@Bastianoso

Live dabei: unser Finanzkollaps

79 Jahre ist es her, da gab es die Weltwirtschaftskrise. Jetzt haben wir die weltweite Finanzkrise. Eigentlich sollte uns das Angst machen. Doch dieserzeit sind wir recht schwer aus der Ruhe zu bekommen, sind wir doch allerlei Krisen gewöhnt. Sie zogen alle vorbei, ohne dass die Welt untergegangen ist.

Ich erinnere mich da insbesondere an diverse Flutkatastrophen, Unwetterwarnungen, Rekordsommer, Verkehrsinfarkte, Schneekatastrophen und das übliche konjunkturelle Gejammere „alles wird teurer“, „ein schlechtes Jahr für Deutschland“ oder „die Lage ist ernst“.

Wir hören diese Worte im Frühjahr, nach dem wirtschaftlich gesehen so harten letzten Weihnachtsgeschäft. Wir hören sie aber auch im Sommer, weil sich nach dem enttäuschenden Frühling immer noch nichts getan hat. Im Herbst hören wir sie. Weil der Sommer doch nicht so toll war, wie erwartet. Und selbstredend hören wir den Klagegesang auch im Winter, schließlich kommt jetzt die harte Zeit in der die einzige, kurze Hoffnung im kurzen Weihnachtsgeschäft besteht.

Seit ich mit zehn Jahren oder so angefangen habe, ansatzweise die Inhalte der Tagesschau zu verstehen, ging es Deutschland schlecht.
Bundeskanzler Kohl wurde dafür verantwortlich gemacht.
Nach 16 Jahren Amtszeit wurde er abgewählt und Schröder hieß der Bundeskanzler, der uns ein wenig Aufschwung verpasste.
Trotzdem reichte es noch nicht und auch unter der Führung unser heißgeliebten Frau Merkel geht es Deutschland noch schlecht.

Seit Jahrenden (vielleicht Jahrzehnten?) lahmt die Konjunktur, der Wirtschaft geht es schlecht, die Bundesbürger haben zu wenig Geld im Portemonnaie und die Kosten steigen beständig.

Jetzt also Finanzkrise.

Die Finanzkrise im 21. Jhd.

Aktuell wird geklagt, man hätte schon wesentlich früher eingreifen müssen, da der Zusammenbruch des US-amerikanischen Immobilienmarkts bereits vor über einem Jahr stattfand.
Ich frage mich, wer da hätte aufwachen sollen. Schließlich lässt die Finanzkrise heute noch Leute im Glauben, das wäre lokal beschränkt.

Bier und PResseclub - das gehört zusammen!

Nachdem ich die Finanzkrise die letzten sechs Wochen total beiläufig und distanziert am Rande wahrgenommen hatte, wollte ich nun aber auch mal wissen, worum es eigentlich geht und ich rang mich dazu durch mir letzten Sonntag den Presseclub anzuschauen.

Schließlich treffen sich dort angesehene Spezialisten und fachsimpeln über wichtige Themen.
Ich hatte eigens für die Sendung noch eine Flasche Bier erworben.

Zu Gast waren:

  • Publizist Friedhelm Hengsbach,
  • Sternle Hans-Ulrich Jörges,
  • Donata Riedel (Handelsblatt) und
  • Cornelia Schmergal von der WiWo.

Mit Beruhigung konnte ich aber im Laufe der Sendung vernehmen, dass selbst diese „Spezialisten“ keine wirkliche Ahnung von den aktuellen Geschehnissen hatten. Lediglich Herr Friedhelm Hengsbach schien über den nötigen Hintergrund zu verfügen, die Situation einschätzen zu können – aber niemand hörte ihm zu.
So ist das eben – ich kenne das 😉

Die Krise nimmt Fahrt auf

Am Sonntag ging es gerade um das geplatzte Rettungspaket für die Hypo Real Estate Bank und am Dienstag las ich schon davon, dass Island Pleite ist. Nun aber mal langsam – sollte es tatsächlich so sein, dass wir hier ein Problem haben und es doch nicht nur heiße Luft ist?

Wieso müssen wir der Hypo Real Estate überhaupt helfen?
Wenn ich kein Geld habe, kommt Frau Merkel auch nicht um die Ecke und drückt mir ’nen Hunni in die Hand – warum die olle Bank also nicht einfach Pleite gehen lassen?
Dazu müssen wir uns ein bisschen Hintergrundinformationen zusammensuchen:

Die Herleitung der Finanzkrise

Diese deutsche Bank (ein Splitter der HypoVereinsbank) hat eine Tochter, die irische DEPFA-Bank.
Die DEPFA war ursprünglich mal eine deutsche Bank gewesen, die 1922 vom Preußischen Landtag gegründet wurde.
Sie hat die Weltwirtschaftskrise überlebt und machte sich nach dem zweiten Weltkrieg einen Namen als Immobilienfinanzierer.

