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72 Stunden Natur im Tinyhouse

Im 72 Hour Cabin auf der Insel Henriksholm in Schweden hat man die Möglichkeit, sich in einem minimalistischen Glashäuschen inmitten der wunderschönsten Natur zu entspannen und den Stress abfallen zu lassen. Und das ist sogar wissenschaftlich bewiesen!

Ein Campingurlaub in Schweden ist perfekt, um sich zu entspannen, der Natur nahe zu sein und sich auf die wichtigen Dinge zu besinnen. Doch kann ein Urlaub im Zelt auch stressig sein.

Es ist nicht einfach, einen schönen Campingplatz zu finden, das Zelt baut sich auch nicht von selbst auf und das Kochen mit dem Trangia ist auch nicht so einfach und lecker, wie man sich das Zuhause noch vorgestellt hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass einem moderne Campingplätze das Leben sehr einfach machen. So gibt es, neben dem perfekt gepflegten Rasenplatz, meist eine voll ausgestattete Küche mit Kaffeemaschine und Geschirrspüler und viele Campingplätze bieten gleich einen ganzen Blumenstrauß an Entertainmentprogrammen (nennen wir es mal nicht Animation) mit an. Außerdem hat man, insbesondere während der Hauptsaison, auf dem Campingplatz immer viele Menschen um sich.

Um dem zu entfliehen und die schwedische Natur voll und ganz auf uns wirken zu lassen, folgten wir den Spuren der Pioniere des so genannten „72-Stunden-Projektes“, das 2017 von der schwedischen Tourismusbehörde ins Leben gerufen wurde.

Was ist das 72 Stunden Projekt?

Mit der neuen Fallstudie wollte die schwedische Tourismusbehörde die positiven Auswirkungen des naturnahen schwedischen Lebensstils auf die Gesundheit beweisen. Das — zugegebenermaßen wohl recht subjektive — Ergebnis: in 72 Stunden reduzierte sich das Stresslevel der Teilnehmer um 70 Prozent.

Letztes Jahr wurden auf der kleinen Insel Henriksholm am See Ånimmen fünf minimalistische Glashäuser errichtet und fünf Personen mit besonders stressigen Berufen dazu eingeladen, die nächsten 72 Stunden den naturnahen Lebensstil der Schweden zu kosten, während sie von Stressforschern und Ärzten untersucht wurden (vorher, währenddessen und danach).

Nach 72 Stunden, so die Studie, waren Blutdruck und Puls bei allen gesunken und der Stress hatte nachgelassen.

Was sind das für Glashäuser?

Die fünf Tinyhouses liegen abgelegen auf der Insel Henriksholm, sodass sich die einzelnen Gäste nicht zwangsläufig über den Weg laufen und jeder seine Ruhe hat. Sie bestehen fast nur aus Fensterfront und ermöglichen einem den Blick in den Wald und direkt auf den See, sowie, dank gläsernem Dach, auch auf den Sternenhimmel. Lediglich eine vollflächige Holz-Flügeltür und die hölzerne Rückwand versperren die Sicht.

Gestaltet wurden sie von der Architektin Jeanna Berger und erbaut von Jonas Fred Hell und Robert Fridh.

Im Tinyhouse selbst stehen nur ein großes Doppelbett und ein paar Kerzen für die Nacht, darunter ein Eimer für Müll oder andere dringende Bedürfnisse …

Wie funktioniert der Aufenthalt im Tinyhouse?

Die Besonderheit der Häuser liegt darin, dass man diese nur für 72 Stunden buchen kann. Am Anreisetag wird man von einem Motorboot vom gegenüberliegenden Ufer des Örtchens Ånimskog abgeholt. Mitnehmen darf man nur eine kleine Reisetasche mit den nötigsten Utensilien — alles andere bleibt an Land.

Auf der Insel angekommen, beginnt die naturnahe Entspannungsreise mit einem ca. 10-minütigem Fußmarsch zum Servicehaus, wo Kaffee und Kekse schon bereitstehen. Hier wird das Projekt vorgestellt und man bekommt alles erklärt.
Der Aufenthalt ist inklusive Frühstück, Mittagessen und Abendessen, welches zusammen mit den anderen Gästen eingenommen werden kann (aber nicht muss). Im Servicehaus befinden sich, neben einem kleinen Aufenthaltsraum auch die einzige Dusche und eine Toilette für die Gruppe.

Nach dem Käffchen geht’s dann weiter zum Haus. Je nachdem, wo das Haus auf der Insel liegt, dauert der Fußmarsch dorthin zwischen fünf Minuten und einer halben Stunde. Ein weiterer Grund, wieso man nicht zu viel Gepäck dabeihaben sollte ;).

Unser Tinyhouse für die nächsten 72 Stunden

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Unser Häuschen ist direkt am See Ånimmen gelegen und bietet damit sowohl den Blick in den Wald, als auch auf den See. Der Weg vom Servicehaus dorthin dauert etwa zwanzig Minuten über einen schmalen Trampelpfad durch den Wald.

Zum nächsten Haus sind es in die eine Richtung fünf Minuten und in die andere Richtung zehn Minuten zu Fuß — man hat also wirklich seine Ruhe.

Während unseres gesamten Aufenthalts ist niemand an unserem Häuschen vorbeigekommen, sodass wir die zur Verfügung stehenden Sichtschutz-Gardinen gar nicht benutzt haben.

Wie ist es für 72 Stunden in einem Tinyhouse zu leben?

