Urlaub in der Pandemie

Ich berichtete ja bereits kurz in meinem Tagebuch von unserem Urlaub in der Pandemie, zu Zeiten von Corona, möchte dem aber gerne einen etwas ausführlicheren Bericht widmen.

Wieso muss man überhaupt Urlaub machen?

Urlaub ist kein Menschenrecht und es ist sicher nicht zu viel verlangt, in diesen herausfordernden Zeiten einfach mal Zuhause zu bleiben. Wir haben gleich zu Beginn der Pandemie „die Schotten dicht“ gemacht und haben uns Zuhause eingeigelt. Seit Februar schreibe ich ja regelmäßig an meinem Corona-Tagebuch und versuche dort tagesaktuell die Ereignisse und Geschehnisse zu verfolgen.

Seit unserer „freiwilligen Selbstisolation“ sind 156 Tage vergangen. 156 Tage oder über fünf Monate in denen wir das Haus nur für das Nötigste verlassen haben. Das Nötigste definiert sich hierbei für uns wie folgt:

  • Briefkasten entleeren
  • Müll rausbringen
  • Dinge einkaufen, die man sich nicht so einfach liefern lassen kann (eigentlich nur Drogeriekrams)

Ebenso haben wir den Kontakt zu anderen Menschen größtenteils eingestellt oder durch Videocalls ersetzt.
Das geht auch eine Zeit lang ganz gut, aber irgendwann fällt einem im HomeOffice echt die Decke auf dem Kopf.

Auch die Flucht ins Spiel „Animal Crossing“ hilft nicht auf Dauer, wenngleich es eine schöne Realitätsflucht ist.

Lange Rede kurzer Sinn: nach über fünf Monaten mussten wir einfach mal etwas anderes sehen, als unsere eigenen vier Wände.

Doch wohin soll man fliehen?

Nach den zahlreichen Einschränkungen, die in Deutschland gerne „Lockdown“ genannt werden, obgleich andere Länder wesentlich härtere Maßnahmen ergriffen, folgten ebenso zahlreiche Lockerungen.

Die gingen am Ende so weit, dass sich die halbe Nation in Europa zum Sommerurlaub verteilte.
Doch in einen Flieger steigen wollten wir definitiv nicht. Und an die überfüllten Ost- und Nordseestrände sicherlich auch nicht. Nach der langen Zeit quasi alleine, müssen wir uns erst wieder behutsam an Menschen gewöhnen.

So fiel die Wahl auf ein kleines Hotel, mitten im Nichts und dennoch direkt an der Ostsee gelegen.
Vor der Buchung ließen wir uns deren Hygienekonzept erläutern und befanden es schlussendlich für erwägenswert.

Mit Hygienekonzept in den Pandemie-Urlaub

Das Hygienekonzept sieht eine stark reduzierte Belegung des Hotels vor und außer dem wurden noch weitere Maßnahmen ergriffen:

  • Maskenpflicht in allen geschlossenen Räumen, außer im (eigenen) Hotelzimmer und beim Sitzen am Tisch im Restaurant
  • Reservierungspflicht und Speisen „in Schichten“ in Restaurant und Café
  • Gastronomische Einrichtungen ausschließlich für Hotelgäste (keine Tagestouristen)
  • Abstandsregelungen auf dem gesamten Gelände und separierte Tische
  • die Sauna ist geschlossen, ebenso die abendliche Bar
  • Zimmerreinigung wird auf Wunsch bis zur Abreise ausgesetzt
  • Desinfektionsmittel an jeder Ecke
  • Einbahnstraßenkonzept am Buffet und mehrere kleine Buffets, um die Menschen zu entzerren
  • Ausweitung der Frühstückszeiten

Da das Hotelpersonal auch auf die Einhaltung dieser Regeln achten soll, haben wir es mal gewagt und gebucht.

Die besondere Pandemie-Packliste

Im Gegensatz dem normalen Geklüngel, welches man so für den Urlaub einpackt, haben wir zudem noch ein paar Corona-Utensilien mitgenommen:

  • eine Handvoll Mehrwegmasken
  • ein paar Dutzend Einwegmasken
  • mehrere Flaschen Desinfektionsmittel
  • Desinfektionstücher zum Reinigen von Oberflächen
  • Handy mit Corona-Warn-App

Und wie war der Urlaub in der Pandemie nun?

Wir haben zum Test dieser neuen Art des Urlaubs erstmal nur eine Übernachtung gebucht. Die Herausforderungen sich wieder unter Menschen zu begeben und tatsächlich in ein Restaurant zu gehen (das erste Mal seit Januar!) schienen uns schon aufregend genug.

Der erste Tag Corona-Urlaub

Erfreulicherweise fanden wir bei der Ankunft das versprochene Hygienekonzept tatsächlich vor und: alle hielten sich daran! Überall Menschen mit Mund-Nase-Maske (aber nicht die von Playmobil) und auf Abstände wurde auch geachtet! Der Wahnsinn! Sowas sieht man beim Einkaufen in Hamburg sonst nicht mit dieser Disziplin.