In den Neunzigern wurde es dann spannend. Aus steuerlichen Gründen, wanderte die Gesellschaft nach Irland aus und wuppte mit einem Eigenkapital (Stichwort Eigenkapitaldeckung) von lediglich einer Milliarde Euro Derivat-Geschäfte mit einem Volumen von über 25 Milliarden Euro.

Mit diesen Derivat-Geschäften (kurzfristigen Anleihen) deckte die Bank ihre langfristigen Kredite.
Das wäre in etwa so, als würde ich die Zins-/Tilgungszahlungen meiner € 300.000,- Baufinanzierung, die ich günstig für 5% geschossen habe, mit meinem Dispo bezahlen, der üblicherweise Zinssätze zwischen 12 und 15% hat.

Das lernt jeder Kaufmann, dass man sowas nicht macht. Allein der gesunde Menschenverstand sollte dies verhindern, dann es ist klar das man dabei Minus macht.

Ein kleines Rechenbeispiel:

  • die monatlich zu zahlende 5%-Rate (Mischung aus Zinsen und Tilgung) für meinen Baukredit beträgt € 1100,-
  • ich habe aber keine € 1100,-
  • die nehme ich dann aus meinem Dispo, bin also mit €1100,- in den miesen.
  • dafür zahle ich etwa 15% Zinsen p.a., Tilgung nicht berücksichtigt
  • macht im Monat: € 13,75
  • meine finanzielle Belastung hat sich also um 14 Euro erhöht und viel schlimmer: ich habe immer noch die € 1100,- zu zahlen^!

Die Banken sind natürlich nicht volldeppert und haben kurzfristige Anlagemöglichkeiten gefunden, bei denen sie weniger Zinsen zahlen, als bei ihren Langfristigen.
Das wäre etwa so, als gäbe es ein Tagesgeldkonto, bei dem man 4,5% Zinsen bekommt; während eine andere Bank Konsumkredite für lediglich 4% anbietet. Wenn man sich dann € 30.000,- Kredit holt und sie als Tagesgeld anlegt, hat man nach drei Monaten schon € 337,50 Gewinn gemacht.

Mit Derivaten lassen sich solche Konstrukte erreichen.
Derivate sind gegenseitige Verträge, deren Preisbildung auf einem […] Basiswert beruht. Basiswerte können Wertpapiere (z.B. Aktien, Anleihen), marktbezogene Referenzgrößen (Zinssätze, Indices) oder […] das Wetter, das dann genau zu definieren ist, sein.“ (Quelle: Wikipedia)

Um die Sachlage komplexer zu gestalten, können auch Derivate Basiswert von anderen Derivaten sein – quasi beliebig oft verschachtelt.

Dieses hochinnovative Geschäft ist mit der Zeit so komplex geworden, dass die Grundlagen für den Handel völlig undurchsichtig geworden sind. Da aber jeder mitmischte, fiel es nicht weiter auf, dass die Preise der Derivate gewissermaßen ausgedacht waren.

Im Rahmen der US-Immobilienkrise wurden Kredite nun teurer und das Finanzierungsmodell der Banken ging nicht mehr auf.
Beim Beispiel der DEPFA überstieg das Handelsvolumen das Eigenkapital, sodass die DEPFA die Krise nicht selbst abfedern konnte und so mussten andere Banken und auch die Muttergesellschaft einspringen.

Die anderen Banken jedoch weigern sich, da sie die DEPFA für nicht kreditwürdig erachten (zu viele schlecht verzinste Verbindlichkeiten, die sich nicht verkaufen lassen).
Also muss die Hypo Real Estate ran. Die hat aber auch nicht genug liquide Mittel.

Und wo holen sich Banken Geld, wenn sie von sonst niemandem mehr Geld bekommen? Richtig, bei der Bundesbank zum Beispiel.

Und wenn die auch Pleite ist, dann muss entweder Geld gedruckt werden, oder die ganze Kolchose geht den Bach runter.

