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Um mein Leiden an Real Life-Mangel aktiv zu bekämpfen, schließlich musste ich auch noch meine HVV-Tageskarte für € 5,80 ausnutzen, bin ich heute Abend ins Kino gegangen!

Der Bequemlichkeit halber setzte ich mich in die Bahn und fuhr zum Dammtor um eigentlich ins Dammtor-Kino zu gehen.
Doch lief ich vorerst noch am UFA-Filmpalast vorbei, welcher zu meinem Erstaunen geöffnet war.

Letztes Jahr hörte ich irgendwas von einer Pleite und dass das Kino geschlossen werden müsse.
Amüsiert über die lange Pleite beschloss ich dann doch nicht das Dammtor-Kino zu besuchen, sondern den UFA-Filmpalast zu Hamburg mit meiner Anwesenheit zu schmücken.

Ich entschied mich für den Film „The Da Vinco Code“ und bestellte mir ein Logen-Ticket, sowie eine kleine Tüte Popcorn mit Cola.
Der Saal fasst über 750 Personen, und locker 200 Leute waren auch da.

Das Kino sah zu meiner Verwunderung doch recht heruntergekommen aus.
Durchweg alle Wände könnten einen neuen Anstrich gebrauchen, im Atrium lagen blanke und potthässliche Kacheln.
Das Personal hatte schlechte Laune und die Akustik
war wie im Hamburger Bahnhof.
So benahmen die Leute sich auch.
In chaotischen Schlangen standen sie an um sich Cola und Popcorn zu kaufen.
Sodann zogen sie mit gesenktem Kopf von dannen.
Der Becher in dem die Strohhalme präsentiert wurden enthielt eine Pfütze alte Cola, weswegen ich lieber auf einen strohhalm verzichtete. 😮
Selbst die Rolltreppe schien keine Lust zu haben.
Sie schlich so langsam knarrend herauf, dass einem ganz schwindelig wurde.
Als neuer Investor hätte ich hier schon ein wenig renoviert… 😉

Ich betrat den wirklich riesigen Kinosaal im dritten Stock (von dem aus man prima in die Büros gegenüber schauen konnte) und suchte meinen Platz.
In der Mitte hatte ich gesagt.
Also quasi zentriert. Vertikal wie horizontal.
Doch mein Platz befand sich hinten, leicht rechts. 😕
Aber damit konnte ich leben,
denn die Leinwand war entsprechend dimensioniert. 😀

Vor dem Film kam dann eine Überraschung;
ein Herr mit Mikrofon betrat den Saal und sprach folgendes (aus dem Gedächtnis zitiert):

„Wie Sie sicherlich wissen, wird Morgen Abend der UFA-Filmpalast für immer geschlossen. Dies ist die letzte Filmvorstellung in diesem Saal.
Vor 100(?) Jahren wurde in diesem Kinosaal der Film (habe ich vergessen) von Leni Riefenstahl gezeigt und seitdem freute sich das Kino immer größer werdender Beliebtheit.
Diese Ära ist nun leider zu Ende, aber ich hoffe Sie werden heute unseren letzten Film ‚Der Da Vinci Code‘ genießen.
Vielen Dank.“

Oh, nein, das wusste ich noch nicht. 😯
Etwas bedrückt fingen alle an zu Klatschen – ich auch.
Dann verließ der Herr den Saal und die Lichter gingen aus.
Noch einmal kurz Werbung und Film begann.

Die ersten Szenen bekam ich gar nicht so recht mit, ich war noch in Gedanken versunken ob der Tatsache, dass ich nun mit vielen Anderen zusammen die Ehre habe die letzte Vorstellung in diesem Kinosaal zu genießen und war erstaunt, dass mir gleich so etwas außergewöhnlich passiert, wenn ich mal das Haus verlasse.
Das motiviert doch eigentlich zu mehr Aktivitäten außerhalb meiner Wohnung.

Zum Film möchte ich an dieser Stelle eigentlich keine weiteren Worte verlieren.
Die Story war vorhersehbar, auch für jemanden der das Buch nicht gelesen hat.
Er war lang, fast schon zu lang, hatte aber ein schönes Ende.

Zum Abschluss noch ein Memorandum an den UFA-Filmpalast in Hamburg,
eines der letzten Kinotickets:

Eine der letzten Kinotickets des UFA-Palast Hamburg

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Dieser Artikel ist auch im Buch @Bastianoso — Eine Blog-Zeitreise von 2005 bis 2013 erschienen.
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