@Bastianoso

Ein paar Gedanken zum Tempolimit

Aktuell wird wieder die Sau des Tempolimits durch’s Dorf getrieben. Eine typisch deutsche Diskussion, in der es wohl mehr um Emotionen, als um den gesunden Menschenverstand geht.

Auf deutschen Autobahnen darf man so schnell fahren, wie es das Auto hergibt. Dafür ist Deutschland weltweit berühmt und bekannt. Viele Menschen beneiden uns auch um diese Möglichkeiten und hier im Norden gibt es regelmäßige Besuche schwedischer Sportwagenkolonnen, die sich auf der A1 austoben und ihre Motoren hochdrehen lassen.

Ich selbst fahre auch gerne mal schneller. Egal ob mit vier oder zwei Rädern. Mein Mazda RX-8 bringt es flutschig auf 235 km/h und mein Mopped erreicht immerhin die 230 km/h-Marke — nur fliegen ist schöner!

Aber, wenn man mal ehrlich ist: entspanntes Reisen ist das nicht.
Wenn ich entspannt von A nach B kommen will, und dabei auf das Auto als Transportmittel angewiesen bin, gibt es doch nichts schöneres als den Tempomaten auf 140 km/h einzustellen und ruhig dahinzugleiten.

Mit dem Motorrad fahre ich ohnehin lieber Landstraße — schließlich sind es die Kurven und die Landschaft, die das Zweiradfahrer so schön machen.

Natürlich möchte man nicht unnötig Zeit auf der Autobahn verbringen und je schneller man fährt, desto schneller ist man ja auch am Ziel. Das klingt logisch und ist mehr als verständlich.

Probieren wir es doch einfach mal aus!

Also habe ich mal einen Test gemacht und bin die A1 von Hamburg nach Lübeck gefahren. Einmal gemütlich mit 120 bis 130 km/h und einmal mit Bleifuss und Vollgas.
Der Zeitunterschied machte am Ende sieben Minuten aus. Sieben Minuten!
Beim gemütlichen Reisen kam ich hingegen deutlich entspannter an (und der Tank war nicht so leer 😉).

Vollgas kann man prima fahren, wenn die Autobahn leer ist und sonst niemand auf der Strecke ist. Dann flutscht es und macht auch ordentlich Spaß!
Im normalen Verkehr ist das allerdings kaum sinnvoll machbar.
Wer kennt von seiner letzten Autobahntour nicht diese Idioten, die mit 120 km/h mal eben auf die linke Spur ziehen, während man selbst von hinten mit 200 Sachen angebraust kommt? Da geht einem manchmal schön die Muffe. Das andauernde Abbremsen und wieder Beschleunigen ist jetzt auch nicht so der Bringer und erhöht nicht nur den Spritverbrauch (und damit die Abgase) sondern auch den Verschleiß der Bremsen.

Wie fährt es sich mit Tempolimit?

Im Ausland hingegen gilt meist überall ein Tempolimit von 110 oder 120 km/h und in meinen letzten Urlauben in Frankreich, Dänemark und Schweden habe ich davon kosten können — sehr zu meiner Überraschung!

Denn während ich flott über die A7 flog, galt ab Grenzübergang das neue Tempolimit und sofort dachte ich mir „och nö, jetzt müssen wir hier so lahm rumjuckeln und kommen bestimmt erst nach Sonnenuntergang an“. Und ja, zuerst hat man das Gefühl, man würde über die Straße schleichen und könnte nebenher Blumen pflücken. Aber das ist nur das erste Gefühl. Außerdem schleichen alle. Denn die Geldstrafen bei Geschwindigkeitsübertretungen sind im Ausland meist auch schmerzhafter als bei uns in Deutschland.
Und so kommt es, dass der Verkehr sanft dahingleitet. Alle fahren nahezu gleich schnell. Nur ab und an muss man mal einen Lkw überholen. Zack, Tempomat rein und einfach mitschwimmen. Selten war Autofahren entspannter als bei konsequentem Tempolimit.

