Ein Quartal ununterbrochenes HomeOffice

Seit dem 9. März arbeite ich aufgrund der Corona-Pandemie aus dem HomeOffice heraus und schreibe darüber fast täglich in meinen Corona-Tagebüchern (bisher Februar/März, April, Mai & Juni).

Nach nunmehr drei Monaten ununterbrochenem remote working halte ich es für angebracht einmal Zwischenbilanz zu ziehen. Zum Einen, um erneut zu vergleichen, wie das Arbeiten im HomeOffice sich von „vor Corona“ zu „während Corona“ verändert hat. Zum Anderen aber auch, um möglicherweise einen kleinen Ausblick zu geben, wie HomeOffice „nach Corona“ aussehen kann.

Drei Monate HomeOffice

Obwohl ich das remote-Arbeiten bereits gewöhnt war und im Durchschnitt auch schon vor Corona einmal die Woche von Zuhause aus gearbeitet habe, so hatte die plötzliche Fristlosigkeit der besonderen Umstände doch einige Auswirkungen.

Es begann im März

Urplötzlich war es also so weit und fast die gesamte Firma befand sich schlagartig remote — a.k.a. im HomeOffice.
Technisch ist unsere Firma glücklicherweise schon seit langem potentiell dafür ausgestattet. Einzelne Mitarbeiter haben immer mal wieder von Zuhause aus gearbeitet, oder halt im Zug oder entfernt von anderen Standorten aus.

Dass jetzt jedoch fast die gesamte Firma Zuhause sitzt und die einzelnen Teams auseinandergerissen sind, ist für alle neu. Das bringt natürlich auch ein paar Herausforderungen mit sich, insbesondere, was die Zusammenarbeit im Team anbelangt.

Maßnahmen zur dauerhaften remote Teamzusammenarbeit

Ich arbeite in zwei Teams an zwei Standorten aktiv mit und habe meine Zeit bisher tageweise zwischen den Teams aufgeteilt. Um einen bestmöglichen Austausch untereinander zu gewährleisten, haben wir frühzeitig die folgenden Maßnahmen umgesetzt:

Umfassende Kommunikation ist das A und O

  • morgendliche Kaffeerunde mit dem Team
  • ganztägiger Team-Chatroom zum Rumeiern und Dinge auf Zuruf besprechen
  • nach hinten verschobenes Daily Stand Up (DSU)
  • zwei mal die Woche optionale Feierabendrunde

Da schon vor Corona einzelne Kollegen im HomeOffice gearbeitet haben, nutzten wir sowieso schon viele Methoden, um uns besser zu koordinieren:

  • geteilte Kalender, damit Verfügbarkeiten direkt sichtbar sind
  • allgemeiner Teamkalender für Urlaube, Arzttermine etc.
  • HomeOffice-Kanal um das morgendliche Kommen, Mittagspausen, kurzfristige nicht-Verfügbarkeiten und den Feierabend für alle transparent zu kommunizieren

Wenn alle im HomeOffice sind, wird’s einfacher

Ist nur ein Kollege im HomeOffice, finden Meetings wie gewohnt im Konferenzraum statt. Der „remote Kollege“ wird dann über Lautsprecher dazugeholt. Nun, wo alle remote arbeiten ist das deutlich einfacher, denn es wählen sich einfach alle in die Videocalls ein.

Die Tonqualität und damit die Verständigung sind deutlich besser. Nach ein paar Terminen fällt sich auch niemand mehr gegenseitig ins Wort.

Natürlich ist die Kommunikation nicht so direkt und viel Zwischenmenschliches bleibt auf der Strecke, daher ist es von Vorteil, wenn das Team sich schon länger kennt und miteinander arbeitet.

Außerdem sollte unbedingt das Video eingeschaltet werden!
Zum Einen hat das den Vorteil, dass man auch die Mimik des Gegenüber sieht. Zum Anderen fördert es aber auch den Smalltalk, wenn man sich zumindest kurz über Klamotten, Inneneinrichtung oder das Wetter unterhalten kann.

Zumindest bei mir sind die Kollegen in ganz Norddeutschland verteilt und der übliche Kaffeeklatsch sollte nicht auf der Strecke bleiben.

