Interview mit Jakob von Üxkuell

Foto: Jann Wilken
Foto: Jann Wilken

Inka Schneider, Moderatorin beim NDR, hat am 4. Mai 2010 den Begründer des alternativen Nobelpreises und Initiator des Weltzukunftsrats Jakob von Üxkuell im KörberForum Hamburg zur Themenreihe „Die Beweger“ befragt und ich war als Vertreter von Weltretter.org dabei und habe Herrn von Üxkuell auch eine brisante Frage gestellt; aber dazu später mehr.

Filmvorführung als Einstimmung

Als Einstieg in das Interview und die anschließende Diskussionsrunde wurde ein kurzer Portraitfilm von Jakob von Üxkuell vorgeführt, in dem bereits viele Punkte angerissen wurde, die wir im Interview vertieften.

Dabei wurde im Zusammenhang des alternativen Nobelpreises vor allem auf die daraus entstandene Gründung des Weltzukunftsrats eingegangen.

Ein Zitat von Üxkuell, welches im Film gefallen ist, möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben, da es meiner Meinung nach die Kernproblematik vieler kleinerer Initiativen anspricht und dem sich Weltretter.org in besonderer Weise widmet:

It’s easy to have vision, but even visions need timetables.

Auf Weltretter.org tummeln sich Leute mit guten Ideen und die Plattform hilft ihnen ihre Projekte zu organisieren und Helfer für die Umsetzung zu finden. Tut also genau das: Visionen einen Fahrplan an die Hand geben.
So ist es nicht verwunderlich, dass Jakob von Üxkuell mich bereits mit diesem Satz in seinen Bann zog.

Kopenhagen war vergebens

Das an den Film anschließende Interview startet mit einem knackigen Thema: der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen (COP15) und einer sehr einleuchtenden Aussage Üxkuells und den Hinweis auf eine Fehlannahme:

„There’s no unlimited growth on a limited planet.“

Üxkuell weist darauf hin, dass der Tipping Point, an dem wir unsere Probleme nicht mehr in den Griff bekommen können, kommen wird und Kopenhagen zu unspektakulär und irrelevant war und somit in letzter Konsequenz leider unbedeutend geblieben ist.
Er kritisiert die Initiativen und NGOs, die die COP15 besuchten und brav wieder verließen ohne überhaupt eingelassen worden zu sein und forderte mehr Engagement und Einsatz seitens der entsprechenden Organisationen.
Kopenhagen hatte Potential gehabt, es aber nicht ausgenutzt.

Right Livelihood Award/Alternativer Nobelpreis

Foto: Jann Wilken
Foto: Jann Wilken

Inka Schneider fragte ihn über seine Motivation zur Begründung des alternativen Nobelpreises; schließlich ist der Nobelpreis eine angesehene Auszeichnung und so könnte es verwundern, dass jemand, quasi als Protestaktion, eine Alternative hierzu ins Leben ruft.

Jakob von Üxkuell begründete den alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award) 1980 als Intervention gegen die Einführung des Nobelpreises für Ökonomie bei gleichzeitiger Verweigerung der Nobelstiftung für die Schaffung eines Nobelpreises für Ökologie und Entwicklung. Üxkuell finanzierte den alternativen Nobelpreises in den ersten Jahren mit seinem Beruf als Briefmarkenhändler.

Zunächst fand sein Preis kaum Beachtung und wurde sogar als terroristischer Akt und Boykottaktion missinterpretiert. Erst fünf Jahre später war der Preis so weit bekannt, dass ihm angeboten wurde die Verleihung im schwedischen Reichstag abzuhalten. Seit dem findet dort jährlich die feierliche Preisvergabe statt.

„Wenn man das was man tut, fünf Jahre lang durchhalten kann, hat man es geschafft.“

Mitte September diesen Jahres findet in Bonn übrigens die Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen statt.

World Future Council/Weltzukunftsrat

Besonders interessant fand ich Üxkuells Vorgehensweise mit der Installation des Weltzukunftsrats.
Es gibt Probleme die wir nicht lösen können, aber solange wir es können, wieso sollte wir es nicht tun?„, fragt Üxkuell provokativ und weist darauf hin, dass wir Europäer einen entscheidenden Teil am heutigen Problem tragen. Niemand auf der Welt trägt so viel Schuld am Leiden und Elend in der Welt wie die Bewohner der Industriestaaten.