Warten und trinken

Urlaub, Pandemie und Alkohol — so geht's eigentlich

Da wir etwas zu früh im Hotel ankamen, da der Verkehr doch nicht so schlimm wie erwartet war, haben wir uns erstmal im Café einen erfrischenden Drink und ein paar Snacks gegönnt.

Der Außenbereich ist abgesperrt und man wird am Eingang mit einem Schild auf die Hygienemaßnahmen hingewiesen und darum gebeten, zu warten, da einem ein Platz zugeteilt wird.
Dass man vom Kellner an den Platz geführt wird, finde ich sowieso schöner, als wenn die Leute einfach so quer durch die Gastro laufen.

So könnte Urlaub in der Pandemie tatsächlich funktionieren!

Als Snack gab’s eine feine Tapas-Platte — genau das Richtige in der Hitze bei über 28°C:

Wenn man wegen der Pandemie schon nicht nach Spanien kommt, holt man sich Spanien eben zu sich

Ab auf’s Zimmer

Nachdem wir uns für den Nachmittag gestärkt hatten, ging’s erstmal kurz auf’s Zimmer, den Koffer und unsere Strandutensilien abliefern. Dann flugs geduscht und in frische Strandklamotten geworfen und ab an den Strand!

Ab an den Strand!

Was gibt es Schöneres, als im Hochsommer dem Rauschen des Meeres und dem Schreien der Möwen zuzuhören?
Allemal besser als Zuhause im stickigen Arbeitszimmer zu hocken und schreiende Kinder vor dem Fenster zu ertragen! Also schnell noch eine Flasche Wasser eingepackt, eincremen nicht vergessen und ab an den Strand:

Urlaub in der Pandemie am Strand!
Der Seestern weiß (hoffentlich) nichts von Corona

Beim Spaziergang am Strand entlang haben wir viele tolle Muscheln, schöne Steine, Krebsgetier und sogar einen kleinen lebendigen Seestern gesehen, der sich glücklicherweise selbst wieder ins Meer retten konnte.

So haben wir uns im Sand noch ein paar Stunden lang die Sonne auf den Pelz brennen lassen, ein bisschen gelesen, gequatscht und einfach mal die Weite der Welt genossen, ohne nach längstens zwei Metern gegen ein Wand zu starren!

Das ist wirklich mal erholsam und ich kann verstehen, wieso die Strände an Ost- und Nordsee an den letzten Wochen völlig überfüllt waren.

Der erste Restaurantbesuch seit knapp acht Monaten

Abends ging es dann nach einer kurzen Dusche und dem Wechsel in frische Klamotten (wann kommt man schon mal dazu, an nur einem Tag so viele unterschiedliche Outfits zu tragen?) ins hoteleigene Restaurant zum Abendessen.

Wenngleich ich kein Fan von Buffets bin, so ergab die Organisation in Zeiten einer Pandemie durchaus Sinn.
Es waren drei Buffets aufgebaut. Zwei für Vor- und Hauptspeisen an verschiedenen Orten und eines für das Dessert. Durch die reduzierte Belegung gab es zu keiner Zeit Gedränge am Buffet und man konnte sich in Ruhe sein Tellerchen füllen — natürlich mit Mund-Nase-Schutz um.

Und da bin ich mal wirklich begeistert von den Menschen dort: sowohl die Hotelgäste als auch das Personal trugen ihre Masken alle über Mund und Nase! Ich habe keine einzige Nase blitzen sehen und es haben wirklich 100% eine Maske getragen. Das habe ich in Hamburg noch nie gesehen sowas, ganz toll!

Der Abend im Hotel

Sauna und Hotelbar haben geschlossen — was soll man da nur tun?
Gelangweilt auf den Fernseher im Hotelzimmer starren? Mitnichten!
Die Nacht und wir sind noch jung und außerdem findet heute ja der diesjährige Höhepunkt der Perseiden statt!

Die Perseiden, oder auch die Tränen des Laurentius, sind ein jährlich in der ersten Augusthälfte wiederkehrender Meteorstrom, der in den Tagen um den 12. August ein deutliches Maximum an Sternschnuppen aufweist.

Wikipedia/Perseiden

Also haben wir uns etwas wärmer angezogen (waren ja nur noch 24°C), die Klappstühle und ein Fläschchen Wein eingepackt und haben uns wieder an den Strand begeben.

Alle anderen Touristen waren weg, es gab keinen Lichtschmutz und am Strand ist der Blick auf den Himmel frei. Dank Mückenspray haben mich auch nur etwa 20 Mücken erwischt. Ein Zugeständnis, welches ich bereit bin, zu machen.