Erhöhte Flexibilität birgt auch Gefahren

Kein Pendeln mehr ins Büro, die Mittagspause nur Zuhause und kein lästiges Räume buchen, um Meetings abzuhalten — da gewinnt man am Tag schon einige Stunden.

In der Regel dauert mein Anfahrtsweg ins Büro zwei Stunden. Plus zwei Stunden zurück (gemessen von Tür zu Tür). An guten Tagen geht dann noch eine Stunde Mittagspause bei drauf, in der man definitiv nicht erreichbar ist.

Im HomeOffice habe ich keine zwei Stunden Anfahrt und die Mittagspause verbringe ich keine zehn Meter vom klingelnden Laptop entfernt. Meine Verfügbarkeit ist also um locker fünf Stunden pro Tag gestiegen!

Das macht es natürlich möglich, Meetings um 08:00 Uhr morgens anzunehmen und auch noch den Call um 19:00 Uhr — oder oft auch später. Prima für die Firma, für die Work-Life-Balance und einen drohenden Burnout nicht so förderlich.

Gib mehr Acht auf Dich selbst!

Die Flucht vor dem Sars-CoV-2 ins Animal Crossing Land
Verliere Dich im HomeOffice nicht völlig in Bürotätigkeiten

Darüber hinaus ist man ja auch nicht wirklich weg, wenn man im Meeting ist. Man sitzt ja schließlich immer noch vor seinem Rechner und sieht die eingehenden E-Mails und bekommt auch die Anrufe mit. Gerade bei Laberterminen, die es wohl in jeder Firma gibt, gerät man leicht in Versuchung, ganz nebenbei ein paar E-Mails zu schrubben oder vielleicht doch kurz ans Telefon zu gehen.

Insbesondere, wenn es aufgrund der Corona-Krise im Laden gerade an allen Ecken und Enden brennt wie hulle, ist das sehr verlockend. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Call-Hopping nichts bringt und man die eintrudelnden E-Mails lediglich überfliegen und dann nicht weiter beachten sollte.
Sonst verstrickt man sich völlig in den unterschiedlichsten Themen und weiß am Ende gar nicht mehr, was man den ganzen Tag so getrieben hat.

Das Thema Selbstdisziplin bekommt an dieser Stelle also noch mal eine neue Färbung und man lernt in dieser Zeit auch mal nein zu sagen. Denn anders geht es oft gar nicht, so gerne man helfen möchte, sind die eigenen Kapazitäten doch immer noch beschränkt.

Tipps für ein langfristig schonendes HomeOffice

Dauerhaft im HomeOffice zu sitzen ist ein anderer Schnack, als mal eben einen Tag die Woche von Zuhause aus zu arbeiten. Deshalb sollte man sich seinen Arbeitsplatz auch bestmöglich einrichten.

Aus meinen drei Monaten HomeOffice habe ich mal meine persönlichen Erfahrungen zusammengetragen:

Richte Dir einen dedizierten Arbeitsplatz ein

Ergonomischer HomeOffice-Arbeitsplatz
Photo by Nathan Riley on Unsplash

Wenn möglich, suche Dir in der Wohnung eine freie Ecke (oder schaffe eine), an der Du Deinen Arbeitsplatz aufbaust und ihn auch dort stehen lassen kannst.
Auch wenn es in den ersten Tagen bequem erscheinen mag, ist es auf lange Sicht nicht das Beste, die Calls vom Sofa oder Bett aus zu machen. Auch der Küchentisch ist nicht superb geeignet, wie der Name Küchentisch schon vermuten lässt.

Idealerweise ist der Standort fix, gut ausgeleuchtet, hat kein Fenster im Rücken (wegen der Videocalls) und Du hast einen großen Tisch als Arbeitsfläche.

Achte auf gute Ergonomie

Bitte, bitte, bitte: stelle Dir keinen Küchenstuhl an den Tisch, sondern investiere in einen halbwegs anständigen Schreibtischstuhl mit Lendenwirbel- und Kopfstütze und bestenfalls auch Armlehnen.

