@Bastianoso

Die Unwissenden fluten das Web

Bummelige zehn Jahre nach der Dotcom-Blase wiederholt sich das Geschehen, doch ist die Schere von Entwicklern und Anwendern in dieser Zeit auseinander gegangen. Diejenigen, die neue Dienste schaffen, Ideen umsetzen und das Web voran bringen, sind inzwischen hochqualifizierte Fachkräfte.

Die einstige Dotcom-Blase

Wir schreiben das Jahr 2000. Das Internet boomt und an jeder Ecke sprießen neue Webseiten und Diensteanbieter aus dem virtuellen Erdboden. Die Leute sind heiß und bringen sich in Massen selbst HTML & Co. bei, setzen Webserver auf und betreiben die aberwitzigsten Webseiten.

Zehn Jahre danach

Bummelige zehn Jahre später wiederholt sich das Geschehen, doch wie ich feststellen muss ist die Schere von Entwicklern und Anwendern in dieser Zeit weit auseinander gegangen. Diejenigen, die neue Dienste schaffen, Ideen umsetzen und das Web voran bringen, sind inzwischen hochqualifizierte Fachkräfte. Die Zeit der programmierenden Schülertruppen ist größtenteils vorbei.

Auf der anderen Seite sind die Anwender und Ideengeber scheinbar auf dem Kenntnissstand aus dem Y2K stehen geblieben und verehren die Entwickler auf abstrakte Art & Weise als „Götter des Code“, die aus Scheiße Gold machen können – und das zum Schnäppchenpreis.

Angemessene Bezahlung für Web-Entwickler ist möglich, man muss sie aber lange suchen. Dafür gibt es in jedem Job die Aussicht auf Nervenzusammenbrüche und BurnOut – die Gefahr ist so hoch wie nie.

Die Spezialisierung ist heutzutage so weit fortgeschritten, dass man sich auf Networkingveranstaltungen entscheiden muss, ob man sich auf die Seite der Entwickler oder der Marketingfuzzies stellt. Grenzüberschreitende Besuche finden nur statt, wenn es um den Jobwechsel oder die Entwicklermeinung zur nächsten Idee geht.

Es fehlt das technische Verständnis

Dabei war das technische Verständnis für die Realisierbarkeit einer Idee nie so niedrig wie heute. Egal welche komplexen Zusammenhänge die Projektskizze aufweist, es wird stets unbedacht davon ausgegangen, das Projekt sei „schnell gemacht“ und man müsse doch nur den „Dienst XY kopieren“ und etwas abwandeln – schließlich „gibt es das alles schon“ fast so wie man es braucht.

Dabei fehlt es bei vielen Projekt an einer ganz entscheidenden Stelle: den Datenquellen.
Für eine glanzvolle Anwendung, die flüssig und user-friendly läuft und dem Benutzer ein hochwertiges Bediengefühl vermittelt, ist die Qualität der Ausgangsdaten für die Weiterverarbeitung ausschlaggebend.

Beispiele gefällig?

Was würde GoogleMaps nutzen, wären die Straßendaten veraltet? Wie vielen Leuten gefiele ein YouTube-Video wenn es nur in 240p vorliegt, anstatt in HD? Wieviel ist eine Videobörse wert, die nur zehn Jahre alte Schinken anbietet?

Im Bekanntenkreis beobachte ich häufig, wie Entwickler als „Programmiersklaven“ gehalten werden und bloß kein konzeptionelles Input liefern oder das Konzept gar hinterfragen sollen, sondern schlicht und ergreifend ihren Job machen sollen.

Das Ergebnis dieser Projekte ist dann das, was Programmierer gerne mit „shit in, shit out“ bezeichnen.

Die Konzepte starten mit einer wunderbaren Idee, ausreichend skizziert und rudimentär mit Anforderungen versehen. Der Job der Programmierer besteht dann meist darin einen Preis zu nennen und, wenn dieser stimmt, möglichst schnell ein fertiges Produkt abzuliefern.

Bei vielen Projekten ist genau das aufgrund der schlechten oder schlicht und ergreifend nicht verfügbaren Daten aber einfach nicht möglich. Und so wird, mit viel Druck „von oben“, gezaubert was das Zeug hält um Bestmögliches abzuliefern.

Fazit

Das bekommt weder den Programmierern, die nur zu gerne nach höchsten Qualitätsmaßstäben streben würden, noch den Anforderern, deren Endergebnis nicht deren Wunschträumen entspricht. Ja, nicht entsprechen kann.

Ich halte es für erstrebenswert und höchst wichtig, dass der Dialog dieser beiden Lager untereinander gestärkt wird. Für die Arbeit der Programmierer ist es wichtig genau zu wissen, was sich der Anforderer vom fertigen Produkt wünscht
Andersherum brauchen die Anforderer ein gewisses technisches Verständnis um nachvollziehen zu können, was funktionieren kann und was eher nicht und wieso das so ist.

Ich sehe diesen Dialog in akut gefährdet. In einer Zeit, in der alle nach Apps für mobile Endgeräte schreien, aber selbst mit ihren iPhones nur ihre E-Mails checken können.

Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.

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