz werden könnte.
Und sich von anderen Instanzen abzukoppeln ist mit wenigen Mausklicks erledigt.
Und dann stünden wir genau da, wo wir jetzt auch stehen. Nur „unter anderer Führung“ und mit anderem Namen.
Wie immer wird die Zeit zeigen, in welche Richtung sich das alles entwickeln wird.

Ich für meinen Teil werde mich in den nächsten Monaten mehr mit Mastodon beschäftigen und bin dort bereits unter meinem gewohnten Twitterhandle @Bastianoso zu finden.
Mein Twitter-Account wird vorerst weiter bestehen, bespielt und gelesen werden.
Auf Cross-Postings werde ich jedch verzichten, das müllt alles nur voll.
Und wie es dann in den nächsten Jahren weitergehen wird, werden wir noch sehen. Sollten sich die Befürchtungen bzgl. Twitter bewahrheiten, dann werde ich meinen Account dort jedenfalls komplett dicht machen.

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