Hamburg ist seltsam

Es ist Mittwochabend, 22:00 Uhr.
Vollmondnacht.

Spontan beschließe ich noch einen kleinen Spaziergang zu unternehmen der mich in den Stadtpark führt.
Ich stehe mutterseelenallein auf dem Vorplatz des Planetariums und dicke Wolken verhüllen den Mond, lassen den Blick nur für Sekundenbruchteile auf der großen, weißen Kugel ruhen, bevor sie wieder im Sumpf des Lichtschmutzes versinkt.

Ich stehe alleine dort.
Es ist weit und breit niemand zu sehen oder zu hören.
Ich kenne den Stadtpark nur vom Sommer, voll, fast schon überlaufen. Überall durchströmen Menschen das Dickicht und die große Wiese wird von Grills und Fußbällen bevölkert.

Heute: nichts.
Einfach nur das leise Rauschen der naheliegenden Hauptstraße und sonst nur Ruhe.

Plötzlich zischt etwas an meinem Ohr vorbei und schlägt, nicht weit von mir entfernt, im Wasser auf.
Ein Entenpärchen durchkämmt den kleinen Tümpel vor dem Planetarium nach Nahrung und schaut mich fordernd an. Außer einem Kaugummi habe ich aber nichts dabei, zucke entschuldigend mit den Schultern und schaue noch einmal auf, in den Wolkensumpf, um den Mond zu erspähen.
Aber nichts zu sehen.

Enttäuscht wende ich mich ab und möchte den Rückweg einschlagen, da wird es plötzlich laut.
Von allen Seiten strömen Menschen herbei, telefonierend, streitend, sich laut unterhaltend oder Bier trinkend.
Ich werde von zwei Mädels flirtend um eine Zigarette gebeten und nutze die Chance mein Kaugummi feil zu bieten – es wird dankend angenommen und aus der kleinen Geste entwickelt sich ein Gespräch.
In einer Fehlannahme unterhalten sie sich mit mir über die gerade zu Ende gegangene Show im Planetarium und fragen mit Augenzwinkern, ob man hier in der Gegend noch etwas trinken gehen kann.
Ehrlich gestehe ich, dass ich hier in der Nähe nur das Landhaus Walter kenne, aber gar nicht weiß, ob das überhaupt noch geöffnet hat.
Die Mädchen ziehen weiter und ich schwimme in der Menschenmasse die dunklen Wege entlang, etwas verwundert über diese seltsame Stadt Hamburg, in der man völlig alleine im Stadtpark stehen kann und Sekunden später von Menschen völlig umgeben ist, und trolle mich Heim.

Gute Nacht Hamburg!

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Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.
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