Insbesondere in Frankreich ist mir das positiv aufgefallen. Dort gibt es auch eine Pkw-Maut für die Nutzung der Autobahn — jedoch sind die Autobahnen dort in sehr gutem Zustand und die großen Verbindungsstücke meist sechsspurig ausgebaut. Ganz rechts die langsamen Fahrer und Lkw, in der Mitte die 120er und die linke Spur ist meist frei oder kann für spontane Überholmanöver genutzt werden. Autobahnfahren ist in Frankreich kein Stress, sondern eher entspanntes Autofahren.

In Frankreich oder Schweden kann ich mir sogar autonome Fahrzeuge sehr gut vorstellen. In Deutschland wären die Dinger ja nur mit permanentem Spurwechsel, Abbremsen und Beschleunigen beschäftigt, dass einem als Mitfahrer speiübel werden würde.

Außerdem muss man sich mal die aktuell gültigen Geschwindigkeitsbegrenzungen der verschiedenen Autobahnabschnitte zu Gemüte führen. Die Autobahnen sind gepflastert mit Schildern. Man 80, dann wieder 120, dann nur 100, dann wieder offen. Und die offenen Abschnitte sind inzwischen auch so stark zurückgegangen, dass es sich eh kaum noch lohnt zu beschleunigen, wenn man am Horizont schon wieder die nächste Geschwindigkeitsbegrenzung aufziehen sieht.

Ich persönlich hätte nichts gegen ein generelles Tempolimit auf den Autobahnen. All die Rennmaschinen können sich dann doch in Ruhe auf professionellen Rennstrecken austoben. Dann kann man sein Gerät mal in Ruhe ausfahren und kann sicher sein, nicht geblitzt zu werden weil man von seinen 260 Sachen nicht schnell genug auf die 80 km/h des letzten Schildes herunterbremsen konnte, ohne eine Massenkarambolage zu verursachen.

Wozu ein generelles Tempolimit?

Wenn Du nun fragst, wieso denn ein generelles Tempolimit gut wäre, wenn doch jeder einfach so schnell fahren kann, wie er mag, so möchte ich erneut auf unsere europäischen Nachbarn verweisen.

Denn der Stressfaktor ist ja gerade, dass jeder so schnell fahren kann, wie er mag. Denn gemütlich mit 120 km/h über die Autobahn juckeln kann man hier ja auch nicht, ohne dass einem beständig jemand im Nacken sitzt oder waghalsige Überholmanöver vollzieht, auf die man dann auch noch acht geben muss.

In Deutschland ist es mir ein Graus, wenn ich mal auf der rechten Spur bin (von wegen Rechtsfahrgebot und so) und dort nie wieder wegkomme, weil von hinten alle mit 150 Sachen angerauscht kommen. Oder man auf der mittleren Spur einen Schleicher mit 100 km/h vor sich und möchte da mal kurz vorbei — dann muss man immer gleich auf 150 beschleunigen, damit man kein fahrendes Hindernis wird.

Wenn nun aber einfach mal alle 120 fahren würden, dann schwimmt man einfach entspannt in der Masse mit.
Außerdem ist das Risiko durch Unfälle wesentlich geringer (Stichwort Reaktionszeit und Linke-Spur-Schleicher) und wenn es doch mal kracht, dann brauchen die Sanitäter keinen Spachtel, um genug Material zur Sargfüllung zusammenzubekommen.

Ich würde sagen, wir probieren es einfach mal auf einer schönen Strecke aus, und schauen was passiert.

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Wankelmut
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Hallo Bastian. Also ertsmal ein dickes Lob an Deinen Blog. Ich bin über das RX-8 Forum auf Dich gestossen und habe eben nach Deiner Anleitung die Speicher vom Vorgänger gelöscht. Hat gut geklappt. Bin gespannt ob ich einen Unterschied bemerke. Danke dafür. Ich werde hier öfter mal reinsehen. Aber zum Thema Tempolimit: Nein nein und nochmals nein – also jedenfalls für mich. Ich bin Deutscher und lebe jetzt knapp 10 Jahre in der Schweiz und die 120 auf der Autobahn nerven mich wie am ersten Tag! Verstehe mich bitte richtig: Geschmeidig fliessender Verkehr ist anstrebendswert! Da bin ich ganz bei… Weiterlesen »

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