Adventsessen — dieses Jahr remote

Üblicherweise treffen wir uns im Advent mit unseren Freunden jedes Jahr zum Adventsessen.
Alle kommen zusammen, es wird gekocht, Glühwein getrunken, gegessen und ganz viel geschnackt!
Alle Jahre wieder ein freudiges Ereignis, auf welches wir auch in diesem Jahr nur ungern verzichten wollten, haben wir doch bereits auf so vieles verzichtet

Doch wie können wir das Adventsessen virtuell machen? Ein remote Adventsessen? Wie soll das funktionieren?

Die Idee

Da wir im April 2020 bereits an einer sehr lustigen und unterhaltsamen virtuellen Weinprobe teilgenommen hatten, kam uns die Idee, dass das doch auch mit unserem Adventsessen funktionieren müsste.

Anstatt die gleichen Weine zu verkosten, würden wir einfach gemeinsam das Menü festlegen, die selben Rezepte austauschen und versuchen, das gleiche zu kochen. Und zum Essen schalten wir uns dann einfach über einen Videocall zusammen und verbringen einen hoffentlich netten Abend.

Und so lief es dann ab:

Das remote Adventsessen — die Planung

Das Menü sollte aus einer Champignon-Cremesuppe als Vorspeise, einem Entenbraten als Hauptspeise (natürlich mit Rotkohl und Klößen) und Bratapfel-Tiramisu zum Dessert bestehen.

Da wir selbst aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens nicht mehr einkaufen gehen, brauchten wir ein wenig Vorlauf, um die benötigten Zutaten zu organisieren. Das hat aber alles recht gut geklappt.

Der Aufbau der Videoverbindung war für 16:00 Uhr angesetzt und die Vorspeise sollte gegen 18:00 Uhr serviert werden — natürlich zeitgleich an beiden Orten.

Damit das alles auch so funktioniert, war natürlich reichlich Planung und Vorarbeit notwendig.
Über Wochen haben wir uns die Zutaten zusammengesammelt und am Vortag bereits das Dessert vorbereitet und kaltgestellt. Am Morgen des Adventsessens haben wir uns der Ente gewidmet und die IT aufgebaut.

Für eine möglichst stabile Videoverbindung habe ich über unseren Wohnzimmer-Switch ein LAN-Kabel zum Esstisch gelegt, unsere in diesem Jahr bereits reichlich verwendete LED-Videoleuchte platziert und der Laptop schwebte dank des praktischen Schwenkarmes platzsparend über dem Esstisch. So ausgeleuchtet und mit schnellem Internet versorgt konnte es losgehen.

So war das remote Adventsessen

Als wir uns um kurz nach 16:00 Uhr einwählen, saßen bereits ein paar unserer Freunde am Tisch und wir konnten ein bisschen quatschen. Unterbrochen nur von der gelegentlichen Pflege der Ente, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit gut zwei Stunden im Backofen befand.

Ich finde Videocalls mit Freunden zu Beginn immer etwas anstrengend. Trotz guter Video- und Audioverbindung klappt das mit dem Full-Duplex immer nicht so gut und man kann nicht so schön durcheinander reden, wie im echten Leben. Auch sind parallele Gespräche nicht möglich, sondern man muss eine gewisse professionelle Unterhaltungskultur pflegen, wenn man überhaupt irgend etwas mitbekommen möchte.
Nach ein paar Stunden habe ich mich aber daran gewöhnt.

Dadurch, dass beide parallel noch gekocht haben, war es ein bunter Abend mit reichlich Abwechslung und gelegentlich lief der Rechner auch nur nebenbei und wir hörten gegenseitig unsere Kochgeräusche.

Die Vorspeise

Champignon-Cremesuppe als Vorspeise beim remote Adventsessen

Mit nur wenigen Minuten Verspätung servierten beide Locations zeitgleich die Vorspeise.

Im Vergleich der Fotos der Vorspeise stellten wir eine recht große Ähnlichkeit fest, sodass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass wir tatsächlich das Gleiche gegessen haben.

