Darstellung sexueller Handlungen

Ich bin gerade über einen Artikel der Süddeutschen von Anfang Dezember gestolpert.
Roland Schulz gab ihm den Titel „Küssen verboten! Wie die Regierung unsere Sexualität regeln will“ und es bereitete mir gelgentliche Schmerzen ihn zu lesen.
Folgend ein kleines BestOf aus dem Interview mit dem Grünen Jerzy Montag.

Es geht um eine Reform des Sexualstrafrechts damit sich Jugendliche künftig selbst des „sexuellen Missbrauchs“ an anderen Jugendlichen strafbar machen können. Also, können heißt nicht, dass sie es dann dürfen, sondern, dass das was sie heutzutage noch einfach so machen, dann einen Straftatbestand erfüllt – also verboten ist. *puh!*

Nun aber zu den amüsanten Stellen des Interviews:

[…]Wenn […] eine 15-Jährige zu einem 17-Jährigen sagt: „Ich lade dich ins Kino ein, wenn du nachher mit mir Petting machst“, dann ist das schon eine Straftat.
Dazu kommt: Bisher war bei dieser Regelung der Versuch nicht strafbar.
Die Bundesregierung wird aber jetzt an diesem Donnerstag den Versuch zu einer Straftat erklären.

Das heißt bei unserem Beispiel: Die 15-Jährige lädt den 17-Jährigen unter der Vorraussetzung ins Kino ein, dass er danach mit ihr auf ihr Zimmer geht. Selbst wenn der junge Mann sagt: „Ich hab´ keine Lust“, dann ist die 15-Jährige trotzdem strafbar.

Ist das nicht fein?
Aber es geht noch weiter:

Die Bundesregierung hat jetzt den Begriff „Darstellung des sexuellen Missbrauchs von Kindern“ ersetzt durch den Begriff „Darstellung sexueller Handlungen“. Gleichzeitig hat sie das Opferalter, das bisher bis 14 ging, erhöht auf 18 Jahre.

Was heißt das konkret?
Ein Foto mit einem im […] Zungenkuss oder ein Foto, auf dem lustvoll eine Frauenbrust geküsst wird – und die Abgebildeten sind 17 – wird jetzt zu einer Straftat.
[…]
Und dabei ist die Krönung: das gilt auch für den Besitz, selbst den Altbesitz. Wenn Sie also zuhause ein Foto haben, auf dem eine 17-Jährige bei einer sexuellen Handlung abgebildet ist – wie gesagt: kein sexueller Missbrauch, sondern bei einer sexuellen Handlung jeder Art –, dann war das bis heute straflos. Jetzt wird es strafbar.

Diese, nun etwas abstrakten Aussagen, werden von Herrn Montag nochmal mit einem netten Beispiel bunt gemacht:

Nochmal konkret: Wenn ich 17 bin und einen guten gleichaltrigen Freund habe, der mit seiner Freundin auf der Wiese einfach nur knutscht, dann darf ich die nicht fotografieren?
Genau. Sie dürfen dann kein Foto herstellen, weil das Minderjährige bei sexuellen Handlungen sind. Und wenn sich das Pärchen selber fotografiert, dürfen sie die Bilder gerade noch behalten – aber zum Beispiel nicht an jemand anderen schicken. Das hat mit dem Schutz der Kinder vor Prostitution überhaupt nichts mehr zu tun.

Herrlich amüsant, nicht wahr? Den ganzen Text gibt es dann bei der Süddeutschen zu lesen.

Hoffentlich kommt dieser Beschluss durch, das wäre doch echt mal witzig!
Wenn wir noch ein paar mehr solcher Regelungen haben, kann wohl so ziemlich jeder wegen irgendwas angezeigt werden. Parkt schief, hat Raubkopien, hat Fotos „mit Darstellung sexueller Handlungen, schickt E-Mails an verdächtige Subjekte, hat zwei Handyverträge und viel Besucherverkehr an seiner Haustür – zack!

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