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Interview mit Ralph Caspers

Ralph Caspers — das multimediale Supertalent? Er schreibt Bücher, ist im Fernsehen zu sehen und aktiv im Internet. Was treibt ihn an, wie sieht sein Alltag aus? Ich habe ihn interviewt um den Fragen auf den Grund zu gehen.

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Ende 2013 traf ich Ralph Caspers auf dem eTailment Summit in Berlin, bei dem er die Moderation übernahm und fragte ihn kurzerhand nach einem Interview. Ralph Caspers moderiert bereits seit einiger Zeit „Die Sendung mit der Maus“ und ist inzwischen ein fester Bestandteil der allsonntäglich ausgestrahlten Sendung. Zudem ist er Moderator seiner eigenen Sendereihe „Wissen macht Ah!“. Doch das sind längst nicht alle Projekte des sympathischen Tausendsassas: er schreibt eigene Bücher,  ist Botschafter der UN-Dekade Biologische Vielfalt, war 2013 Schirmherr des Barcamps Erfurt und ist immer hungrig nach neuen Ideen. Und Ralph Caspers ist ein Onliner! Bei Twitter und Tumblr begegnet man dem „Sendung mit der Maus“-Mann regelmäßig.

Ich freue mich daher besonders euch heute das Interview präsentieren zu können, welches wir kurz vor Weihnachten durchführten:

Bastian: Du wurdest in Borneo geboren, aber das genaue Geburtsdatum ist unbekannt. Feierst Du Geburtstag und wenn ja wann?
Ralph: Ja, ich feiere Geburtstag. Und das Tolle ist: ich habe mir angewöhnt bei allen Firmen, bei denen man ein Geburtsdatum angeben muss, immer etwas anderes anzugeben. Dadurch bekomme ich das ganze Jahr über Geburtstagspost.

Bastian: Hast Du Dir einen festen Tag rausgepickt, an dem Du Geburtstag feierst?
Ralph: Ja, das wechselt aber auch immer. Es gibt keinen Stichtag. Je älter man wird, desto unwichtiger wird Geburtstagfeiern. Das Tolle ist doch, wenn man älter wird und erwachsen, dann kann man ja feiern wann und wo man will. Und wie man will. Man braucht keine „Geburtstagsentschuldigung“.

Bastian: Du bist über kleinere Jobs ans Fernsehen gekommen. Wolltet Du schon immer im Fernsehen zu sehen sein, oder hat sich das eher zufällig ergeben?
Ralph: Ne, das wollte ich nie. Das war wirklich Zufall. Ich wollte eigentlich Grafikdesign studieren, das hat aber nicht geklappt und dann habe ich übergangsweise verschiedene Jobs gemacht und hab dann irgendwann als Kameraassistent gearbeitet. Durch einen Zufall war ich mal auf einem Video drauf und das hat jemand von Super RTL gesehen und meinte, „der wäre perfekt für eine Tiersendung, die wir machen wollen“. Und so hab ich dann angefangen für Super RTL ein Tiermagazin zu moderieren.
Und dann bin ich immer weitergeschliddert, aber es war nie so geplant.

Bastian: Bist Du denn glücklich damit, wie es gekommen ist?
Ralph: Auf jeden Fall!

Bastian: Ich stelle mir vor, dass das alles ziemlich stressig ist. Du warst erst kürzlich für die Sendung mit der Maus in Island unterwegs. Hast Du irgendwelche Hobbys zum Ausgleich?
Ralph: Nein, Hobbys braucht man ja immer zur Kompensation von Dingen, die einen bei der Arbeit nerven, aber ich mache ja so viele unterschiedliche Sachen. Es ist ja nicht so, dass ich jeden Morgen in mein Büro gehe und dann da Ablage mache, sondern es ist ja immer etwas anderes und ich habe so viel Abwechslung und manchmal auch Leerlauf, dass ich gar kein Hobby zum Ausgleich benötige.

Bastian: Bist Du ein Workaholic?
Ralph: Ich bin eher faul.

Bastian: Dafür machst Du aber eine ganze Menge!
Ralph: Ja, vielleicht kommt es mir deshalb so vor, weil mir meine Arbeit keine Mühe macht. Ich muss mich nicht überwinden zu arbeiten, sondern ich mache das gerne. Es ist nicht so, dass ich nach einem Tag völlig geschafft bin. Ich bin zwar kaputt, aber nicht psychisch oder seelisch fertig.

Bastian: Wie sieht ein typischer Tag bei Dir aus, gibt es so etwas überhaupt?
Ralph: Ich stehe morgens auf, dann frühstücken wir alle zusammen und jeder geht seines Wegs. Es kommt natürlich immer darauf an, was ich gerade mache. Wenn ich zum Beispiel drehe, ist es oft so, dass ich zum WDR fahre. Vorgestern haben wir den ganzen Tag für die Sendung mit der Maus im Studio gedreht. Da haben wir die An- und Absagen gemacht, die vor der eigentlichen Sendung laufen. Da waren dann alle dabei: mit Mauspuppe, Maulwurf und Käpt’n Blaubär und Hein Blöd. Das war ein richtiges Großereignis. Das haben wir auch den ganzen Tag gemacht, damit wir das für die nächsten drei Sendungen schon mal komplett fertig haben.
Es sieht dann so aus: wenn ich im WDR ankomme, gehe ich erstmal in die Maske und werde hübsch gemacht. Dann gehe ich ins Studio und dort gibt es eine kurze Besprechung und jeder bekommt seinen Text. Den lese ich dann ein paar mal durch und wir machen Schritt für Schritt die einzelnen Einstellungen.
Zwischendurch ist für mich immer mal wieder Pause, weil dann die Leute vom Licht das Licht neu einrichten müssen und dann geht es von vorne los: die nächste Moderation, bis alles fertig ist.
Dann schminke ich mich ab und fahre wieder nach Hause.
Eigentlich so, wie man es sich vorstellt, wenn man zur Arbeit geht.

Bastian: Wie lang ist Dein Arbeitsweg zum Studio?
Ralph: Wenn wird in der Innenstadt drehen, dann brauche ich ungefähr 20 Minuten. Und wenn wir in Bocklemünd drehen, dann brauche ich zwischen 20 und 45 Minuten — je nach Verkehrsmittel. Und wenn ich im Büro arbeite, dann brauche ich zehn Minuten von zu Hause aus.

Bastian: Bist Du glücklich in Köln?
Ralph: Ja, Köln ist eine tolle Stadt. Sie ist klein und beschaulich und trotzdem bekommt man viel mit. Und sie liegt in der Mitte Deutschlands und man ist schnell woanders, ohne dass man weite Wege auf sich nehmen muss.
Wir haben letztens einen Ausflug nach Brüssel gemacht und das ging superschnell mit der Bahn.

Bastian: Wie klappt es mit dem Familienleben? Du hast eben gesagt, morgens geht jeder seines Weges und abends sieht man sich wieder. Vermissen sie Dich oft?
Ralph: Da gehe ich doch mal von aus!

Bastian: Habt ihr denn genug Zeit fürs Familienleben?
Ralph: Ja, ich denke schon.

Bastian: Gut, dann kommen wir als nächstes zu meinen Onlinefragen.
Ralph: Onlinefragen? Nein, ich bin nicht abgemahnt worden! (lacht)
Bastian: Deine Frau auch nicht?
Ralph: Keiner bei uns!

Bastian: Wie lange am Tag bist Du online?
Ralph: Alleine durchs Telefon bin ich den ganzen Tag online. Aber es kommt drauf an, was ich gerade mache. Wenn ich gerade recherchiere oder schreibe, ist es ganz anders als wenn ich den ganzen Tag im Studio bin und vor der Kamera arbeite. Aber von acht Stunden bin ich bestimmt die Hälfte online.

Bastian: Mit welchen Geräten gehst Du online?
Ralph: Im Büro sind wir voll ausgerüstet, wir haben sogar eine Spielekonsole im Büro. Im Grunde sind wir mit allem online.

Bastian: Außer mit der Kaffeemaschine?
Ralph: Die ist ganz old-school.

Bastian: Trinkst Du lieber Filterkaffee oder die fancy Getränke wie Latte Macchiato, Espresso, Cappuccino?
Ralph: Ich trinke eher Espresso und Cappuccino und gerne mit viel Milchschaum und Latte-Art. Manchmal glückt mir sogar ein Herz! Der Trick ist wirklich, dass der Schaum fast noch flüssig ist. Der darf nicht zu fest sein. Wenn er die richtige Konsistenz hat, geht es fast von alleine.