Wenngleich ich unter der Woche täglich problemlos mehrere berufliche Videocalls absolviere und wir an den Wochenenden auch oft mit Freunden Videocalls haben, ist es doch neu und ungewohnt, vor laufender Kamera zu essen.

Aber irgendwie ist es auch witzig da bei unseren Freunden ins Esszimmer zu schauen und sie essen zu sehen.

Die Unterhaltungen waren natürlich nicht wie bei einem persönlichen Treffen und man musste schon einmal quer über den Tisch brüllen, um sich Gehör zu verschaffen. Im Großen und Ganzen hat das aber sehr gut funktioniert.

Das Hauptgericht

Entenbraten als Hauptgang beim remote Adventsessen

Der Entenbraten benötigte als Hauptspeise der Menüabfolge nach der Vorspeise noch ein wenig Hingabe, sodass zwischen dem ersten und zweiten Gang eine längere „Arbeitspause“ entstand.

Schließlich musste der Bratensaft noch vom Fett getrennt werden, um daraus eine schmackhafte Soße herzustellen und auch die Klöße und der Rotkohl mussten á la minute fertig werden.

Das ist uns nicht ganz gelungen, sodass wir unseren Braten noch mal kurz zum Warmhalten in den Ofen schieben musste. Aber im Grunde hat es gut geklappt und wenige Minuten später saßen alle wieder am Tisch und verspeisten einen leckeren Entenbraten.

Da wir bei uns nur zu zweit waren, ist natürlich noch sehr viel von der Ente übrig geblieben, sodass wir uns sicherlich noch ein bis zwei Tage davon fürstlich ernähren können.

Das Dessert

Bratapfel-Tiramisu als Nachspeise beim remote Adventsessen

Zeitlich entspannter lief es da beim Dessert ab — das war schließlich schon längst fertig und wartete im Kühlschrank auf seinen Einsatz.

Ein Bratapfel-Tiramisu mit einem Spekulatius-Keksboden – seehehr lecker aber auch der Ente auch einfach viel zu viel.
Und auch hier waren die beiden Desserts optisch wieder sehr ähnlich — und die Mengen auch.

Die Hälfte hätte sicherlich auch locker gereicht.
aber irgendwo verschätzt man sich wohl einfach immer.

Danach bleib noch genug Zeit um entspannt zu quatschen und sich über diverse Themen auszutauschen.

Fazit des virtuellen Adventsessens

Nunja, was soll ich sagen? Während berufliche Videocalls zum fachlichen Austausch sehr gut funktionieren und für mich eher einen Produktivitäts-Boost darstellen, ist ein virtuelles Treffen mit Freunden bei Weitem kein Ersatz für ein persönliches Zusammenkommen.

Es fehlen die Parallelgespräche, die Umarmungen und die Wärme, wenn man in ein echtes Gesicht schaut und man jede Mimik und Gestik sofort mitbekommt. Remote geht da einfach viel verloren.
In der aktuellen Zeit ist es aber wohl das Beste, was man aus der Situation so machen kann und deshalb bin ich sehr froh, dass wir das Adventsessen nicht einfach abgesagt haben, sondern es in den virtuellen Raum verlegt haben.

Alle haben sehr engagiert mit daran gearbeitet, dass wir das gleiche kochen und gemeinsam essen und quatschen können. Der Aufwand ist natürlich höher, als würde man sich an einem Ort treffen und es ist auch anstrengender, wirklich alles mitzubekommen. Und etwas skurril ist es auch, vor einem LED-Strahler und einer Kamera zu sitzen und in einen Bildschirm zu starren, insbesondere während des Essens. Das hatte ich so auch noch nicht.

Alles in Allem hat sich der Aufwand aber gelohnt, wir haben einen supertollen Abend mit unseren Freunden verbracht und das mit dem Essen hat auch sehr gut funktioniert.
Trotzdem freue ich mich, wenn wir uns bald mal wieder vor Ort sehen können — ohne Masken, ohne Abstand, dafür mit viel persönlicher Nähe.

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