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Flüchtlingshilfe in den Messehallen

Seit Anfang August sind in den Messehallen in Hamburg ca. 1.200 Flüchtlinge untergebracht und die Initiative „Refugees Welcome Karoviertel“ hat in der Halle B7 eine Kleiderkammer eingerichtet, die mit der Zeit die zentrale Anlaufstelle für alle Kleider- & Sachspenden für den Großraum Hamburg geworden ist.

messehalle-b7-hamburg-kleiderkammer

Heute war ich das erste mal dort, um zu helfen. Etwas naiv liefen wir die Messehallen entlang zum Eingang. Im Gepäck eine große Tüte mit aussortierten Klamotten und die Bereitschaft, mit anzupacken.

Das Bild, welches sich mir bei der Ankunft dort bot, war schlichtweg überwältigend!
Am Tor zu den Hallen steht ein(!) Security-Mitarbeiter, der den ankommenden Strom von Fahrzeugen in die richtigen Bahnen lenkt. Zwischen den Hallen ist die große Annahmestelle — ein riesiger Berg von Klamotten in Tüten und Kartons türmt sich auf — der dort bereits grob nach Damen, Herren und Kindern vorsortiert wird.
Doch nicht nur Klamotten werden angenommen. Sehr dringend benötigt werden auch Hygieneartikel, Bettdecken und Kissen, Wörterbücher oder ganz pragmatisch: Logistikartikel (Kartons, Klebeband, Stifte, etc.).
Eine aktuelle Liste findest Du auf zusammenschmeissen.de.

Wir haben unsere spärliche Tüte mit Klamotten auf die entsprechenden Berge verteilt und uns am Infotisch gemeldet.
Sofort haben wir ein Namensschild bekommen und Informationen, wo wir wie helfen können.

Und dann ging es rein in die Halle.

Überall Menschen, die kreuz und quer Kisten schleppen, mit Ameisen Paletten verschieben und Klamotten sortieren.
Wir sollten uns bei René ganz hinten in der Halle an den Lkw melden, er braucht noch Hilfe. Dort angekommen, ein ebensolches Gewusel von Menschen, die zwischen den Paletten Kartons hin und her tragen und Gabelstapler, die amateurhaft die Lkw palettenweise mit Kleiderspenden beladen.

Unsere Aufgabe sollte es sein, eben jene Paletten zusammenzustellen, zu verschweißen, zu registrieren und für den kommenden Abtransport ins Lager am Montag bereitzustellen. Von diesen Lagern aus werden die Spenden dann weiter auf die einzelnen Flüchtlingsunterkünfte in Hamburg und dem Hamburger Umland verteilt.

Überall Freiwillige

Im Laufe der Wochen hat sich in den Messehallen ein System etabliert, wie wo welche Arten von Kisten gestapelt und sortiert werden, sodass jederzeit nahezu beliebig viele unerfahrene Helfer mit anpacken können.
Die Atmosphäre in den Messehallen ist erstaunlich — jeder hilft jedem, ohne wenn und aber.

Irgendjemand ruft „wir brauchen hier mehr Paletten!“ und schon schwärmt eine hand voll Leute aus, und besorgt Paletten. Wofür die benötigt werden? Wo die genau hinsollen? Wie viele Paletten überhaupt? Egal, erstmal besorgen und dann sieht man weiter. Es findet sich schon.

Und in der Tat, es findet sich. Folie zum einschweißen, Hubwagen, Paletten, Stifte zum Beschriften — alles geht von einer Hand in die andere und wie ein Ameisenhaufen werden die jeweils anstehenden Aufgaben erledigt.
Selten habe ich so viel Menschen derart unkoordiniert so viel Arbeit erledigen sehen. Es sind halt alles keine Logistiker. Ich ja auch nicht. Und so werden manchmal Paletten gepackt, dann wieder umgepackt und nochmal verschoben, bis alles fertig ist. Aber es wird fertig. Viel hilft viel.

Und trotz dem man in einer riesengroßen Halle ist, ist der Platz beschränkt. Manchmal steht man zwischen vier Paletten und kann sich gerade mal umdrehen:

messehalle-b7-hamburg-kleiderkammer-panorama

Die „Kleiderkammer“ in der Halle B7 der Hamburger Messehallen

In der Zeit, in der wir da waren, haben wir zusammen mit den anderen sicher 20 Paletten für Montag fertig gemacht. Am Ende waren wir fix und fertig. Durchgeschwitzt, erschöpft, aber total glücklich und überwältigt, von der Hilfsbereitschaft in Hamburg.

Du willst auch helfen, weißt aber nicht wie?

Selten war es so einfach, zu helfen. Denn an jeder Ecke wird Hilfe benötigt.
Bis Ende Dezember wird die Kleiderkammer noch in den Messehallen sein (Quelle: Zeit)

1. Geldspenden

Geldspenden sammelt der Spielplatzverein BaSchu e.V. (spenden@baschu-hamburg.de) ein. Am einfachsten via PayPal oder Banküberweisung:

BaSchu e.V.
IBAN DE50 2007 0024 0320 8329 00
BIC DEUTDEDBHAM

Hier findest Du auch weitere Informationen zu dem Verein und wie das alles funktioniert.

2. Sachspenden

Was genau benötigt wird, findest Du auf zusammenschmeissen.de.
Die Liste wird regelmäßig aktualisiert und Du solltest Dich unbedingt daran halten.
Wenn Du Hygieneartikel spenden möchtest, dann am besten gleich kartonweise, das ist in der Praxis einfacher 😉

Die Spenden kannst Du direkt an den Messehallen abgeben:

messehalle-b7-hamburg-kleiderkammer-anfahrt

3. mit anpacken

Und wenn Du sowieso schon da bist, dann gehe einfach für eine halbe Stunde oder Stunde (gerne auch länger) in die Halle rein und packe mit an! Wie gesagt wird überall Hilfe gebraucht und alle dort sind nett und hilfsbereit.

Wenn Du länger durchhalten möchtest, empfehle ich Dir, Dich wie folgt auszustatten:

Danke

Ein dickes fettes Danke, an alle die bei den Messehallen gespendet und mitgeholfen haben! Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Hilfe so schlagartig in Hamburg mobilisiert werden konnte und ich hoffe, dass diese Hilfe auch so lange anhält, bis die Krise überstanden ist oder die Hilfe nicht mehr benötigt wird.

Im Moment ist das alles nur Feuerlöschen. Unheimlich wichtig, aber leider nur wenig nachhaltig. Denn täglich kommen neue Flüchtlinge in Hamburg an und werden von dort aus auf die unterschiedlichen Unterkünfte in Deutschland verteilt.

Als Dankeschön bekommst Du das gute Gewissen, geholfen zu haben und hast die Ehre, Dein Namensschild zu den abertausenden Schildern der anderen Helferinnen und Helfer zu kleben:

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Ausschnitt aus Tausenden von Namensschildern am Eingang der Messehallen.

 


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2 Kommentare zum Artikel
“Flüchtlingshilfe in den Messehallen”

  1. Sandra sagt:

    Danke für den interessanten Bericht über die Hilfe in den Hallen. Es tut sehr gut auch Artikel zu lesen, die zeigen, das Hilfe und helfen eine gute Sache ist. Danke auch für die weiterführenden Links.

     

    Liebe Grüße

    Sandra

  2. […] Auch die Initiative „Refugees Welcome Karoviertel“ nutzt eine der Hallen als Kleiderkammer. Bastianoso ist zum Helfen hingefahren und hat einen sehr interessanten Bericht darüber […]

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