Im Gegenzug haben wir massig Sternschnuppen gesehen!
So viele Sternschnuppen haben ich wirklich noch nie in meinem Leben gesehen. In Hamburg ist die Atmosphäre einfach viel zu sehr mit Licht verschmutzt, als dass man sie toll sehen könnte.
Viele kleine und sogar ein paar große Sternschnuppen, die einen richten Schweif über das Himmelszelt gezogen haben, haben wir bestaunen können.

So bin ich reichlich Wünsche losgeworden!
Mangels anständigem Kamera-Equipment konnte ich leider kein tolles Foto einer Sternschnuppe machen, aber so ungefähr sah es aus:

Schnuppengucken gegen die Pandemie!

Danach waren wir noch kurz auf unserer Hotelzimmer-Terrasse, haben ein paar Fledermäuse und Rehe gesehen und sind dann ins Bett.

Der zweite Tag Corona-Urlaub

Ausschlafen, ganz wichtig im Urlaub!
Dann ein kurzer Ausflug an den hoteleigenen Naturbadesee und sich etwas erfrischen. Wir haben sogar einen Frosch gesehen:

Auch der Frosch hat hoffentlich noch nichts von Corona gehört

Frühstück im Pandemie-Urlaub

Da die Frühstückszeiten ausgeweitet wurden, war es am reichlich gefüllten Buffet schön leer und durch das Einbahnstraßen-Prinzip gab’s auch keine Probleme mit dem Abstand.
Außerdem haben wieder alle ihre Masken anständig getragen!

Das Frühstücks-Buffet war gut bestückt und es war für jeden etwas dabei und das Personal hat wirklich versucht, die Corona-bedingten Einschränkungen durch noch mehr Freundlichkeit wettzumachen — und das haben sie auch geschafft. Wir hatten wirklich ein entspanntes Frühstück und dank „Late-Checkout“ konnten wir danach noch ein wenig auf den See schauern, bevor wir unser Zimmer wieder geräumt haben.

Wann endet Urlaub?

Endlich wieder ein Eis essen!

Um das Urlaubsende noch ein wenig nach hinten zu schieben, haben wir auf dem Heimweg noch einen Abstecher an die Eisdiele gemacht und uns ein leckeres Eis und einen entspannten Spaziergang um den örtlichen See gegönnt.

Die Eisdiele ist regionsübergreifend bekannt und beliebt, auch wenn das Eis jetzt nicht sooo besonders ist — lecker ist es allemal!

Insbesondere, da ich dieses Jahr wegen Corona noch gar kein richtiges Eis gegessen habe und ich liebe einfach Eis!

Eis geht immer und Eis tut gut! Von Eis bekommt man gute Laune!

Und der Spaziergang um den See war auch sehr schön.
Danach ging’s über Landstraße und Autobahn wieder zurück in die Heimat und wir wurden prompt von schreienden und tobenden Kindern begrüßt.

Man hat das Gefühl, sie wollten das Haus abreißen. Aber so sind Kinder nun mal und wahrscheinlich fiel es uns heute nur so auf, weil’s im Hotel im Nirgendwo völlig totenstill war.

Fazit

Auch wenn wir, im Vergleich zu unserem sonstigen Dasein während der Corona-Pandemie, unzählige Risiken eingegangen sind, war es wirklich ein schöner Urlaub.

Ich hatte Angst, dass ich den Urlaub vor lauter Sorge um Masken, Abstände und Desinfektionsmittelchen gar nicht richtig genießen könnte, lag aber glücklicherweise falsch.

Wir haben uns für das richtige Hotel mit dem richtigen Standort und einem schlauen und vor allem konsequenten Hygienekonzept entschieden.
Dies schaffte überhaupt erst die Voraussetzung, um einen entspannten Urlaub verbringen zu können.

Auch, wenn es nur eine Übernachtung war, werden wir wohl noch das ganze Jahr davon zehren (müssen).

Wir waren endlich mal wieder im Restaurant essen, waren am Strand und haben das Meer gesehen und überhaupt: wir waren mal draußen! Fast zwei volle Tage lang nicht die eigenen Wände anstarren!

Wie geht es nun weiter?

Tja, wenn ich das wüsste, dann würde ich wohl nicht hier im stillen Kämmerchen sitzen und vor mich hin tippen sondern spannende Vorträge vor internationalem Publikum halten.

Aber Spaß beiseite: ich weiß es nicht. Wie lange wird uns Corona noch ein stetiger Begleiter im Alltag sein?
Zumindest wissen wir jetzt, wie wir mal Urlaub in einer Pandemie machen können ohne weit weg zu fahren oder gar fliegen zu müssen und mit diesem Wissen, können wir sicherlich auch im nächsten Jahr noch was reißen.

Denn wegen Corona ist unser Jahresurlaub ja nun irgendwie futsch. Die eine Übernachtung war alles, was noch drin war.

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