Zuerst solltest Du den Stuhl korrekt einstellen, dann erst die Tischhöhe an Deine individuelle Sitzhöhe anpassen und erst danach Monitor etc. auf dem Schreibtisch platzieren.

Wenn Du ein paar Taler übrig hast, rate ich dringend zu einem zweiten Monitor für den Laptop.
Günstige Modelle gibt es schon neu für um die € 100,- oder Du schaust mal nach halbwegs brauchbaren Gebrauchgeräten.

Der Laptop als stationäres Gerät

Wenn Du nur einen Notebook zu Verfügung hast, etwa weil der Platz ich nicht ausreicht, investiere in einen Laptopständer oder rupfe ein paar dicke Bücher aus dem Regal, um das Display auf Augenhöhe zu bringen.

Damit Du dann noch am Laptop arbeiten kannst, empfehle ich eine eigene Tastatur und Maus für den Laptop. Kabellose Lösungen gibt’s im Set schon für € 30,-. Und die Batterien halten locker zwei Jahre.

Technische Finessen für mehr Ruhe & Effizienz

Um wirklich effizient und bequem arbeiten zu können, habe ich mich in den drei Monaten ein paar zusätzliche Investitionen getätigt, die ich inzwischen sehr zu schätzen weiß.

LAN-Anschluss für den Laptop

Ja klar, WLAN überall und so. Aber da nun auch alle meine Nachbarn im HomeOffice arbeiten sind die WLANs in der Umgebung alle gut ausgelastet und so viele Kanäle gibt’s ja nun auch nicht. Damit schwächelt meine WLAN-Verbindung deutlich und gerade Videocalls mit acht oder mehr Teilnehmern, kommen ins Stocken.

Ich habe meinem Laptop daher einen USB-Ethernet-Adapter spendiert und mir ein LAN-Kabel zum Arbeitsplatz gelegt.
Solltest Du alle Deine LAN-Anschlüsse am Router schon belegt haben, hilft ein kleiner Switch dabei, mehr Geräte anzuschließen. Ich habe bei der Gelegenheit gleich alles von 100 MBit auf 1GBit-Leitungen aufgerüstet, so geht auch der Heimnetzinterne Transfer von Daten schneller:

Ein Gutes Headset

Ich hatte Glück und verfügte noch über over-ear Noisecancelling-Kopfhörer mit Mikrofon. Damit bekomme ich die spielenden Kinder vor dem Fenster nicht mit und höre meine Kollegen in guter Qualität.

Auf jeden Fall schmerzt es (mir zumindest), den ganzen Tag die kleinen Ohrhörer-Knöpfe vom Handy im Ohr stecken zu haben, daher ziehe doch gleich ein schönes paar kabellose Kopfhörer in Betracht.
Damit kann man sich dann auch mal zwischendurch einen Kaffee holen, ohne inhaltlich etwas zu verpassen.

Schaue am besten selbst nach, was gut zu Dir passt.

Für die Profis: ein Mikrofon

Solltest Du zwar schöne Kopfhörer haben, Dir fehlt aber das Mikrofon dazu, dann gibt es auch dafür adäquaten Ersatz, der sich einfach an den Laptop anschließen lässt. Natürlich braucht so ein Mikro wieder Platz auf dem Schreibtisch, daher musst Du schauen, ob es passt:

Hier findest Du ganz viele knorke Mikrofone.

Großes Mauspad

Die wohl beste Anschaffung meiner HomeOffice-Zeit ist ein riesengroßes Mauspad — es bedeckt fast den ganzen Tisch. So kann habe ich immer eine schöne Unterlage für die Maus und habe an jeder Stelle eine gute Präzision des Mauszeigers.

USB-Kamera

Sollte Dein Laptop keine eingebaute Kamera haben oder die Kamera taugt nichts, dann empfehle ich eine einfache USB-Laptop-Kamera. Die meisten Kameras kann man ganz einfach ans Display vom Laptop klemmen und sie liefern prima Bilder für die Videokonferenzen.

Arbeitsplatz eingerichtet — und nun?

Es ist wichtig, sich seinen Arbeitsplatz nicht nur ergonomisch optimal, sondern auch schön einzurichten. Hänge ein Bild an die Wand oder stelle eine Topfpflanze auf den Schreibtisch.

