Gendergerechte Kommunikation für Anfänger

Es ist ja alles nicht so einfach. Zumindest für alte weiße Männer.
Die gendergerechte Kommunikation ist gefühlt ein Minenfeld auf dem jeder Schritt eine Explosion an Empörungen und auslöst. Während man vor ein paar Jahren noch mit der Paarform „Liebe Leserinnen und Leser“ auf der sicheren Seite war, so schließt man mit dieser freundlich gemeinten Formulierung heutzutage ganz barsch alle diversen Menschen aus. Also diejenigen, die sich keinem äußeren Geschlechtsmerkmal zugehörig fühlen.

Damit wir alle Menschen entsprechend respektvoll ansprechen können, gibt es derweil verschiedene Lösungsansätze für die gendergerechte Kommunikation:

  • die Paarform
  • das Binnen-I
  • die Einklammerung
  • der Gender-Gap
  • der Genderstern
  • der Gender-Doppelpunkt (mein derzeitiger Favorit)

Die Paarform (auch Doppelform)

Die vom Dudenverlag abgesegnete Form habe ich im obigen Beispiel schon bemüht:

Liebe Leserinnen und Leser

Paarform

Hier finden Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen jedoch keine Beachtung, daher ist es zwar nett gemeint, bringt uns in Sachen gendergerechter Kommunikation aber nicht wirklich weiter.

Das Binnen-I

Ebenfalls ein alter Bekannter. Hier jedoch sollen sich die diversen Geschlechter mit dem großen I „mitgemeint“ fühlen:

Liebe LeserInnen

Binnen-I

Die Einklammerung

Wesentlich unleserlicher und genauso lieb mitgemeint kommt die Einklammerung daher:

Liebe Leser(innen)

Einklammerung

Der Gender-Gap

Zeitweise recht weit verbreitet und in freier Wildbahn von mir auch schon an einigen Ecken entdeckt, ist der Gender-Gap, der mit seinem Unterstrich alle Geschlechter inkludieren soll:

Liebe Leser_innen

Gender-Gap

Der Genderstern

Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen die diversen Geschlechter dann immerhin schon mal mit dem Gendersternchen:

Liebe Leser*innen

Genderstern

Diese Version hat für mich aber zwei Nachteile: zum Einen behindert das Sternchen doch ein wenig den Lesefluss und zum Anderen ist das Sternchen bei bestimmten Texten aber schon für den berühmten „Sternchentext“ reserviert, was rechtlich für Verwirrung sorgen könnte.

Der Gender-Doppelpunkt

Diese Variante finde ich am schönsten! Vor allem weil der Lesefluss nicht so behindert wird und auch Screenreader digitale Inhalte besser vorlesen können. Dieser macht dann nämlich einfach eine kleine Pause zwischen „Leser“ und „innen„, anstatt „Leser-Sternchen-innen“ vorzulesen:

Liebe Leser:innen

Gender-Doppelpunkt

Von daher werde ich versuchen hier im Blog für die gendergerechte Kommunikation in Zukunft den Gender-Doppelpunkt zu benutzen.
Aber natürlich geht es auch anders, indem man direkt eine inklusive Sprachwahl bevorzugt:

Andere Lösungsmöglichkeiten zur gendergerechten Kommunikation

Neutrale Personenbezeichnungen

Hier und da gibt es die Möglichkeit, den Satz ein wenig umzuformulieren und eine neutrale Ansprache von Personengruppen zu verwenden. Um beim Beispiel meiner Leser:innen zu bleiben, könnte ich stattdessen beispielsweise auch folgendes schreiben:

Liebe Lesende

Neutrale Personenbezeichnung

Zugegeben klingt das zunächst noch etwas gewöhnungsbedürftig und ist auch nicht in allen Fällen umsetzbar. Universitäten verwenden jedoch schon länger das Wort „Studierende“ um alle Menschen mit einzubeziehen und ich für meinen Teil, habe mich recht schnell daran gewöhnt.

Und wenn man mal nicht so recht weiß, was jetzt eine neutrale Personenbezeichnung wäre, man aber sehr gerne gendergerechte Kommunikation verwenden würde, findet auf der Webseite von geschicktgendern.de eine tolle Hilfestellung bei der Wortwahl.

Personenbezeichnung gleich ganz vermeiden

Eine andere Möglichkeit sich inklusiv auszudrücken, kann es manchmal sein einfach komplett auf Personenbezeichnungen zu verzichten. Die Anwendungsfälle sind natürlich begrenzt, aber anstelle zu schreiben „Teile diesen Artikel mit anderen Lesern“ könnte man auch einfach schreiben: „Teile diesen Artikel mit anderen„.

Fazit zur gendergerechten Kommunikation

Die geschlechtergerechte Kommunikation ist wahrlich nicht einfach, zumal es vor allem an verbindlichen und einheitlichen Regelungen mangelt. Aber unsere Sprache lebt und wird von den Menschen, die sie benutzen stetig angepasst, verändert und weiterentwickelt.
So können wir für uns auch die Inklusivität in die Sprache integrieren.

Ich für meinen Teil habe mich für den Gender-Doppelpunkt entschieden und werde versuchen ihn neben den neutralen Personenbezeichnungen so gut es geht in meinen Alltag zu integrieren.
Vor allem in meinem derzeit täglich geführten Corona-Tagebuch habe ich dazu viel Gelegenheit zu üben.

Es ist ein Anfang.

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