Dieser Gedanke deprimiert, aber sogleich schöpft Üxkuell daraus neue Hoffnung und zeigt Lösungswege auf; denn: wer der größte Verursacher eines Problems ist, hat auch die Macht überproportional viel für die Lösung zu tun! Und damit trifft es jeden Einzelnen von uns! Wir tun überproportional viel, wenn wir das Wasser beim Zähneputzen abdrehen, einen Backstein in die Klospülung tun und unsere StandBy-Geräte abschalten. Weil wir es können. Wir haben die Kraft und die Macht dazu!

Doch mit dem World Future Council geht Üxkuell das Problem von oben an und versucht mit seiner Organisation direkt politische Entscheidungsträger zu beeinflußen Gesetze zu erlassen, die unsere Welt in eine bessere Verändern.

„Gesetze bewegen nicht das Herz, aber sie behindern die Herzlosen.“ Martin Luther King

Diesem Motto folgend geht der Weltzukunftsrat systematisch mit eigens dafür erstellen Webseiten auf Parlamentarier zu um so viele Gesetzesänderungen in möglichst vielen Ländern zu bewirken, dass internationale Regelungen notwendig werden.

Die Wirtschaftskrise

„Wir sind nicht so Reich wie wir dachten und das, was wir noch haben, geht zu Lasten Anderer und der Umwelt.“

Üxkuell fordert eine grundlegende Umwälzung des bestehenden Steuersystems und als ersten Schritt eine Umstellung auf Besteuerung von Ressourcen um die Belastungen rechtschaffend zu verteilen. Unser Verhängnis sei „der Fehler des erfolgreichen ersten Schrittes“. Nur weil der erste Schritt in diese Richtung funktionierte, und gut war, bedeutet es nicht, dass die weiteren Schritte ebenfalls funktionieren und gut sind.
Dieses Phänomen stammt eigentlich aus der Physik, lässt sich aber gut auf andere Bereiche, wie in diesem Fall die Ökonomie, anwenden.

Weltretter.org befragt Jakob von Üxkuell

Foto: Jann Wilken
Foto: Jann Wilken

Im Laufe des Interviews hat Herr von Üxkuell gelegentlich aus dem Nähkästchen geplaudert und ist unter Anderem auch auf den Konkurrenzkampf der unterschiedlichen Hilfsorganisationen (World Vision versus Plan International, etc.) eingegangen, erwähnte aber auch ehrenamtliche Helfer, die vom Staat quasi daran gehindert wurden ihre Hilfe anzubieten.

Ich habe bei meiner Arbeit als Vertreter von Weltretter.org schon oft mit genau dieser Konfliktsituation zu tun gehabt. Das liegt vor allem daran, dass die Plattform sich mit dem Slogan „Jeder kann helfen“ gezielt an Einzelpersonen oder kleine Initiativen richtet, die sich nicht den großen NGOs unterordnen können oder möchten.

Meine Frage an Jakob von Üxkuell lautete also:

„Wenn jemand eine Idee hat, die Welt zu verbessern, soll er sich dann lieber einer großen Organisation anschließen und durch Geld-, Sach- oder Leistungsspenden zur Zielerreichung dieser Organisation beitragen oder soll diese Person selbst Mitstreiter suchen und sich daran wagen seine Idee selbst in die Tat umzusetzen?“

Jakob von Üxkuell antwortete ausführlich und differenziert auf die Frage und konstatierte, dass Menschen mit Ideen weise vorgehen sollten und die Idee nur weiter verfolgen sollten, wenn sie mit Leidenschaft bei der Sache sind, da der Kampf für ihre Idee viel Energie kostet. Findet diese Person seine Idee in einer bestehenden Initiative oder Organisation wieder, spricht nichts dagegen sich direkt an die entsprechende Einrichtung zu wenden und Unterstützung anzubieten.
Oft ist jedoch so, dass die eigene Idee eben von keiner großen Organisation umgesetzt wird und man alleine da steht. Findet man keine Unterstützung, glaubt man aber noch immer an die IDee, so Üxkuell, soll man sich alleine daran machen die Welt ein Stück zu verbessern.
Dabei verweist er auf strukturiertes Vorgehen, wie es bei weltretter.org der Fall ist und auf seine Gründung des alternativen Nobelpreises:

„Wenn man das was man tut, fünf Jahre lang durchhalten kann, hat man es geschafft.“

0 0 Bewertungen
Gesamtbewertung
Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.
Kommentarbenachrichtigungen
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments