
Meine ICQ-Kontaktliste hat sich in den letzten 12 Jahren zu einem Sammelsurium von weltweiten Internetkontakten gemausert. Damals war es noch etwas Besonderes jemanden in Australien, den USA oder Schweden in der Liste zu haben, heute ist das eine Selbstverständlichkeit.
ICQ war der erste Instant-Messaging-Dienst den ich im Internet genutzt habe, damals noch von der israelischen Firma Mirabilis (1998 erwarb AOL die Firma).
Ab und an trieb ich mich auch mal im IRC herum, schätzte aber die Möglichkeit bei ICQ Nachrichten auch an Kontakte zu schicken, die gerade offline waren und außerdem trieben sich im IRC meist nur Freaks, Geeks und Nerds herum während man bei ICQ auch Normalos fand.
Im Laufe der Jahre warfen auch andere Anbieter, darunter MSN, AOL und Yahoo, ihre Instant-Messaging-Anwendungen auf den Markt, konnten ICQ damit aber nicht den Rang ablaufen, obwohl sich ICQ mit steigender Popularität durchaus technischen Herausforderungen gegenübergestellt sah.
So gab es gelegentliche Downtimes der ICQ-Server (OSCAR-Server), sodass man sich nicht verbinden konnte, die Kontaktliste nicht einsehen konnte und logischerweise auch keine Nachrichten verschicken konnte.
Trotzdem war zu seiner Zeit ICQ das Synonym für Instant-Messaging (IM).
Doch die Zeiten änderten sich.
Mit der Übernahme durch AOL wurden auch die Nutzungsbedingungen der Software angepasst.
Herausragendster Punkt dabei ist die Tatsache, dass das Urheberrecht auf alle über ICQ verschickten Nachrichten an AOL geht. Also sollte man besser keine Geschäftsgeheimnisse über ICQ verschicken
Außerdem hat AOL öfters seine Protokollhoheit ausgenutzt und kleine Änderungen am Protokoll vorgenommen, sodass sich ICQ-Anwendungen von anderen Programmierern nicht mehr verbinden konnten.
Zwar schliest AOL die Nutzung von Programmen von Drittherstellern in seinen angepassten Nutzungsbedingungen aus, dennoch ist dieser Schritt nicht sehr fair.

Ich glaube es war im Jahre 2004 als die Software Skype ganz groß rauskam.
Mit Skype konnte man auch Nachrichten an Kontakte aus einer Kontaktliste verschicken.
Aber man konnte sie zusätzlich anrufen!
Über das Internet!
Voice-over-IP nannte sich das Verfahren, bei dem Sprachsignale in digitaler Form aufgeteilt als normale Paketdaten übertragen werden.
Das konnte man vorher auch schon, da war es aber immer etwas frickelig und die Qualität war meist schlecht.
Mit Skype gab es nun eine Software, die man kostenlos herunterladen konnte und die einfach zu bedienen war.
Viele meiner ICQ-Kontakte konvertierten zu Skype und viele neue Kontakte kannten ICQ gar nicht mehr.
Da sah man oft in fragende Gesichter und musste sich Sätze wie “ist das sowas wie Skype?” oder “Kenn’ ich nicht, aber ich hab’ Skype!” anhören und so sah ich mich gezwungen auch einen Skype-Account zu eröffnen.
Bis heute stört mich das bunte Interface der Software, die wenigen Features und Telefonieren tue ich immer noch lieber mit dem Telefon.

Fast zeitgleich mit Skype hat ein anderes IM-Protokoll an Popularität gewonnen.
Jabber, technisch als XMPP (Extensible Messaging and Presence Protocol) bezeichnet, ist ein freies Protokoll, dessen Serversoftware sich jeder selbst herunterladen und installieren konnte.
Der Benutzername besteht in der Regel aus einer E-Mail-Adresse, sodass jeder der eine E-Mail-Adresse besitzt, bereits in der Lage ist darauf einen IM-Account zu betreiben.
Der Vorteil am freien Jabber-Protokoll ist, dass die Kontaktliste auf Deinem eigenen Server liegt, und Deine IM-Nachrichten nicht in den Besitz von AOL übergehen, sondern Du stets der Urheber bleibst.
Mit den beiden neuen Diensten Skype und Jabber gilt ICQ eigentlich als überholt. Ich habe es lange Zeit nur noch aus historischen Gründen betrieben und hatte schon länger vor ICQ irgendwann mal abzuschalten.
Vor kurzem wurde mir die Arbeit abgenommen. Ein Botnetz hat meinen ICQ-Account gehackt.
Kein Problem dachte ich, wollte ein neues Passwort anfordern und mich wieder einloggen.
Aber ICQ.com kannte meine E-Mail-Adresse nicht mehr.
Nach viel Lesearbeit und einigen Forenpostings fand ich heraus, dass der Account scheinbar für immer verloren ist. Der “Support” von ICQ ist eigentlich gar kein Support, denn um gehackte Accounts kümmert sich dort niemand. Der mühsam recherchierte Ratschlag, wie man wieder an seinen alten ICQ-Account kommt ist, einen neuen Account zu öffnen.
Script-Kiddie wie ich bin, habe ich ein bisschen im Untergrund gewühlt und mir selbst ein Programm installiert um meinen Account zu hacken.
Sieben Tage ließ ich das Programm laufen und habe satte 798 Millionen Passwortkombinationen durchgehechelt.
Ohne Erfolg.
Nun ist es mir auch egal.
Ich bin also ab sofort IM-mäßig “nur noch” per Skype und Jabber zu erreichen, wobei meine Jabber-ID gleich meiner privaten E-Mail-Adresse ist.
Wer sich auch einen Jabber-Account einrichten möchte, dem kann ich das Blog von Frank Helmschrott empfehlen, er hat dort eine kompakte Anleitung unter Verwendung einer neuen E-Mail-Adresse erstellt.
Hacker vs. Cracker12. Oktober 2005
Computer Hacken für Dummies7. Mai 2005
Carsten Köthe’s Schleswig-Holstein-Wort: Tipps4. November 2005
Computer Hacken für Dummies7. Mai 2005
Wie alt werden Marienkäfer?11. November 2006
Willkommen in der Arbeitslosigkeit16. April 2005


0 Kommentare zu Warum ICQ tot ist
[...] dass ich wohl mit meinem Problem nicht alleine bin. In den ICQ-Foren und auch in diversen Blogs finden sich ähnliche Problembeschreibungen. Scheinbar werden seit Mitte April vermehrt Accounts [...]
[...] bin ich nach einer kurzen Recherche allerdings nicht der einzige. Vom gleichen Schicksal berichten Pfannenwender und puzzlemind sowie zahlreiche ICQ-Benutzer im offiziellen Forum des Instant-Messengers. Ich ziehe [...]