@Bastianoso

Ende November, kurz vor sechs

Ein anstrengender Tag liegt hinter mir. Meetings von morgens bis abends. Dazwischen nur eine halbe Stunde Zeit um „normal“ zu arbeiten.

In der Zeit habe ich meine E-Mails gelesen und mein Brötchen vom Bäcker gegessen. Das hatte ich mir vorsorglich morgens schon auf dem Weg ins Büro beim Bäcker rausgeholt. Wobei Bäcker ja kein treffender Begriff für diese Spelunken ist, die aufgebackene Rohlinge zu überteuertem Kurs feilbieten. Eigentlich eine Schande. Schmeckt noch nicht mal besonders gut. Aber richtige Bäcker sind halt schwer zu finden und in Bahnhöfen sowieso nicht.

Nun sitze ich also in der Bahn auf dem Weg nach Hause.
Ein schweres, süßliches Damenparfum wabert durch den ganzen Waggon. Ein paar Mädels unterhalten sich, in der Ferne tippt jemand auf seinem Laptop, woanders raschelt eine Zeitung.
Wenn man aus dem Fenster in die Finsternis starrt, erkennt man in der Ferne ein paar Häuser und Bäume. Die Sonne ist schon untergegangen. Wie das eben so ist, Ende November um kurz vor sechs.
Ich starre und lausche der Geräuschkulisse: das Brummen des Waggons auf den Gleisen, das Klappern der Innenverkleidung. Die Gespräche dringen zu mir in wogen, fast wie Wellen, die an der Küste brechen.

„KAFFEE, COLA, WASSER!“ – brüllend durchdringen die Rufe des „Snack-Express“-Verkäufers die dezente Geräuschkulisse der Reisenden – „BREZELN, TWIX!“. Niemand ist interessiert.
Routiniert schiebt der arme Kerl sein Wägelchen durch den Gang. Stetig wiederholen sich seine Laute: „KAFFEE, COLA, WASSER, BREZELN, TWIX!“. Alle ignorieren ihn.
Draußen ziehen kleinere Bahnhöfe vorbei. In etwa eineinhalb Stunden bin ich Zuhause.

Ob die Katzen mich schon erwarten? In den letzten Tagen war ihnen meine Ankunft nichtmal die Mühe wert, kurz den Kopf zu heben.
Gemütlich eingekuschelt lagen sie auf ihren Schlafplätzen und dösten vor sich hin.
Anfangs habe ich noch versucht, sie mit Leckerlis zu bestechen. Die gab es von mir immer, wenn ich abends zur Tür reinkam. Nur dort.
Das hat auch funktioniert, denn nach ein paar Tagen kamen sie immer zu Tür, wenn ich die Wohnung betrat. Aber ich merkte schnell, dass sie es nicht für mich taten, sondern für ihre Nascherei.
Da ich mir selbst keine Zuneigung von ihnen vorspielen wollte, habe ich damit wieder aufgehört.

Ab und an kommen sie noch zu mir und erzählen mir was. Völlig unentgeltlich. Das ist mir dann doch lieber und sie bekommen ihren Naschkram dann bei anderen Gelegenheiten.

Gestern habe ich Hemingway heimlich Leckerlis zugesteckt, damit es sein Bruder Igor nicht merkt. Hat er aber doch. Für so etwas haben Katzen einen extra Sinn, vermute ich. Etwas, was noch nicht erforscht ist. Wenn man bedenkt wie wenig erforscht die Hummel ist, ist das gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Ich hole meinen Computer aus der Tasche und beantworte die letzten E-Mails. Irgendwie muss man die Pendelzeit ja nutzen. Und so habe ich morgen nicht mehr ganz so viel zu tun. Beziehungsweise: ich kann die Zeit dann für andere Dinge nutzen. Wichtiger oder unwichtiger, wie auch immer. Was weg ist, ist weg. Es findet sich immer etwas.

Wir passieren ein Einkaufszentrum. Von der Bahn aus sieht man die bunten Leuchtreklamen, das Parkhaus und eine Bushaltestelle.
An dieser steht ein ganzer Pulk von Menschen. Voll bepackt mit Tüten. Größtenteils Papiertüten, fällt mir auf. Papiertüten. Viel besser als Plastiktüten, nicht wahr? Weil aus nachwachsendem Rohstoff und viel besser kompostierbar. Dass Papiertüten in der Herstellung mehr Ressoucen verbrauchen als Plastiktüten passt irgendwie, finde ich. Einen Tod muss man ja sterben. Und alles richtig machen, kann man eh nicht.
Dabei fällt mir ein, dass ich noch ma recherchieren wollte, wie der ganze Plastikmüll ins Meer kommt. Da fährt doch niemand extra hin, um die Sachen ins Meer zu kippen (oder etwa doch?!). Und wenn ich meinen Müll im Mülleimer entsorge, dann wird der abgeholt und recycled oder zur Mülldeponie gebracht oder verbrannt. Meinetwegen auch im Ausland. Aber wer schüttet das ins Meer?

Einkaufen muss ich jedenfalls auch noch. Wie die Damen und Herren an der Bushaltestelle vom Einkaufszentrum. Wir brauchen bestimmt noch Milch.

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