Schließlich soll man sich auch wohlfühlen — die Produktivität dankt es einem!

War am Anfang noch alles eher ungewohnt und die Lage im Büro und der Welt recht chaotisch, so haben sich nun doch die meisten mit der Situation arrangiert. Nach drei Monaten HomeOffice während Corona hat sich auch bei mir inzwischen eine gewisse Routine eingebürgert.

Ich stehe etwa eine Stunde vor dem ersten Termin auf, werde in Ruhe wach und wähle mich in den Call ein.
Danach erstmal in Ruhe Kaffee kochen und dann den Tag bestmöglich planen.

Wichtig ist, sich nicht zu viel vorzunehmen!

Wenn man früher im HomeOffice war, dann wurde man nur selten angerufen, denn schließlich ließen sich die meisten Dinge auch genauso gut am nächsten Tag noch klären. Doch wenn nun alle Zuhause sitzen, klingelt eher mal das Telefon. Diese spontanen Termine sollte man bei der Tagesplanung dringend berücksichtigen. Sonst gibt man womöglich Zusagen raus, die am Ende nicht haltbar sind.
Also lieber etwas weniger planen, dafür die Dinge ordentlich machen und im Zweifel über gewonnene Zeit freuen. Irgendwas zu tun gibts ja schließlich immer.

Und was ist mit Urlaub?

Üblicherweise fährt man im Urlaub ja weg. Zum runterkommen und abschalten. Sich mit anderen Dingen beschäftigen und Neues sehen.
In Zeiten von Corona ist das natürlich nicht möglich und ich musste meinen Sommerurlaub betriebsbedingt stückeln und coronabedingt Zuhause verbringen.

Es fordert schon viel Selbstdisziplin dann nicht doch „mal eben kurz“ die Firmen-E-Mails zu checken und ich habe dem nicht immer standgehalten. Zum Glück konnte ich mich recht gut mit Animal Crossing ablenken, aber man sollte auf jeden Fall dafür sorgen, dass der Zugang zum Firmenrechner im Urlaub nicht ganz so einfach ist 😉

Wie kann es nach Corona weitergehen?

Die aktuelle Situation ist für viele sehr belastend.
Einmal die ungewohnte HomeOffice-„Gemengelage“ und der dringende Wunsch einzelner, endlich wieder im Büro sein zu dürfen.

Ich für meinen Teil habe festgestellt, dass ich wesentlich mehr schaffe, wenn ich von Zuhause aus arbeite.
Zum Einen, weil die Pendelzeit entfällt, zum Anderen aber auch wegen der ungestörten und ergonomisch besseren Arbeitsatmosphäre Zuhause.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich dieses weltweite Großexperiment weiterentwickelt und hoffe, dass viele Unternehmen aus der Krise auch lernen. Lernen, dass HomeOffice möglich ist, lernen dass HomeOffice produktiv ist und lernen, dass digitales Arbeiten die Effizienz steigert und Kosten spart.

In meiner Traumwelt …

… wird es problemlos für jeden nach belieben möglich sein remote zu arbeiten. Und zwar ohne dadurch irgendwelche Nachteile zu erleiden. Die Arbeit ist digital durchführbar und auch so für alle dokumentiert und transparent. Menschen, die die Nähe im Büro schätzen, finden dort eine angenehme und gesunde Arbeitsatmosphäre vor und es gibt den Raum sich auszutauschen und zu vernetzen.

Mitarbeiter sind zeitlich flexibel im Einsatz. Dies ermöglicht es Firmen nahezu jeder Zeit auf ihre wichtigste Ressource zugreifen zu können und den Mitarbeitern ermöglicht es, berufliches und privates unter einen Hut zu bekommen.

Werkstatttermin mitten am Tag? Kein Problem, dann macht man den Call halt von unterwegs oder holt die Zeit später nach.

Aber nun müssen wir erstmal schauen, wann wir das heimische Büro wieder sicher verlassen können und mit unseren Kollegen wieder zusammen in Konferenzräumen sitzen können — ist ja auch schön!

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