Bevor wir ins Tinyhouse zogen, hatten wir schon etliche Tage Campingurlaub und Wanderungen hinter uns und freuten uns auf noch mehr Natur und vor allem noch mehr Ruhe. Einfach mal drei Tage lang nichts tun und sich nur um sich selbst kümmern — und das in so einer romantischen kleinen Hütte!

So in etwa war es auch.

Die volle Dosis schwedische Natur im Sommer

Jedoch waren wir nicht auf die Wucht vorbereitet, mit der uns die schwedische Natur auf Henriksholm begrüßte: Heerscharen von Mücken, Bremsen und — das was wohl am schlimmsten war — Zecken fielen über uns her, wie eine Horde hungriger Zombies.

Wohingegen in Deutschland das Ausbleiben zahlreicher Insektenarten bemängelt wird, waren wir uns sicher, dass diese alle Urlaub in Schweden machen. Auf Henriksholm. Mit uns zusammen. Im ganzen Schwedenurlaub haben wir nicht so viele Insekten an und in uns gehabt, wie in diesen drei Tagen.

Aber, eines muss ich sagen: man gewöhnt sich dran. Und das schneller als gedacht! Wo einem früher noch Spinnen und Fliegen Sorgen bereiteten, belächelt man diese harmlosen, zahnlosen Tierchen nur noch und neben Bremsen und Zecken verblasst selbst der Terror von Mücken zu einem sorglosen Schulterzucken. Man sollte nur daran denken, genug AntiBrumm und eine Zeckenzange dabei zu haben.

Einfach nur genießen und entspannen

Die Natur um einen herum ist so atemberaubend schön, dass man seinen Blick einfach nicht abwenden kann.
So haben wir die meisten unserer 72 Stunden damit verbracht, im See zu schwimmen oder einfach nur Löcher in die Luft zu starren und die Schönheit unserer Umgebung zu genießen.

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Holzboote für Angelausflüge

Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind dabei vielfältig, aber nicht obligatorisch.
Es stehen Ruderboote zur Verfügung, mit denen man auf den See fahren und angeln kann, oder Kajaks für kleinere Paddeltouren. Außerdem gibt es ein kleines Saunahaus direkt am See gelegen:

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Das kleine Saunahäuschen auf der anderen Seite der Insel

Des Weiteren kann man auch sehr schöne Wanderungen entlang der Inselküste machen. Einmal rund um die Insel sind etwa acht Kilometer und der Trampelpfad ist für geübte Crossläufer auch zum Laufen geeignet.

Oder aber man verbringt die Zeit einfach in seinem kleinen Glashäuschen in gemütlicher Zweisamkeit:

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Unsere Cabin direkt am See

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Innenansicht der 72 Stunden Cabin

Wir waren rund um Midsommar auf Henriksholm und haben die kurzen und hellen Nächte damit verbracht, eingekuschelt bei Kerzenlicht auf den See zu schauen und der Natur zu lauschen.

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Der Sonnenuntergang an Midsommar

Dieser kleine Fleck Erde ist schon etwas ganz Besonderes. Unglaublich viele verschiedene Vögel leben auf der Insel und um sie herum. Es gibt auch ein paar Rehe auf der Insel, sodass selbst nachts immer irgendwo irgendetwas Geräusche macht. Näher kann man der Natur wohl nur beim Wildcampen sein.

Das Essen im Tinyhouse

Dass man sich, im Gegensatz zum Camping, zudem nicht um Nahrungsbeschaffung oder -zubereitung kümmern muss, tut sein übriges zur Entspannung bei. Denn, wie eingangs erwähnt, sind Frühstück, sowie Mittag- und Abendessen bei dem 72-Stunden-Aufenthalt inklusive.
Gereicht werden die Mahlzeiten im Servicehaus und man hat entweder die Möglichkeit Frühstück und Mittagessen gemeinsam mit anderen Gästen (so denn welche dort sind) einzunehmen, oder ein Picknick irgendwo auf der Insel zu machen.

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Blick vom Servicehaus auf den See

Das Abendessen findet bei gutem Wetter in geselliger Runde draußen statt und ist sehr abwechslungsreich und gesund gestaltet. Auf individuelle Wünsche wird zudem gerne eingegangen und alle Mahlzeiten sind sehr reichhaltig.

72 Stunden Entspannung im Tinyhouse

Wir haben unseren 72-Stunden-Aufenthalt dort sehr genossen und uns wirklich entspannt. Man hat das Gefühl, dass man die kleine Insel für sich ganz alleine hat und kann einfach tun und lassen was man will. Am Ende haben wir jedoch festgestellt, dass wir so viel gar nicht wollten. Wir waren nur ein paar mal Schwimmen und haben ein paar Spaziergänge gemacht. Den Rest der Zeit haben wir uns einfach nur entspannt, haben die Natur auf uns wirken lassen, haben gedöst und in Ruhe geklönt. Einfach herrlich!

Häuschen buchen und entspannen

Aktuell ist es noch ungewiss, wie lange die 72-Stunden-Häuschen auf der Insel stehen bleiben dürfen, da dem verschiedene Gesetze im Wege stehen. Aber so lange die Cabins noch stehen, kann man sie auch nach dem Studienzeitraum buchen und dort entspannen.

Staffan und Maria Berger, die Besitzer der Insel Henriksholm, führen das von der schwedischen Tourismusbehörde ins Leben gerufene Projekt weiter und bieten auf ihrer Webseite die Möglichkeit, die Häuser direkt zu buchen: www.stenebynas.se. Dort findest Du auch weiterführende Informationen zum Projekt.
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