Erinnern wir uns nun kurz an die Weltwirtschaftskrise:

  1. 24.10.1929: Sturz der Kurse an der New Yorker Börse
  2. Folge: Wirtschaftskrise in vielen europäischen Ländern
  3. Mai 1931: Zusammenbruch der österreichischen credit-Anstalt
  4. Juli 1931: deutsche Nationalbank stellt Zahlungen ein
  5. September 1931: Aufgabe des Goldstandards durch England
  6. April 1933: Aufgabe des Goldstandards durch die U.S.A. und, bis 1936, durch alle anderen Staaten
  7. nach dem Versagen der klassischen deflationistischen Mittel greift der Staat ein:
    • Staatsbeteiligungen
    • Sozialisierung von Firmen
    • Stützungskäufe
    • Kontrolle von Preisen und Löhnen

Jetzt erklärt sich auch, wieso der Staat (vornehmlich die U.S.A.) bereit dazu ist, mehr Geld in den Markt zu pumpen, also quasi Geld zu drucken und die Gefahr einer Inflation zu steigern – damit sich 1929 nicht wiederholt.

Was tut der kleine Mann

Unsere Bundeskanzlerin, Angela Merkel, betont jeden Tag, wieder und wieder auf allen Kanälen, dass die Spareinlagen der Bundesbürger sicher sind.

Warum sagt sie das?

Natürlich weil sie befürchtet, dass ein jeder auf die Bank rennt und sein Geld abhebt.
Denn da liegt ein weiterer Hase im Pfeffer: der Geldbestand der Welt setzt sich zusammen aus Bargeld und Buchgeld und nur etwa 1% des Weltgeldbestands ist Bargeld!. Den Rest hat sich mal jemand ausgedacht.

Es kann also gar nicht jeder sein Geld abheben.
Würde das jeder tun, wäre jede Bank im Nu Pleite.
Pleite im Sinne, dass sie kein Bargeld mehr hat. Aber sowas spricht sich ja schnell herum und schwuppdiwupp fällt der Aktienkurs der Bank und auch das Buchgeld geht flöten. Die Bank wäre dann wirklich pleite.

Was also tun?

Wir, als einfache Bürger, haben zwei Möglichkeiten:

  1. unser Erspartes abheben
    1. unter Kopfkissen damit
      • pro: unser Geld ist bei uns und wir werfen es keiner Bank in den Rachen. Nach der Krise legen wir es wieder an.
      • contra: bei einer Inflation können wir es nur noch zum Heizen verbrennen und hätten es verloren, was wir ja eigentlich verhindern wollten.
    2. es ausgeben
      • in Gold investieren (der Kurs steigt bereits, weil Gold knapp wird)
      • uns auf eine Wirtschaftskrise vorbereiten und wirklich wichtige Dinge kaufen (Rohstoffe, Lebensmittel, Kleidung)
      • pro: mit dem Geld können wir die lahmende Wirtschaft durch konsumieren stabilisieren
      • contra: das gesparte Geld ist nicht mehr gespart, sondern ausgegeben und die Krise kann sich trotzdem noch verschärfen, ergo: Geld weg
  2. unser Erspartes angelegt lassen
    1. darauf hoffen, dass die Krise abebbt und nichts passiert
      • pro: dadurch wird die Gefahr einer Inflation verringert
      • contra: wenn die Krise sich verschärft, ist das Geld schneller weg als man gucken kann
    2. gezielt in niedrige Kurse investieren
      • pro: man kommt als Millionär aus der Krise
      • contra: man verliert all sein Geld

Egal wie man handelt, als kleiner Mann ist man dem Ausgang des globalen Würfelspiels ausgeliefert.

Mittwoch, 8.10.08

Den Banken wird versichert, dass sie ihr Geld wiederbekommen und durch den Staat gestützt werden. Die NDR-Sendung Extra-3 hat sich gleich satirisch draufgestürzt:

Bankenkrise, das neue Brettspiel:

Freitag, 10.10.08

Im Laufe dieser Woche überschlagen sich geradezu die Meldungen von Kurseinbrüchen, die russische und indische Börse hat den Handel eingestellt und der DAX hat alleine gestern über 10% eingebüßt. Die Gefahr einer weltweiten Realwirtschaftskrise wächst.

die Finanzkrise wird zur Wirtschaftskrise:

noch ein bisschen Lesestoff:

derweil

Die Bundesregierung hat im Eilverfahren ein 500 Milliarden Euro Sicherheitspaket geschnürt, mit dem sie als Einlage für das Kapital der Banken garantieren will um so den Markt zu stabilisieren.
Ackerman von der Deutschen Bank hat bereits gesagt, dass er sich schämen würde, das Geld anzunehmen. Während andere Banken daran arbeiten sich für die von der Bundesregierung geforderten Voraussetzungen herauszuputzen.

to be continued

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[…] Pannenwender Gleich […]

[…] erleben dieser Tage einen Finanzkollaps nie dagewesenen Ausmaßes live mit (ich berichtete) und mir stellt sich die Frage, ob Geld wirklich der Treibstoff unseres Jahrhunderts […]

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