@Bastianoso

1. Platz des Fotomarathon 2013 in Berlin: Ingmar Slopianka

Wahre Künstler leben von der Provokation. Und so sorgte Ingmar Slopianka beim diesjährigen Fotomarathon in Berlin mit seiner Siegerserie für einen Aufschrei aller anderen Teilnehmer, die sich pb der Entscheidung der Jury verarscht fühlten.

Ein Sturm der Entrüstung und des Entsetzens sind anlässlich der Juryentscheidung entflammt, Ingmar Slopianka den 1. Platz des Fotomarathons in Berlin zu verleihen.

Woher die Aufregung?

Ein Fotomarathon; das sind 12 Stunden pure Action, bei der zu einem vorher festgelegten, übergeordneten Thema 12 Fotografien in der richtigen Reihenfolge entstehen müssen, die sich auf einzelne Unterthemen beziehen.

2008 habe ich beim Fotomarathon den zweiten Platz belegt und den Publikumspreis gewonnen (hier gibt’s die Fotos). Ich weiß also, was für ein kreativer (positiver) Stress es ist, in 12 Stunden damals noch 24, heute 12 Aufnahmen zu produzieren, die nicht nur zu ihrem individuellen Thema passen, sondern auch dem übergeordneten Thema zu Gute kommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aufnahmen nur in der richtigen Reihenfolge gemacht werden dürfen – das heißt: habe ich die Themen eins bis drei bereits abgeschlossen, finde auf der Suche nach einem Motiv für Thema vier aber ein besseres Thema zwei, ist es vorbei (außer ich lösche alle Aufnahmen und beginne von vorne).

Dementsprechend engagiert und ehrgeizig begehen hunderte von Teilnehmern diesen Tag und geben alles um einzigartige Aufnahmen zu produzieren.

Also ist es nicht verwunderlich, dass die Entscheidung der Jury die Fotoserie von Ingmar Slopianka mit dem ersten Platz zu küren, für Aufregung sorgt. Denn Ingmar hat sich, so scheint es zumindest, keine große Mühe gemacht und ist offensichtlich nicht 12 Stunden quer durch Berlin gehetzt – immer auf der Suche nach dem passenden Motiv.

Hier Ingmars Fotoreihe

Link

Ja, er hat zwölf mal das selbe Motiv abgelichtet. Und wenn man sich die Wolkenstruktur genauer ansieht, scheinbar binnen weniger Minuten.

Die Jury ist jedoch nicht der Auffassung, dass diese Serie zur Disqualifikation führt:

“Platz eins ist wirklich eine Überraschung, exakt dem Motto des Fotomarathons entsprechend. Unter der Vielfalt aller Beiträgen zwingen uns die Wiederholungen des Motivs zum Innehalten. Die Stereotypie lenkt den Blick auf die vorgegebenen Titel wie “Eintauchen”, “Irrwege”, “Ausgetrickst” … . Erinnerungen in Zusammenhang mit dem Schloss Bellevue, dem Wohnsitz des Bundespräsidenten, werden wach, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge dargestellt. So findet der Fotomarathon nicht durch die Straßen der Bundeshauptstadt statt, sondern in unseren eigenen Köpfen. Auch so können Bilder wirken.”
(Julia Mauga, Sebastian Noack, Andrea Späth, Tobias Bohn, Paul Sullivan)

Kunst soll zwar den eigenen Geist anregen zu reflektieren, selbst zu interpretieren und sich mit seiner eigenen Identität als denkendes Individuum auseinanderzusetzen. Dinge in den eigenen Kontext setzen und nicht den Künstler anbetteln doch bitte zu erfahren, was er sich nur dabei gedacht hat. Selber denken ist angesagt.

Ich kann den Unmut bei den anderen Teilnehmern durchaus nachvollziehen. Es ist mitnichten Neid, der aus Ihnen spricht. Es ist die Enttäuschung, sich so viel Mühe mit den eigenen Aufnahmen gegeben zu haben, nur um dann festzustellen, dass jemand, der sich zehn Minuten vor ein Gebäude gestellt hat und in paparazzimanier auf den Auslöser drückte, alle anderen aussticht.

Die Frage muss deswegen meiner Meinung nach lauten: ist das fair gegenüber hunderten anderer Teilnehmer, die sich die Füße wund gelaufen haben?
Kann denn Fleiß Talent ersetzen? Nur weil man sich blutige Füße gelaufen hat, heißt das ja noch lange nicht, dass die Aufnahmen eine Sensation geworden sind.

Doch schaut man sich die Plätze zwei bis zehn an, sehe ich dort weitaus kreativere Serien:

 

Es wurden nicht nur die einzelnen Themen gut getroffen; auch das übergeordnete Thema wurde eingehalten und die Aufnahmen zeigen wesentlich mehr Leidenschaft als die von Ingmar.

Meine Kritik richtet sich dabei nicht an Ingmar und auch nicht an die einzelnen Jurymitglieder. Aber sehr wohl an die gemeinsame Entscheidung der Jury Ingmar dafür den ersten Platz zu geben!
Beim Fotomarathon gibt auch die Kategorie Sonderpreis, die meiner Meinung nach besser geeignet gewesen wäre Ingmar für seine eigenwillige Art der Umsetzung zu würdigen.

Ist die Juryentscheidung ein Schlag ins Gesicht aller anderen Teilnehmer?

Klar bleibt ein fader Beigeschmack, wenn so eine lieblose Serienaufnahme alle anderen überragen soll – doch vielleicht tut sie das ja wirklich und allen anderen fehlt bloß die künstlerische Begabung ebenfalls solche Kunstwerke zu erschaffen?

Ein Sprichwort besagt: „Perfektion ist erreicht, wenn nichts mehr weggelassen werden kann„. Das hat Ingmar geschafft. Minimalistischer geht es nicht und die Jury hat es erkannt.

Doch vielleicht stellt diese Juryentscheidung auch das grundlegende Konzept des Fotomarathons in Frage?

Was ist eure Meinung dazu?

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