Bastian: Wenn Du privat online bist, was machst Du dann?
Ralph: Wenn ich online bin, ist es immer für die Arbeit und privat gleichzeitig. Das vermischt sich. Ich lese viel und ich lasse mich oft inspirieren und begeistern, auf was für Ideen die Leute kommen. Es gibt so ein paar Webseiten, die ich immer wieder aufrufe und von da geh ich dann weiter. Es ist wie so ein Bewusstseinsstrom.

Bastian: Du hast mal ein Interview bei Ehrensenf gegeben und dort viele Webseiten genannt, die Du als Ausgangspunkte beim Surfen benutzt. Sind die immer noch aktuell?
Ralph: Ja, teilweise sind es noch die gleichen, aber es wechselt natürlich. Ich weiß gar nicht mehr, was ich da alles vorgeschlagen habe. Irgendwann findet man wieder einen neuen Startpunkt, und dem bleibt man dann eine Zeit lang treu und findet neue Sachen heraus und dann geht man weiter. Es wechselt.

Bastian: Liest Du nur online oder auch offline, also richtige Papierbücher?
Ralph: Ich lese auch richtige Papierbücher. Ich mag total gern alte Schinken wie Lovecraft aber ich lese auch total gern neuere Sachen. Das letzte was ich gelesen habe war von John Green, der mit seinem Bruder zusammen auch ein super Videoblog hat, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Und jetzt lese ich gerade ein Jugendbuch, „Wunder“ heißt das.

Bastian: Du hast ja auch schon selbst Bücher geschrieben — sind noch weitere geplant?
Ralph: Mein Kopf ist voll mit vielen Sachen, die ich gerne noch machen möchte. Und da sind auch noch Bücher drin. Aber ich weiß nicht, wann ich dazu komme.

Bastian: Das klingt spannend! Was sind das für Sachen?
Ralph: Ich würde gerne viel mehr noch fürs Internet machen. Nicht unbedingt fürs Fernsehen, sondern so kleine Serien. Was ganz einfaches. Da kreist ganz viel in meinem Kopf rum. Das Problem ist, dass ich vor lauter Ideen gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Durch meine Arbeit, bin ich da sehr sehr langsam, bis ich irgendwann mal dazu komme was davon umzusetzen.

Bastian: Du warst Schirmherr beim Barcamp Erfurt in 2013. Warst aber selber nicht vor Ort.
Ralph: Das ist richtig. Wir haben eine Videokonferenz gemacht. Ich war noch nie auf einem Barcamp, fand die Idee aber ansprechend. Ich finde das total unterstützenswert. Ich mag’s wenn Leute das, was sie wissen, weitergeben. Ich mag es, mir Vorträge anzuhören von Leuten, die ihr Thema gefunden haben und dafür total die Leidenschaft entwickelt haben und das auch transportieren können. Bei den Barcamps geht es hauptsächlich ums Teilen und das gefällt mir.

Bastian: Fährst Du selbst gerne in Urlaub?
Ralph: Ja, ich fahre gerne in Urlaub. Gerade Island war super. Es erinnert ganz extrem an Herr der Ringe. Eine ganz raue Landschaft mit all den Vulkanebenen. Es macht unheimlich viel Spaß da rumzugehen und sich das anzuschauen. Das Wetter ändert sich dort alle fünf Minuten. Wir hatten Sonnenschein, Regen, Sturm und auch Schnee.

Bastian: Ist das Deine Idealvorstellung von Urlaub, so ganz naturnah zu sein?
Ralph: Naja, die ganze Zeit am Strand rumzusitzen wird mir schnell langweilig. Ich habe aber keine Idealvorstellung von Urlaub. Meine Idealvorstellung von Urlaub bezieht nicht auf konkrete Orte, sondern mehr darauf den Kram zu Hause loszulassen und einfach rumzuhängen und zur Ruhe zu kommen. Mal keinen „nächsten Termin“ zu haben.

Bastian: Das war’s schon, vielen Dank für das Interview Ralph!
Ralph: Gerne!

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